Produktion | 31.03.2021

Gemüseanbau: Tipps für Einsteiger

Einkaufen direkt beim Bauern liegt im Trend. Der Gemüseanbau mit Direktvermarktung kann deshalb eine gute Möglichkeit bieten, auch auf kleinen Flächen ein Zusatzeinkommen zu erwirtschaften. In diesem Beitrag geht es um Grundlagen, damit der Einstieg leichter gelingt. von Alexandra Asper, BRING

Anbau von verschiedenen Gemüsekulturen im geschützten Anbau

Anbau von verschiedenen Gemüsekulturen im geschützten Anbau

Bevor sich eine Bäuerin/ein Bauer dazu entschließt, in den Gemüseanbau und die Direktvermarktung einzusteigen, gilt es, einige Punkte zu bedenken. So sollte man die ausgewählten Anbauflächen genau begutachten und überlegen, welche Kulturen für den Standort geeignet sind. Gemüsekulturen haben nämlich unterschiedliche Ansprüche an den Standort, wobei vor allem Art, Beschaffenheit, pH-Wert und Nährstoffhaushalt des Bodens sowie die Höhenlage eine wichtige Rolle spielen. Um diese Parameter bestimmen und berücksichtigen zu können, empfiehlt sich die Analyse einer Bodenprobe. 

Zur Sicherung von Ertrag und Qualität in der Gemüseproduktion ist eine ausreichende Wasserversorgung notwendig. Wichtig ist deshalb die Frage, ob die Möglichkeit einer Zusatzbewässerung besteht. Zudem braucht es eine Reihe von Maschinen und Geräten, deren Verfügbarkeit es rechtzeitig abzuklären gilt. Und nicht zuletzt ist der Gemüseanbau arbeitsaufwändig. Auch das gilt es, vorab zu bedenken. Vor dem Anbau sollte man sich zudem bereits Gedanken darüber machen, wie man die Produkte verkaufen möchte, am Bauernmarkt zum Beispiel oder im eigenen Hofladen. Oder empfiehlt sich die Verarbeitung? 

Nachdem all diese Fragen geklärt sind, beginnt man mit der Einteilung der Fläche. Vor allem in der Direktvermarktung ist das eine große Herausforderung, da sie ein breites Sortiment auf einer vergleichsweise kleinen Fläche anbauen sollen. Bei einem mehrjährigen Gemüseanbau muss man besonders auf die Fruchtfolge achten, damit die Bodenfruchtbarkeit durch den einseitigen Nährstoff­entzug nicht abnimmt und es nicht zu einer starken Vermehrung von Schädlingen, Krankheiten und Beikräutern kommt. 

Bei der Planung ist auch darauf zu achten, dass Gemüsearten der gleichen Familie nicht über mehrere Jahre hintereinander auf derselben Fläche angebaut werden. Auch sollten die verschiedenen Gemüsearten hinsichtlich ihres Nährstoffbedarfs eingeteilt werden.Dabei wird zwischen Starkzehrern (mit hohem Nährstoffbedarf, z. B. Blumenkohl, Brokkoli, Kopfkohl, Stangensellerie), Mittelzehrern (mit mittlerem Nährstoffbedarf, z. B. Porree, Rote Bete, Rettich, Fenchel) und Schwachzehrern (mit geringem Nährstoffbedarf, z. B. Bohnen, Feldsalat) unterschieden. 

Bodenvorbereitung

Bei der Bodenvorbereitung unterscheidet man zwischen der Grundbodenbereitung und der Saat- bzw. Pflanzbettbereitung. Ziel der Grundbodenbereitung ist es, den Boden zu lockern und Pflanzenrückstände und Düngemittel in den Boden einzuarbeiten. Dabei kommen in der Praxis häufig Pflug oder Grubber zum Einsatz. Bei der Saat- bzw. Pflanzbettbereitung gilt es hingegen, optimale Keim- bzw. Anwachsbedingungen zu schaffen, die Bodenoberfläche einzuebnen, Klüten und Schollen zu zerkleinern und Krusten aufzubrechen. Dafür werden häufig Eggen oder Fräsen verwendet.

Düngung und Nährstoffversorgung

Damit ein gutes Pflanzenwachstum erzielt werden kann, ist eine ausgewogene Nährstoffversorgung im Gemüsebau sehr wichtig. Zudem müssen die mit dem Erntegut abgeführten Nährstoffe ersetzt werden, damit der Boden produktiv genutzt werden kann. Ansonsten verarmt der Boden im Laufe der Zeit, und der Ertrag wird in Qualität und Quantität gemindert. 

