Südtiroler Landwirt, Produktion, Markt | 10.06.2021

Holzmarkt in starker Bewegung

Die Auftragslage in der Baubranche ist gut, die starke Nachfrage nach Holzprodukten lässt auch die Nachfrage nach Sägerundholz stark steigen – und damit die Preise. Trotzdem sind die Verluste, die die Forstwirtschaft letzthin erlitten hat, noch nicht vergessen. von Siegfried Rinner, Direktor Südtiroler Bauernbund

Zwar steigt die Nachfrage nach Rundholz und damit auch die Preise, das historische Preistief der letzten Jahre ist aber noch nicht überwunden.

Zwar steigt die Nachfrage nach Rundholz und damit auch die Preise, das historische Preistief der letzten Jahre ist aber noch nicht überwunden.

In Österreich und Bayern ist der Preis für Sägerundholz letzthin auf bereits 100 Euro pro Kubikmeter gestiegen und hat damit ein Hoch erreicht. Aber: Nach dem Sturmtief Vaja im Herbst 2018 und dem Schneedruck im darauffolgenden Jahr sind die Preise für Holz zunächst in ein gewaltiges Preistief geschlittert. Inzwischen hat sich der Preis – vor allem bei Nadel- und Industrieholz – zwar wieder erholt, man kann aber mit Fug und Recht behaupten, dass sich das Niveau in einigen Gebieten noch nicht wieder auf dem vor Vaja eingependelt hat. Dies ist umso badauerlicher, da in Südtirol – zumindest bisher – immer etwas mehr für Rundholz bezahlt wurde als in benachbarten Regionen. Und die Reserven, die in vielen Nassholzlagern – auch in Südtirol – noch geführt werden, wirken sich auch nicht gerade preissteigernd für das Sägerundholz aus. 

Vertrauen auf eine harte Probe gestellt

Das Sturmtief Vaja hat also nicht nur in der Landschaft Spuren hinterlassen, sondern auch bei den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern. Der rasante, massive Preisverfall war enttäuschend. Auch fehlten machbare Alternativen für einen raschen Abverkauf des Sturmholzes am lokalen und regionalen Markt, denn die Preise waren in ganz Mitteleuropa zu tief, um den Transport rentabel zu machen. Zudem konnten die Waldeigentümern nicht selbst Nasslager einrichten, denn zum einen mussten die Holzarbeiten bezahlt werden, zum anderen wäre das Risiko eines Wertverlustes durch die Lagerung noch größer gewesen als im Fall eines sofortigen Verkaufs. Dieser Sturm hat darum auch viel Vertrauen zerstört, langjährige Lieferverbindungen wurden auf die Probe gestellt. 

Jährliche Hiebsätze vorweggenommen

Die Holzpreise ziehen nun zwar wieder an, aber die Hiebsätze, die Wind und Schnee in den Jahren 2018 und 2019 vorweggenommen haben, werden in den kommenden Jahren fehlen. Darum muss das lokale Sägerundholz noch besser bezahlt werden, damit wieder mehr Holz eingeschlagen wird. Die Schnittholzpreise, die in den vergangenen Monaten stark angezogen haben, würden das zulassen. Das bestätigt auch Angelo Luigi Marchetti, Präsident von Assolegno: Laut seinen Informationen ist der Holzpreis seit vergangenem Herbst um 30 Prozent gestiegen, jener für Halbfertigprodukte hat sich im selben Zeitraum dagegen verdoppelt. 

Immer dann, wenn die Preise für Rohstoffe steigen, werden auch Stimmen laut, die lokale Wertstoffketten propagieren und die Organisation einer Lieferkette vom Säge­rundholz bis zum fertigen Produkt wünschen. Solche Ideen verschwinden aber genauso schnell, wie sie gekommen sind, sobald entweder der Rundholzpreis wieder sinkt oder wieder ausreichend günstigere Importware zur Verfügung steht. Auch an einer italienischen Holzbörse soll jetzt gebastelt werden. 


Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 11 des „Südtiroler Landwirt“ vom 11. Juni auf Seite 45 oder online auf „meinSBB“.