Südtiroler Landwirt, Produktion, Markt | 27.05.2021

Weinland im Wandel

Nachhaltig sein, nicht nur davon reden, und Weinkultur pflegen: Im Interview erklärt Andreas Kofler, Wein­bauer, Obmann der Kellerei Kurtatsch und neuer Präsident des Konsortiums Südtirol Wein, wo es Baustellen gibt. Als Praktikumslehrer will er dabei auch die Jugend in die Pflicht nehmen. von Renate Anna Rubner

Auch mit der Lagenbezeichnung will das Konsortium Südtirol Wein die heimische Weinwirtschaft stärken, sagt der neue Präsident Andreas Kofler.

Auch mit der Lagenbezeichnung will das Konsortium Südtirol Wein die heimische Weinwirtschaft stärken, sagt der neue Präsident Andreas Kofler.

Mit der Strategie 2030 hat sich die Südtiroler Weinwirtschaft klare Ziele für eine nachhaltige Zukunft gesetzt. Der neue Präsident des Konsortiums, Andreas Kofler, erklärt im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“, welche Maßnahmen nun folgen. Kofler ist ein Verfechter der Lagenbezeichnung und sieht in der Sortenvielfalt Südtirols eine Chance, kein Hindernis. Der Weinbauer und Kellereiobmann ist auch Praxislehrer an der Fachschule Laimburg. Bei den jungen Weinbäuerinnen und -bauern sieht er großes Potenzial. Was sie aber lernen müssen, sei, eigenständig zu denken und selbstverantwortlich zu handeln. 

Südtiroler Landwirt: Herr Kofler, Sie sind seit Jänner Präsident des Konsortiums Südtirol Wein. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Amt zu übernehmen?

Andreas Kofler: Ich war ja schon vorher im Verwaltungsrat des Konsortiums und Obmann der Kellereigenossenschaften Südtirols. Als es dann um die Nachfolge von Max Niedermayr als Präsident des Konsortiums Südtirol Wein ging, habe ich mich nach reiflicher Überlegung dazu bereit erklärt. Denn man kann in dieser Position viel bewegen: Das Weinland Südtirol steht sehr gut da, hat aber noch Entwicklungspotenzial. Es gefällt mir, die vielen verschiedenen Realitäten, die es in Südtirol gibt, zu vernetzen und ihnen eine starke Interessenvertretung zu gewährleisten bzw. sie weiter auszubauen.

Sie haben es bereits angesprochen: Sechs Jahre lang waren Sie schon im Verwaltungsrat des Konsortiums, in dem Freie Weinbauern, genossenschaftliche Kellereien und die Weingüter Südtirols vertreten sind. Wie können die Interessen so unterschiedlicher Realitäten so vertreten werden, dass zum Schluss alle zufrieden sind?

Im Konsortium sitzen zehn Verwaltungsratsmitglieder, fünf davon von den Genossenschaften, drei von den Weingütern Südtirols und zwei von den Freien Weinbauern, obwohl die Genossenschaften 75 Prozent der Südtiroler Weine produzieren. Also ist das Konsortium zwar paritätisch aufgebaut, aber die Weingüter und die Freien Weinbauern sind überproportional vertreten und können sich entsprechend stark einbringen. 

Es ist unsere Aufgabe als Konsortium, immer den größten gemeinsamen Nenner zu finden. Wir haben aber einen großen Vorteil: Bei aller Verschiedenheit hat die gesamte Südtiroler Weinwirtschaft dieselbe Stoßrichtung. Alle gehen in Richtung Qualität und versuchen, diesbezüglich ihr Profil zu schärfen und Image aufzubauen. Andere Regionen tun sich da viel schwerer, im Trentino beispielsweise findet ein kleiner Betrieb kaum Übereinstimmung mit Betrieben wie Mezzocorona oder Cavit. 

Sie haben aber nach der Herausforderung gefragt. Die liegt sicher darin, jedem ein Ohr zu schenken und jede Realität leben zu lassen. Ich komme zwar aus dem Genossenschaftswesen, aber ob jemand klein ist oder groß, Genosse, Weingut oder Freier Weinbauer, macht für mich keinen Unterschied. Jeder Betrieb ist gleich wichtig.

Seit Jahren bemüht man sich um die Lagenabgrenzung. Was erwarten Sie sich davon?

Ich bin ein absoluter Lagenverfechter. Ich glaube daran, und man sieht weltweit, dass die Lagen Gewicht haben, egal ob in Burgund oder anderswo. Die Lage gibt es nur einmal, sie ist etwas Unverwechselbares, nicht kopierbar. Im Unterschied zu Sorten oder auch Marken. Wenn wir nun die gesetzliche Grundlage für die Lagen bekommen – und die bekommen wir sicher, das ist nur eine Frage der Zeit – bekommen wir damit ein Instrument in die Hand, mit dem wir die Herkunft noch genauer definieren und präsentieren können. Nebenbei haben die Konsumenten damit eine weitere Qualitätshilfe: Künftig wird z. B. Mazon nur noch für den Blauburgunder stehen, egal von welchem Weingut. Und genau darin liegt die Stärke! Nämlich, dass alle diese Lage mit dem Namen Blauburgunder verbinden und ihr so stärkeres Gewicht verleihen. 

Das ganze Interview finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 10 des „Südtiroler Landwirt“ vom 28. Mai auf Seite 37 oder online auf „meinSBB“.