Markt, Produktion | 16.04.2021

Spargelsaison ist gestartet

Am 1. April wurde in Terlan der erste Spargel der Marke „Margarete“ gestochen. Die Saison 2021 ist zwar ­langsam angelaufen, denn zu Ostern überstieg die Nachfrage das Angebot. Dafür punktet die Ernte heuer mit größeren Mengen der Top-Qualität. von Paul Zandanel und Renate Anna Rubner

Die Terlaner Spargelbäuerinnen und -bauern haben auf ihren Feldern mit der Ernte begonnen. Foto: IDM

Die Terlaner Spargelbäuerinnen und -bauern haben auf ihren Feldern mit der Ernte begonnen. Foto: IDM

Manfred Koroschetz ist zuversichtlich, dass auch heuer – trotz der Corona-bedingten widrigen Umstände – wieder der gesamte Terlaner Spargel an die Frau und den Mann gebracht werden kann. Der Koordinator der Genossenschaft Margarete erklärt zum diesjährigen Saisonstart am 1. April: „Die niedrigen Temperaturen vor Ostern haben zu einer reduzierten Ernte geführt, wodurch die Nachfrage nicht gedeckt werden konnte.“

Die Tage zuvor waren jedoch überdurchschnittlich warm mit beinahe sommerlichen Temperaturen. Das hatte zu einem Wachstumssprung geführt, traditionell wird aber gerade an Ostern viel Spargel nachgefragt. Je früher Ostern liegt, umso schwieriger ist es, den Bedarf zu decken. Die ersten Spargel wurden denn auch exklusiv an Kundinnen und Kunden in Terlan und Umgebung geliefert.

Die Geschäfte, die den Terlaner Spargel südtirolweit verkaufen, sind derzeit alle ­geöffnet und werden nun regelmäßig belie­fert. Darüber hinaus kann „Margarete“ auch bestellt werden und wird dann geliefert: https://bit.ly/terlanerspargel.

Zwei Neuerungen

In der Regel werden aber nur etwa 50 Prozent des Terlaner Spargels über Geschäfte vertrieben, die andere Hälfte kommt über die Gastronomie auf die Teller. Seit letztem Jahr ist das wegen Corona und Lockdown leider nicht mehr der Fall, wie Koroschetz bedauert.  

Trotzdem – oder gerade deshalb – haben sich die Gastwirtinnen und Gastwirte von Terlan in diesem Jahr etwas Besonderes einfallen lassen: Seit 1. April, also seitdem Terlaner Spargel gestochen wird, liefern die Restaurants Zum Hirschen, Sparerhof, Egger, Patauner und Oberspeiser Spargel­gerichte nach Hause oder bieten diese unter https://www.terlaner-spargelzeit.it/de zum Bestellen und  Abholen an.

Auch eine weitere Neuheit gibt es in dieser Spargelsaison: So wird der Spargel heuer erstmals als 1-kg-Bündel und 5-kg-Kisten in der traditionellen Verpackung mit der Marke „Margarete“ und dem Qualitätszeichen Südtirol ausgeliefert. Auf Bestellung werden Bündel auch im 0,5-kg-Format gebracht.

55.000 Kilogramm Erntemenge

Insgesamt werden in dieser Saison, die noch bis 16 Mai dauert, 55.000 Kilogramm Terlaner Spargel erwartet. Sie stammen von 13 Lieferanten aus Terlan und Andrian, die gleichzeitig Mitglied der Genossenschaft Margarete sind.

Die rund zehn Hektar Anbaufläche liefern bei Vollertrag rund zehn Tonnen Spargel pro Hektar. Da Vollertrag aber erst ab dem dritten Standjahr einsetzt, ist die maximale Erntemenge noch nicht erreicht, weil einige Lieferanten ihre Felder erst 2020 neu angelegt und mit Spargel bepflanzt haben. 

Eine Spargelernte dauert also in etwa 60 Tage. In dieser Zeit wird täglich morgens ab sieben Uhr Spargel gestochen. Trotz Corona hat es in diesem Jahr zum Glück keine Probleme bei der Beschaffung von Erntehelferinnen und -helfern gegeben: Indem vorwiegend auf Arbeitskräfte gesetzt wird, die alljährlich beschäftigt werden, konnten Einreise und Abläufe vorab gut organisert werden und liefen entsprechend reibungslos ab.

Mehr Top-Qualität erwartet

Sehr positiv bewertet Koroschetz die diesjährige Qualität des Terlaner Edelgemüses: „Der sehr kalte Winter war für den Spargel ideal. Denn es gab eine optimale Winterruhe.“ Es sei deshalb davon auszugehen, dass die in dieser Saison geernteten Spargel robuster und etwas dicker ausfallen. Und damit verstärkt in die oberste Sortierklasse, nämlich „Gourmet“ fallen. Die Spargelqualität, die vor allem von der Gastronomie nachgefragt wird. 

Wovon aber hängt die Qualität des Spargels ab?  Zum einen wird sie von der Spargelart bestimmt: Mit Hilfe von Genusstests mit der Gastronomie konnte die Sorte Vitalim als ideale Sorte für das Südtiroler Anbaugebiet zwischen Gantkofel und Tschögglberg identifiziert werden. Derzeit ist das mit 80 Prozent Anteil die am häufigsten verwendete Sorte in Terlan und Umgebung. Die Sorte Vitalim ist eine 100 Prozent männliche Hybride, die sich hervorragend für den Anbau von weißem Spargel in Gebieten mit warm-mediterranem Klima eignet. Die Sorte kombiniert sehr frühe Produktion mit besonders hohen Erträgen und einer langen Lebensdauer. Dadurch ist sie auch wirtschaftlich sehr interessant.

Auch die Böden nehmen natürlich Einfluss auf die Qualität der Spargel: So sind die sandigen Etschböden verantwortlich für den klassisch nussigen Geschmack des Terlaner Spargels. Und nicht zuletzt haben die Ernte und das Nacherntemanagement einen großen Einfluss auf die Qualität: Terlaner Spargel wird nach dem Stechen sofort einer „Schockdusche“ unterzogen und auf ein Grad hinuntergekühlt.

Herausforderungen für die Zukunft

Ein Spargelzyklus dauert sieben bis zwölf Jahre. Danach werden die Felder umgebrochen und meist mit Äpfeln bepflanzt. Umgekehrt werden Apfelanlagen nach der Rodung in Spargelfelder umgewandelt. Das ist ideal als Fruchtfolge und beugt der Bodenmüdigkeit vor. Zudem erwirtschaften Obstbauern damit in einer Zeit, in der im Obstbau arbeitsmäßig noch nicht so viel passiert, eine zusätzliche Einnahmequelle. Auch Arbeitskräfte können so sinnvoll eingesetzt werden: Sie helfen zuerst bei der Spargelernte, dann beim Ausdünnen und später bei der Ernte der Äpfel.  

Die Verwendung der Apfelanlagen für den Spargelanbau wird aber mit zunehmenden Kosten im Apfelanbau (Hagelnetze und dergleichen) erschwert, sagt Manfred Koroschetz.