Internationales | 14.06.2021

Schweizer gegen Agrarinitiativen

Mit jeweils klarer Mehrheit haben sich die Schweizer gestern gegen die Volksinitiativen „Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung“ und „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ ausgesprochen. von AgraEurope

Die Schweizerinnen und Schweizer haben im Sinne des Bauernstandes entschieden (Foto: Claudia Beyli_Pixabay)

Die Schweizerinnen und Schweizer haben im Sinne des Bauernstandes entschieden (Foto: Claudia Beyli_Pixabay)

Beide wurden mit mehr als 60 Prozent an Nein-Stimmen abgelehnt. Damit fiel das Votum noch klarer aus, als es sich zuvor in Umfragen abgezeichnet hatte. Die Initiativen scheiterten auch am sogenannten „Ständemehr“, denn mit Ausnahme nur von Basel-Stadt überwogen in allen Kantonen die Gegner. Neben der Stimmenmehrheit insgesamt hätte auch eine Mehrheit der Kantone den Initiativen zustimmen müssen.

SBV: „Ja“ hätte viele Nachteile gebracht
Der landwirtschaftliche Berufsstand zeigte sich erleichtert, der Schweizerische Bauernverband (SBV) erklärt: „Die einheimische Land- und Ernährungswirtschaft ist froh, dass die beiden extremen Vorlagen keine Mehrheit fanden.“ Diese hätten die einheimische Produktion reduziert, Lebensmittelimporte gefördert und die Preise fürs Essen erhöht. Speziell die Trinkwasserinitiative hätte nicht einmal der Umwelt einen Nutzen gebracht, so der SBV. Mit der neuen Pestizidgesetzgebung sei zudem garantiert, dass es weitere Schritte für eine noch nachhaltigere Landwirtschaft gebe.

Weitere Optimierungen garantiert
Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sind laut Bauernverband absolut zu Recht davon ausgegangen, dass die bereits auf den Weg gebrachten Maßnahmen und insbesondere die neue Pestizidgesetzgebung ohnehin zu einer verbesserten Praxis mit weniger Pflanzenschutz und geringeren Risiken führen werden. Weitere Optimierungen seien damit garantiert. Die Schweizer Landwirtschaft sei gewillt, diesen Prozess voranzutreiben, betont der SBV. Sie wolle sich im Sinne eines nachhaltigen Ernährungssystems weiterentwickeln. Dazu werde sie den Dialog mit der Wertschöpfungskette sowie den Konsumentinnen und Konsumenten suchen. Ziel solle sein, auch von Seiten des Marktes und der Nachfrage einen entsprechenden Sog zu erzeugen, denn jeder Lebensmittelkauf sei „eine Bestellung an die Landwirtschaft“.

Was die Initiativen erreichen wollten
Mit der Trinkwasserinitiative war die Forderung verbunden, dass in Zukunft nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine chemischen Pflanzenschutzmittel einsetzen, in ihrer Tierhaltung ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommen und die nur so viele Tiere halten, wie sie mit Futtermitteln vom eigenen Betrieb, also ohne Importe, ernähren können. Die Pestizidinitiative zielte ab auf ein Verwendungsverbot von synthetischen Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz sowie ein Einfuhrverbot für Lebensmittel, die solche Mittel enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind.