Produktion | 15.04.2021

Neue Marillensorten im Test

Welche Marillensorten können das Sortiment neben der Vinschger Marille sinnvoll ergänzen? Dieser Frage geht das Versuchszentrum Laimburg nach. von Massimo Zago, Michael Gasser, Giacomo Gatti, VZ Laimburg

Welche Marillensorten können das Sortiment neben der Vinschger Marille sinnvoll ergänzen? Dieser Frage geht das Versuchszentrum Laimburg nach.

Welche Marillensorten können das Sortiment neben der Vinschger Marille sinnvoll ergänzen? Dieser Frage geht das Versuchszentrum Laimburg nach.

Im Sortenspiegel des Vinschger Aprikosen­anbaus nimmt die Vinschger Marille mit einem Anteil von 55 Prozent die Hauptrolle ein. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die klimatischen Eigenschaften des Tales ausgezeichnete Erfolgschancen für den Anbau dieser lokalen Sorte bieten. 

Die begrenzte Haltbarkeit der Frucht schränkt aber ihre Transportfähigkeit und damit die Vermarktungsmöglichkeiten die­­ser Sorte stark ein, weshalb sie fast ausschließlich für die Belieferung des lokalen Marktes geeignet ist. Der hohe Anteil an Vinschger Marillen kann in Vollertragsjahren jedoch vom lokalen Markt kaum bewältigt werden. 

Ein weiterer kritischer Punkt bei der Vermarktung der Aprikose ist die durch die hohen Anbaulagen des Vinschgaus bedingte späte Reife. Nach Mitte August ist der Konsum der Aprikose stark rückläufig, und damit sinken auch Nachfrage und Preis. Um den Aprikosenanbau im Vinschgau zu fördern, sind daher neue Strategien notwendig. Grundlegende Bedeutung kommt dabei der Sortenwahl zu. In Zukunft sollte das Sortiment so strukturiert werden, dass der Markt konstant von Beginn bis Ende der Saison mit hochwertigen Früchten beliefert werden kann. 

Weil die Produzenten jedes Jahr mit zahlreichen Sortenneuheiten konfrontiert werden und daraus die für die lokalen Verhältnisse  geeigneten auswählen sollen, brauchen sie transparente Prüfergebnisse. 

Neues Versuchsgelände im Vinschgau 

Deshalb hat das Versuchszentrum Laimburg mit Hilfe des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau bereits im Jahr 2016 einen ­repräsentativen Standort für ein Versuchsfeld am Tomberg in der Gemeinde Kastelbell identifiziert. Das Feld befindet sich auf einer Meereshöhe von 700 Metern und ist nach Norden ausgerichtet. Hier stehen inzwischen 46 Sorten nationaler und internationaler Herkunft in Prüfung (Die Tabelle dazu finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 7 des „Südtiroler Landwirt“ vom 16. April auf Seite 48 oder online auf „meinSBB“.).

Um die Anbaueignung einer Sorte bewerten zu können, müssen verschiedene Merkmale erhoben werden, welche die Sorte charakterisieren, z. B. Ertrag, Fruchtgröße, -form und -farbe, phänologische Merkmale wie Blühzeitpunkt, Befruchtungskompatibilität mit anderen Sorten, Reifezeitpunkt/Erntefenster sowie qualitative Eigenschaften wie Festigkeit und Geschmack. Großes Augenmerk wird auch der Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten, z. B. Mehltau und Monilia, gegeben, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglichst zu reduzieren.

Ständige Erweiterung des Sortiments

Die geprüften Sorten wurden in den Jahren 2016 bis 2020 gepflanzt, um das Sortiment immer auf einem möglichst aktuellen Stand zu halten. Das relativ junge Pflanzalter der Bäume ermöglicht bis heute noch keine endgültige Einstufung der Sorten hinsichtlich Ertragspotenzial. 

Die Reifezeit gibt jedoch Aufschluss über das Reifeverhalten der einzelnen Sorten: Die Frühsorte Pricia beispielsweise eröffnet die Erntesaison bereits Mitte Juni, das Erntefenster kann mit der Spätsorte Anegat bis Ende Juli gestreckt werden. 

Ein weiterer wichtiger Parameter für die Charakterisierung einer Sorte stellt die Fruchtfarbe dar. Hierbei wurden fünf Farbklassen erstellt, die es möglich machen, die Sorten in Farbgruppen einzuordnen. Die Sorte Vinschger Marille mit Farbklasse eins (hellgelbe Grundfarbe) und Luxared und Rubista mit Farklasse fünf (rote Grundfarbe) stellen die zwei Extreme dar. Dazwischen befinden sich die Farbkategorien, die von einer orangen Grundfarbe (Farbklasse zwei), einer leichten roten Backe (Farbklasse drei) und einer vorwiegend roten Deckfarbe (Farklasse vier) charakterisiert sind. Die Einteilung der Sorten in Farbklassen erleichtert dem Anbauer die Sortenwahl hinsichtlich der Vermarktungsmöglichkeiten. 

Neue Frühsorten werden beobachtet

Die Sorten Pricia, Tsunami, Mayacot und Sefora werden seit 2019 an mehreren Standorten im Vinschgau beobachtet, da man sich aus den guten Anbauerfahrungen anderer Anbauregionen positive Qualitätseigenschaften erwartet. Vielversprechend ist vor allem die mittelfrühe Sorte Sefora, die durch die ideale Fruchtform, ihre ansprechende Fruchtfarbe und einen guten Geschmack charakterisiert wird. Die nächsten Ertragsjahre werden eine Menge an Daten liefern, die ein detaillierteres Bild der gesamten Sortensammlung ergeben. Somit wird man der Vermarktungsorganisation, den Beratern und schließlich den Bäuerinnen und Bauern objektive Prüfergebnisse in die Hand geben können. 


Weitere Informationen in Form von Abbildungen finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 7 des „Südtiroler Landwirt“ vom 16. April ab Seite 47 oder online auf „meinSBB“.).