Produktion, Innovation | 31.05.2021

Von Resten zur Wertschöpfung

Aus Bröckelverlusten der Kräutertrocknung ein Produkt für die Herstellung von Brennnesseljauche zu produzieren, lautete die innovative Geschäftsidee von Hansjörg Oberdörfer. Nun hat sie Form angenommen und steht zum Verkauf. Ein langer Weg.

Mit solchen Kräuterpellets kann man ganz einfach Brennnesseljauche für Pflanzen herstellen.

Mit solchen Kräuterpellets kann man ganz einfach Brennnesseljauche für Pflanzen herstellen.

„Was kann ich mit den Resten aus der Kräuterverarbeitung machen?“, war die Frage, die sich Hansjörg Oberdörfer vor einiger Zeit gestellt hat. Der Kräuteranbauer aus Latsch  (Fasui Bio-Bergkräuter) fand es schade, dass wertvolle Rohstoffe als Abfall endeten. Bei der Herstellung von Tees fallen nämlich auch Kleinstteile an. Diese können nicht vermarktet werden, obwohl es sich um wertvolle Bioprodukte mit vielen Inhaltsstoffen handelt. Daraus Kräuterpellets herzustellen, die man für das Anrühren einer Jauche verwenden kann, wäre doch eine gute Alternative, dachte sich Oberdörfer. Und legte damit den Grundstein für eine neue Geschäftsidee. Aber das ging nicht von heute auf morgen. Besonders die ersten Schritte von der Idee zum Produkt müssen gut durchdacht werden.

Anlaufstelle Innovationsabteilung  

Wie gut ist die Idee überhaupt? Und wie innovativ? Das wollte Hansjörg Oberdörfer zuerst mit einem Experten abklären. In der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie fand er den richtigen Partner: In einem Erstgespräch gab es eine erste Einschätzung zum geplanten Vorhaben. Klar wurde dabei aber auch, dass es noch viele Fragen zu beantworten galt. Vor allem brauchte es die richtigen Partner, die bei der Umsetzung helfen konnten. Die Innovationsabteilung vermittelte ihm unter anderem die richtigen Kontakte.

Nicht jede/-r darf Dünger -verkaufen

Um in Italien eine reguläre Zulassung für einen Dünger zu erhalten, sind nicht nur die Düngereigenschaften entscheidend, sondern noch andere Schritte notwendig. Deshalb hat die Innovationabteilung Hansjörg Oberdörfer an ein spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen verwiesen. Das Unternehmen begleitet den Landwirt aus Latsch nun bei der Registrierung als Düngemittelhersteller und der Registrierung seiner Biokräuterpelltes. Damit sollte dem Verkauf der Pellets nichts mehr im Weg stehen. Allerdings dauert die Registrierung eines Düngers in der Regel ein Jahr. Oberdörfer darf die Kräuterpellets bis zur Zulassung nicht als Dünger bezeichnen, sondern muss sie als Generikum verkaufen, also als „Produkt mit Düngereigenschaften“. 

Wo ist mein Markt?

Die Produkteigenschaften passen, und die Produktion ist aufgebaut. Aber wer ist der Endkunde? Aus der Erstberatung weiß der Landwirt, dass sein Produkt aktuelle Markttrends wie Regionalität, Bio und Kreislaufwirtschaft erfüllt. Also hat er das richtige Produkt zur richtigen Zeit. Die Kunst ist es nun, die Kräuterpellets an die Kundschaft zu bringen. Hobbygärtner, die auf natürliche Dünger setzen, auf das Wissen und die Erfahrungen früherer Generationen bauen und eine einfach anwendbare Lösung suchen, sind die wichtigste Zielgruppe. Nach einem ersten Kontakt mit den Verantwortlichen des Gartenmarktes der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft zeigten sich diese von dem Produkt begeistert und haben entschieden „Miraculix“, so der Name der Kräuterpellets, in das Sortiment aufzunehmen.