Produktion | 15.04.2021

Tierschutz beim Tiertransport

Der Tierschutz beim Tiertransport sorgt aktuell immer wieder für Diskussionen. Ende März stand das Thema im Mittelpunkt einer Online-Weiterbildungsveranstaltung des Beratungsringes Berglandwirtschaft (BRING). Mit dabei war auch das Südtiroler Viehvermarktungskonsortium Kovieh. von Martin Unterweger, BRING

Der Boden der Transportfahrzeuge muss rutschfest und mit Einstreu bedeckt sein. Foto: Kovieh

Der Boden der Transportfahrzeuge muss rutschfest und mit Einstreu bedeckt sein. Foto: Kovieh

Tiertransporte werden aktuell stark diskutiert. Im Zentrum stehen dabei die Langstreckentransporte. Die abgehaltene Veranstaltung, an der neben Bäuerinnen und Bauern auch Tiertransporteure des Kovieh sowie Mitarbeiter der einzelnen Verbände teilnahmen, thematisierte vorrangig die Tiertransporte der Bauern – also jene, die beispielsweise notwendig sind bei Kauf oder Verkauf von Tieren, der Fahrt auf die Alm und zurück bzw. bei der Fahrt zum Schlachtbetrieb. Oberstes Ziel dabei ist immer, die Tiere vor Stress und Verletzungen zu schützen und die Transporte so artgerecht und kurz wie möglich zu halten.

So deutlich das Gesetz oft sein mag, so oft herrscht draußen auf den Betrieben doch Unklarheit darüber, was in den einzelnen Gesetzen und Verordnungen drinnen steht. Einen Überblick über die Gesetzeslage, der Umgang mit den Tieren beim Transport, die Auswirkungen auf die Tiergesundheit und Lebensmittel und einiges mehr lieferten im Rahmen des Online-Kurses die Referenten Agate Torggler und Uwe Holzmann vom Tierärztlichen Dienst des Südtiroler Sanitätsbetriebes. 

Mit Mario Miserendino war auch ein Vertreter der Straßenpolizei Bruneck anwesend. Er referierte unter anderem zu den Führerscheinregelungen, den verschiedenen Verwendungszwecken von Anhängern sowie zu den im Zuge von Verkehrskontrollen festgestellten Übertretungen und den daraus folgenden Strafrahmen.

Was sagt das Gesetz?

Neben einer EU-Verordnung regeln nationale und regionale Gesetze den Tierschutz beim Tiertransport. Das Wissen um das Gesetz ist trocken, aber auch notwendig. Die EU-Verordnung 1/2005 regelt die allgemeinen Bedingungen für den Transport von Tieren. Nicht transportfähig sind laut Verordnung Tiere, die sich nicht schmerzfrei oder ohne Hilfe bewegen können oder große offene Wunden bzw. schwere Organvorfälle haben. Auch hochträchtige Tiere, Muttertiere, deren Geburt weniger als sieben Tage zurückliegt, und neugeborene Säugetiere (solange die Nabelschnur nicht abgefallen ist) gelten als nicht transportfähig. Ausnahmen gelten für leicht verletzte oder leicht kranke Tiere, falls der Transport keine zusätzlichen Leiden verursacht. In Zweifelsfällen ist jedenfalls ein Tierarzt hinzuzuziehen. 

Außerdem schreibt die EU-Verordnung vor, dass die Transporte so kurz wie möglich und ohne Verzögerungen ablaufen. Während des Transportes ist den Bedürfnissen der Tiere in Hinblick auf Versorgung mit Wasser, Futter und Raum sowie die artgerechte Unterbringung Rechnung zu tragen. Das gewählte Transportmittel muss instand gehalten und geeignet sein, und die Ver- und Entladevorrichtungen dürfen keine Verletzungsgefahr für Tiere darstellen. Das Personal, welches Tiertransporte durchführt, muss entsprechend qualifiziert sein. 

Das Transportfahrzeug

Bei den eingesetzten Transportfahrzeugen muss man, neben der ordnungsgemäßen Kennzeichnung und der notwendigen Dokumentation, einige Punkte beachten. Die Fahrzeuge müssen sauber sowie technisch und hygienisch in einwandfreiem Zustand sein. Wände, Böden und Abtrennungen sind intakt zu halten, und regelmäßige Reinigung und Desinfektion sind erforderlich. Der Boden muss rutschfest und mit Einstreu bedeckt sein, um Verletzungsgefahren vorzubeugen. Außerdem gilt es, Stress für die Tiere durch Wettereinflüsse zu verhindern und genügend Licht und Luftzirkulation sicherzustellen. 

Sichtweise der Tiere

Nutztiere haben ein anderes Farb- und Lichtempfinden als wir Menschen. Verschiedene Gegebenheiten wie Lichtreflexe auf Wasserpfützen, Reflexe auf jeglichen glatten oder metallischen Oberflächen, unbekannte Gegenstände wie Kaffeebecher oder Plastikwasserflaschen betrachten Tiere als Gefahr, weil sie diese nicht genau erkennen. Ähnliches gilt bei Wechseln in der Bodenbeschaffenheit (Straßenteer, Beton, Erde, Stroh) und bei stark blendendem Licht oder zu wenig Licht. Bei Transportsituationen treten derartige Gegebenheiten immer wieder auf. Deshalb gilt umso mehr, auf die Sichtweise der Tiere Rücksicht zu nehmen, wenn man diese von A nach B bewegen will. Sollten Tiere an das Anbinden nicht gewöhnt sein, sollten sie sich frei und wenn möglich nach einem natürlichen Herdenverhalten bewegen und Sichtkontakt mit anderen Tieren halten können. 

Die beschriebenen Punkte stellen einen Auszug aus der umfassenden Materie dar. Zahlreiche Fragen und Diskussionsbeiträge bestätigen das große Interesse und den Informationsbedarf an der Thematik. Der Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) wird auch zukünftig derartige Weiterbildungsveranstaltungen anbieten. 

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Kontakt

Beratungsring Berglandwirtschaft
Galvanistraße 38, Bozen
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E-Mail: info@bring.bz.it, www.bring.bz.it