Eine Überdüngung des Bodens muss aber auf jeden Fall aus gesundheits- und umwelttechnischen Gründen verhindert werden. Zusätzlich ruft eine Nährstoffüberversorgung eines Minerals stets den Mangel eines anderen Minerals hervor. Eine regelmäßig durchgeführte Bodenanalyse sollte deshalb stets als Grundlage für eine gezielte Pflanzenernährung verwendet werden. 

Da besonders in der Direktvermarktung viele verschiedene Gemüsekulturen hintereinander angebaut werden, wird empfohlen, alle drei Jahre eine Bodenanalyse durchzuführen. Die Bodenprobe entnimmt man dabei immer erst zwei Monate nach der letzten Düngung, damit die Werte nicht verfälscht werden. Verschiedene Wirtschaftsdünger wie gut verrotteter Rindermist, Gülle oder Jauche sind im Gemüsebau wichtige Grunddünger. Sie werden für die Grunddüngung verwendet, welche bei Bedarf durch mineralische Dünger ergänzt werden können. Zusätzlich sollte die Kultur während der Vegetationszeit beobachtet werden, um etwaige Mangelerscheinungen rechtzeitig zu entdecken.

Beikrautregulierung

Um den Beikrautdruck so gering wie möglich zu halten, gibt es mehrere Möglichkeiten. Besonders wichtig ist die mechanische Beikrautregulierung, die man entweder mit verschiedenen Geräten (z. B. Striegel oder Hacken) oder auf kleineren Flächen auch händisch machen kann. 

Besonders in der Direktvermarktung kann aber auch der Einsatz von Mulchfolien oder Mulchvlies interessant sein. Dabei können sowohl Polyethylenfolien als auch Folien aus abbaubarer Maisstärke zum Einsatz kommen. Im integrierten Gemüseanbau kann auch der Einsatz von Herbiziden den Beikrautdruck reduzieren. Im biologischen Anbau ist der Einsatz von Herbiziden hingegen nicht zugelassen. 

Hygienemaßnahmen beachten

Um einer Ausbreitung von Krankheiten im Bestand entgegenzuwirken, sollten Arbeitsgeräte regelmäßig und sauber gereinigt, Kleinwerkzeuge (z. B. Scheren) und Hände während der Pflegearbeit desinfiziert und befallene Pflanzen immer erst zum Schluss beerntet oder gepflegt werden. 

Besonders bei der überbetrieblichen Verwendung von Maschinen und Geräten ist eine saubere Reinigung sehr wichtig, damit man Krankheitserreger und Schädlinge nicht verschleppt. Auch Feldhygiene ist wichtig, damit sich der Druck von Schädlingen, Schad­erregern und Unkräutern nicht stark aufbauen kann. Wann immer möglich, sollten Gemüsekulturen unmittelbar nach der Ernte zerkleinert und oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden.

Pflanzenschutz

Für Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter ist der Pflanzenschutz nicht ganz so einfach, da viele verschiedene Kulturen gleichzeitig oder hintereinander angebaut werden. Bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel muss man darauf achten, dass es für die jeweilige Kultur und auch für den Einsatzgrund zugelassen ist. Das Lesen der Etiketten in italienischer Sprache ist nicht immer einfach, deshalb sollte im Zweifelsfall ein Berater kontaktiert werden.

Damit berufliche Verwender Pflanzenschutzmittel kaufen, transportieren, lagern und ausbringen dürfen, benötigen sie einen gültigen Befähigungsnachweis. Bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift kann es zu Verwaltungsstrafen in beachtlicher Höhe kommen. Berufliche Verwender sind laut Legislativdekret 150/2012 Personen, die im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit Pflanzenschutzmittel verwenden. Also gilt dies auch für alle Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter, die ihre Produkte frisch oder verarbeitet auf dem Bauernmarkt oder im Hofladen verkaufen. 

Bei weiteren Fragen können die Beraterinnen im Bereich Sonderkulturen des Beratungsrings Berglandwirtschaft (BRING) kontaktiert werden.  



 Kontakt zum BRING

Beratungsring Berglandwirtschaft
Galvanistraße 38, Bozen, Tel. 0471 063890
E-Mail: info@bring.bz.it, www.bring.bz.it