Innovation, Südtiroler Landwirt | 27.05.2021

Tierwohltrends in der Hühnermast

Egal ob durch Bruderhahnaufzucht oder Zweinutzungsrassen, das Tierwohl liegt auch bei der Hühnerhaltung voll im Trend. Vor allem alte Rassen wie „Les Bleus“ können für Südtirols kleinstrukturierte Betriebe ein guter Lösungsansatz sein.

Bruderhahnaufzucht oder Zweinutzungsrassen sind zwei Strategien, um männlichen Küken das Leben zu sichern.

Bruderhahnaufzucht oder Zweinutzungsrassen sind zwei Strategien, um männlichen Küken das Leben zu sichern.

Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten beschäftigen sich mit der Herkunft und Qualität der Fleischprodukte, die auf ihrem Teller landen. Neben dem steigenden Interesse an biologischen Erzeugnissen wird auch das Thema Tierwohl immer wichtiger. Im Geflügelsektor ist vor allem das Töten männlicher Küken umstritten, auch bei Tierärzten, Bäuerinnen und Bauern.  

Allein in Italien werden jährlich 25 Millionen männliche Küken gleich nach dem Schlupf geschreddert oder vergast. Ein Teil davon dient als Futtermittel für Fleischfresser in Zoos. Aber warum werden männliche Küken überhaupt getötet? Legehennen und Masthühner sind das Resultat jahrzehntelanger Brutprogramme, bei denen Eier- und Fleischproduktion maximiert wurden. Diese Leistungsspezialisierungen haben dazu geführt, dass Legehennen wenig Fleisch ansetzen. Deshalb rentiert sich die Aufzucht der männlichen Küken aus ökonomischer Sicht nicht. Das soll sich nun ändern. In Deutschland wurde beispielsweise ein Gesetzesentwurf genehmigt, der das Kükentöten ab 2022 verbietet. Dafür soll vermehrt die Geschlechtsbestimmung im Ei eingesetzt werden, um die männlichen Embryonen bereits vor dem Schlupf zu entsorgen. Auch in Italien wurde bereits eine Petition für den Einsatz der Geschlechtsbestimmung im Ei eingereicht, die durch die Lebensmittelkette Coop und den Fachverband für Eierproduzenten Assoavi unterstützt wird. Ob sich das Abtöten von Embryonen jedoch langfristig durchsetzt und etabliert werden kann, bleibt fraglich. Welche Alternativen gibt es also?

Aufzucht der Bruderhähne

Eine einfache Lösung, die fast schon auf der Hand liegt, ist die Aufzucht der männlichen Küken. Sowohl biologisch wirtschaftende Betriebe als auch die Bruderhahn-Initiative Deutschland (BID) setzen darauf. Damit die Hühnchen bei Legehennenrassen genügend Fleisch ansetzen, müssen sie etwa viermal länger aufgezogen werden als herkömmliche Masthühner. Die tägliche Gewichtzunahme liegt bei Bruderhähnen im Schnitt bei 20 Gramm im Vergleich zu 60 Gramm bei der intensiven Zucht von Masthybriden. Zusätzlich verbrauchen die Brüder der Legehennen mehr hochwertiges Futter und die Fleischqualität unterscheidet sich von der des Masthuhns. Die Fleischteile sind kleiner und reicher an Fett, sie sind also weniger attraktiv für die Konsumenten. Bei Bruderhahnbetrieben werden die Produktionskosten für das Hühnerfleisch meist durch das Ei der Schwesterhenne mitfinanziert, was einen Preisaufschlag von mehreren Cents pro Ei bedeutet. 

Zurzeit sind zwei Formen der Bruderhahnaufzucht verbreitet. Welche angewandt wird, hängt stark von der Betriebsgröße ab. Bei kleinen bis mittleren Betrieben, wie sie in Südtirol zu finden sind, werden die Männchen auf demselben Hof gehalten und aus praktischen Gründen mit demselben Futter gefüttert wie die Weibchen. Weil dieses Futter einen hohen Kalkanteil für die Produktion kräftiger Eierschalen aufweist, kann sich das negativ auf die Verdauung der Hähne auswirken und zu Durchfall und Krankheiten führen. Es ist also ratsam, bei der Bruderhahnaufzucht angepasste Futtermittel zu verwenden. Bei Großbetrieben hingegen wird die Mast der männlichen Tiere meist an spezialisierte Mastbetriebe abgegeben, welche sich dann auch  um Schlachtung und Vermarktung kümmern.

 

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 10 des „Südtiroler Landwirt“ vom 28. Mai auf Seite 25 oder online auf „meinSBB“.