Produktion | 30.04.2021

Kunststoffe richtig entsorgen

In der Landwirtschaft kommen in vielen Bereichen Kunststoffe zum Einsatz. Brauchbare Alternativen gibt es noch wenige. Umso wichtiger ist es, Silofolien, Hagelnetzreste und andere Hilfsmittel aus Plastik und Nylon zu sammeln und fachgerecht zu entsorgen.

Wenn Kunststoffmaterialien, wie Silofolien am Feld liegen bleiben, schaut das nicht nur unschön aus, sondern belastet auch die Umwelt.

Wenn Kunststoffmaterialien, wie Silofolien am Feld liegen bleiben, schaut das nicht nur unschön aus, sondern belastet auch die Umwelt.

Konventionelle Kunststoffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (PVC) werden aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Während PE und PP relativ unschädliche Kunststoffe sind, weil sie keine toxischen Substanzen abgeben, setzt PVC gesundheitsschädliche Weichmacher frei. Alle drei aber, also nicht nur PVC, sondern auch PP und PE, zersetzen sich in der Umwelt zu Mikroplastik – mit negativen Folgen für Boden, Gewässer und Lebewesen. 

Getrennt sammeln und entsorgen

Auch in der Landwirtschaft kommen vielfach Kunststoffe zum Einsatz: beispielsweise bei Bindematerialien, Manschetten und Hagelschutznetzen im Obst- und Weinbau, bei Silofolien in der Grünlandwirtschaft oder Abdeckfolien im Erdbeer-, Gemüse- und Kräuteranbau. Da es noch wenig brauchbare Alternativen zu konventionellen Kunststoffen gibt, sollten Bäuerinnen und Bauern dafür sorgen, dass die Kunststoffe nach dem Gebrauch nach Material getrennt eingesammelt und einer fachgerechten Entsorgung zugeführt werden. 

Silofolien: Sammlung unterschiedlich organisiert

In der Praxis haben sich für die Sammlung von Silofolien unterschiedliche Verfahren durchgesetzt: Im Eisacktal werden sie über den Maschinenring gesammelt, in Hafling und Vöran organisiert die Gemeinde zweimal jährlich eine Sammlung, im Pustertal werden Siloballen teilweise vom Lieferanten zurückgenommen. Die Entsorgung ist in ­diesem Fall bereits im Kaufpreis inbegriffen. 

Kilian Bedin, stellvertretender Direktor des Amtes für Abfallwirtschaft des Landes Südtirol, sagt: „Um Kunststoffe recyceln zu können, müssen sie sortenrein und so sauber getrennt wie möglich gesammelt werden. Die stoffliche Verwertung von Mischkunststoffen bzw. von verunreinigten Kunststoffen ist in der Regel schwer möglich und mit großem Aufwand verbunden.“ PE sortenrein gesammelt ist stofflich sehr gut verwertbar. PE-Verpackungen werden Großteils über die gemeindeeigenen Recyclinghöfe eingesammelt. PE-Abfälle in größeren Mengen und aus anderer Herkunft werden über eigens organisierte Sammlungen erfasst und über dafür spezialisierte Unternehmen entsorgt bzw. recycelt sofern möglich.

Marco Palmitano, Direktor des Eco Center in Bozen, bestätigt das. Über die Tarife der privaten Entsorger kann er keine Aussagen treffen, da sie je nach Unternehmen unterschiedlich sind und auch von der Qualität des Materials abhängen.

Hagelnetze: heute schon daran denken

Bei Hagelnetzen stellt sich die Situation etwas anders dar, wie Palmitano angibt. So ist es nicht möglich, Hagelschutznetze in die Recyclinghöfe zu bringen. Zum einen, weil es sich dabei meist um größere Mengen ­handelt, zum anderen, weil bei ihrer Zer­kleinerung die verwendeten Maschinen verstopfen und blockieren. Deshalb sind Hagelnetze ausschließlich über private Firmen zu entsorgen. 

Stefan Vorhauser, Bauernbund-Ortsobmann von Kaltern, sieht das Entsorgungsproblem für Hagelnetze derzeit als nicht akut: „Der Boom der Hagelnetze hat vor etwa fünf bis zehn Jahren eingesetzt. Bei einer Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren kommt die große Entsorgungswelle also in etwa zehn Jahren auf uns zu.“ Derzeit müssten lediglich kleine Mengen entsorgt werden, die bei der Montage der Netze anfallen: etwa zwei bis drei Kubikmeter, die von den privaten Entsorgungsunternehmen abgenommen werden. 

Netze, die ausgetauscht werden müssen, sind laut Vorhauser in der Regel wiederverwendbar: als Abgrenzung von Weinanlagen gegen Vögel beispielsweise oder gegen die Marmorierte Baumwanze in Gebüsch- oder Waldnähe. So müssen sie nicht gleich entsorgt werden, sondern erhalten ein zweites Leben. Zumindest so lange, bis keine Mengen davon anfallen.