Technische Beratung | 13.05.2021

Zum Bau von Maschinenräumen

Das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft (LG Nr. 9/2018) regelt auch die Errichtung von landwirtschaftlichen Maschinenräumen. Für deren Errichtung und Dimensionierung muss der entsprechende Bedarf nachgewiesen werden. von Reinhard Leitner, SBB-Betriebsberatung

Maschinenräume sollten stets großzügig genug geplant werden.

Maschinenräume sollten stets großzügig genug geplant werden.

Innerhalb und außerhalb des Siedlungsgebietes können laut dem neuen Gesetz (Art. 37, Absatz 2) Wirtschaftsgebäude errichtet werden, die für eine rationelle Bewirtschaftung erforderlich sind. Für die Größe der Gebäude ist das Ausmaß der bewirtschafteten Flächen maßgebend. Dementsprechend können landwirtschaftliche Maschinenräume weiterhin sowohl unter- als auch oberirdisch errichtet werden.

Wo darf man einen Maschinenraum errichten?

Grundsätzlich müssen Wirtschaftsgebäude an der Hofstelle des landwirtschaftlichen Betriebes errichtet werden. Als Hofstelle wird dabei jener Ort bezeichnet, an dem die zum landwirtschaftlichen Betrieb gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude stehen. Die Entfernung zu einem bestehenden Gebäude darf für alle neu zu errichtenden Gebäude nicht mehr als 40 Meter betragen. 

In Ausnahmefällen sind aus Gründen des Denkmalschutzes, des Landschafts- und Ensembleschutzes, aus betriebstechnischen und raumplanerischen Überlegungen oder aufgrund von Gefahrensituationen Abweichungen davon möglich. Die jeweils zuständige Fachabteilung des Landes muss aber bestätigen, dass eine Ausnahmesituation vorliegt. Darüber hinaus müssen bei der Planung die geltenden Planungsinstrumente (Landschaftsplan, Gefahrenzonenplan usw.) berücksichtigt werden.

Flächen bilden die Grundlage für die Bedarfsberechnung

Grundlage der Bedarfsberechnung bilden die sich im Eigentum befindenden bewirtschafteten Flächen. Diese Flächen können auch in einer unmittelbar an das Landesgebiet angrenzenden Gemeinde liegen. Für die Bedarfsberechnung können auch gepachtete Grundstücke mit einer Mindestvertragsdauer von fünf Jahren berücksichtigt werden, die vom Betriebsinhaber ständig bewirtschaftet werden. Die gepachteten Flächen dürfen allerdings zehn Jahre lang nicht zur Bedarfsberechnung für einen anderen Maschinenraum herangezogen werden. Laut dem alten Raumordnungsgesetz waren zehn Jahre Mindestvertragsdauer und 20 Jahre für die Bedarfsberechnung vorgesehen.

Dimensionierung des Maschinenraums

Im neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft findet sich, im Gegensatz zum alten Landesraumordnungsgesetz, kein direkter Verweis auf eine maximal zulässige Größe. Die in den Landesförderkriterien standard­mäßig vorgegebenen Flächen können als Richtwerte herangezogen werden, sofern keine betriebsspezifische Bedarfsberechnung vorgelegt wird, mit welchem die Größe des Maschinenraums gerechtfertigt wird. Die festgelegte Größe des Maschinenraums beinhaltet neben dem effektiven Bereich für Maschinen und Geräte auch zusätzliche Räumlichkeiten wie Spritzmittel- und/oder Treibstofflager. 

Individuelle Bedarfsberechnung

Sofern der individuelle Flächenbedarf über den Standardflächen liegt, bietet das neue Gesetz für Raum und Landschaft somit die Möglichkeit, über eine betriebsspezifische Bedarfsberechnung den modernen Anforderungen einer rationellen Betriebsführung Rechnung zu tragen. 

Bei der Planung und Dimensionierung eines landwirtschaftlichen Maschinenraums muss man somit zunächst die reine Stellfläche für die einzustellenden Arbeitsmaschinen berechnen. Dabei ist die effektive Situation am Betrieb zu berücksichtigen, da die Maschinenmaße stark variieren. 

Neben dem effektiven Stellflächenbedarf für die Unterbringung der Maschinen und Geräte sind auch angemessene Rangiermöglichkeiten einzukalkulieren, um die Maschinen leicht entnehmen und einstellen zu können. Darüber hinaus sind umlaufend um die Maschinen Sicherheits- und Rangierabstände vorzusehen. Je nach Art und Größe der Maschine sind Abstände von 0,6 bis 1,2 Meter anzusetzen. Die wichtigsten Maschinen, welche häufig in Gebrauch sind, sollten auf alle Fälle ständig zugänglich sein – siehe dazu auch das Beispiel an Ende des Textes.

Maschinen und Geräte unterliegen auch verschiedenen Wartungsarbeiten, welche
der Landwirt oftmals selber vornimmt. Daher sind Flächen für die notwendigen Wartungsarbeiten sowie für die Lagerung der Betriebsmittel (z. B. Schmiermittel) und Werkzeuge vorzusehen.

Weitere Flächen einplanen

Außerdem können weitere Lagerräume für Pflanzenschutzmittel und Dünger, eine eigene Hofwerkstatt sowie Sanitäranlagen und Umkleideräume nützlich sein.

Da in der Regel mit dem Bau eines Maschinenraums auch erhebliches Kapital gebunden wird, ist auf jeden Fall eine möglichst langfristige Strategie in Bezug auf Flächenbedarf anzuraten. Dementsprechend sind eventuelle Reserven oder Erweiterungsmöglichkeiten einzuplanen.

Genügend Raumhöhe vorsehen 

Neben der benötigten Bodenfläche ist auch auf eine angemessene Durchfahrtshöhe und -breite sowie Raumhöhe zu achten. Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte können beachtliche Höhen erreichen, und dies muss bei der Planung berücksichtigt werden. Für Obst- und Weinbaubetriebe bewegt sich die Raumhöhe im Bereich von drei bis 3,2 Metern. Wenn Geräte wie Erntemaschinen auf Transportanhängern in den Maschinenraum einfahren, sind Raumhöhen bis zu 3,5 Metern erforderlich. Für Grünlandbetriebe ist eine lichte Höhe von 2,8 Metern bis 3,5 Metern ratsam. Die Höhe des Einfahrtsbereiches ist besonders zu beachten. Je nach Art des Einfahrtstores sollte der sogenannte Mauersturz (0,15–0,30 m) ebenfalls mit einberechnet werden.

Primäre Erschließungsgebühren je nach Gemeinde unterschiedlich

Die Eingriffsgebühren werden von jeder Gemeinde mittels eigener Verordnung geregelt. Daher ist  immer vorher abzuklären, wie hoch die geschuldeten Abgaben sind. Unterschieden werden muss zwischen Erschließungsgebühren (primäre und sekundäre Erschließungsgebühren) und Baukostenabgabe. 

Landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude, und damit auch Maschinenräume, sind mit dem neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft von der Baukostenabgabe und laut der jeweiligen Gemeindeverordnung von den sekundären Erschließungsgebühren befreit. Für die primären Erschließungsgebühren muss man hingegen die jeweilige Gemeindeverordnung berücksichtigen. 

Außerhalb des Siedlungsgebiets müssen die primären Erschließungsanlagen (z. B. Zufahrten, Wasserleitungen) grundsätzlich von den Betroffenen auf eigene Kosten errichtet werden. Für landwirtschaftliche Betriebe ist dazu eine gesetzliche Befreiung von den primären Erschließungsgebühren vorgesehen, in der praktischen Anwendung gibt es aber einige Unklarheiten.

Landesförderung für Maschinenräume

Auch mit den neuen Landesförderkriterien, welche im November 2020 erlassen wurden, können Grünlandbetriebe mit Viehhaltung weiterhin um einen Beitrag für den Bau, die Erweiterung, den Umbau, die Sanierung und den Kauf von Maschinenräumen ansuchen.Obst- und Weinbaubetriebe haben wie bisher keinen Zugang zu dieser Förderung. Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist eine Mindestfutterfläche von zwei Hektar und eine Mindestinvestition von 10.000 Euro. Darüber hinaus muss der jeweilige Mindest- und Höchstviehbesatz für den gesamten Verpflichtungszeitraum (zehn Jahre) eingehalten werden. 

Die maximal geförderte Maschinenraumfläche beträgt weiterhin 100 Quadratmeter, wobei die bestehende Fläche davon abgezogen wird. Die Höhe der Förderung wurde mit den neuen Kriterien gestaffelt. Aufbauend auf einem Basisbeitragssatz von 35 Prozent sind je nach Erschwernispunkten, Intensitätsstufe und Alter des Antragstellers bestimmte Auf- und Abschläge vorgesehen. Junglandwirte erhalten dabei einen Aufschlag von fünf Prozent. 

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