Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 04.03.2021

Lokale Produkte? unVERZICHTbar!

Eier, Gemüse, Äpfel, Fleisch oder Käse, was unsere Bäuerinnen täglich auf die Südtiroler Tische bringen, ist essenziell und wertvoll, ist sich die Südtiroler Bäuerinnenorganisation sicher. Nun gibt es Videos, die das untermauern. Und die Gesichter hinter solchen Produkten zeigen.

Bäuerin Erna Malfertheiner ist überzeugt, Eier sind wertvoll, gesund und aus unseren Küchen nicht wegzudenken.

Bäuerin Erna Malfertheiner ist überzeugt, Eier sind wertvoll, gesund und aus unseren Küchen nicht wegzudenken.

Wenn Erna Malfertheiner langsam die Stalltüre öffnet, erwarten sie ihre Hühner bereits. Denn sie wissen, jetzt gibt es wieder Futternachschub. Erna und ihr Mann halten näm­-
lich nicht nur Kühe und Schafe am  Stoflerhof in Villanders, sondern auch an die 2500 Legehennen. Die sind in zwei separaten Ställen untergebracht, die zu je einem überdachten Sandplatz und einer großen Auslauffläche Zugang haben. So können die Hennen den ganzen Tag über draußen sein und sich nach Herzenslust bewegen, im Boden scharren und picken. Das entspricht ihrer Natur, so haben sie ein artgerechtes Leben.

Eier: gesund und wichtig

„Heuer ist ein harter und langer Winter“, sagt Erna. Der Freilandbereich ist aus diesem Grund in diesem Jahr für die Hennen kaum zugänglich, weil zu viel Schnee liegt. Aber bald schon wird er schmelzen, und die Hühner können sich dann ihren gewohnten Auslauf zurückerobern. 

Der Stoflerhof ist Mitglied bei der Schlernhof-Genossenschaft: Jeder der Mitgliedsbetriebe hat seine eigenen Hennen am Hof. Die Eier werden drei- bis viermal die Woche in die Zentrale gebracht und dort sortiert und verpackt. Dann gehen die Eier aus Freilandhaltung in die Geschäfte und zu den Kundinnen und Kunden.

Erna liegen nicht nur ihre Hühner sehr am Herzen, sie findet auch, dass Eier sehr wichtig sind: Von ihrer Symbolik her, als gesundes Lebensmittel, als wichtige Zutat für viele traditionelle Gerichte: Knödel, Spatzlen, Omelettes, Schmarren. Nichts davon wäre ohne Eier denkbar, sagt sie in einem Kurzfilm, der von der Südtiroler Bäuerinnenorganisation im Rahmen der „Aktion unVERZICHTbar“ gedreht wurde und nun online gestellt
wird.

Aktion unVERZICHTbar

Denn die Südtiroler Bäuerinnenorganisation stellt im Frühjahr 2021 die lokalen, qualitativ hochwertigen Lebensmittel in den Mittelpunkt der alljährlichen Initiative „Aktion Verzicht“, die in diesem besonderen Jahr zur Aktion unVERZICHTbar umbenannt worden ist: Im Zeitraum zwischen Aschermittwoch, 17. Februar, und Karsamstag, 3. April, wird die Südtiroler Bevölkerung damit wieder zum Mitmachen aufgerufen. Und zwar diesmal mit der Botschaft, trotz Corona nicht auf bestimmte Werte, Haltungen und Ideale zu verzichten.

Getragen wird die Aktion vom Forum Prävention, das gemeinsam mit der Caritas, dem Katholischen Familienverband, dem deutschen und ladinischen Bildungsressort und der Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste, die sie im Jahr 2004 gegründet hat. Inzwischen richten insgesamt 65 Institutionen und Vereine diese Botschaft an die Südtiroler Bevölkerung. Auch die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) ist schon seit Jahren mit dabei und macht in diesem Jahr besonders auf den Wert heimischer Lebensmittel aufmerksam.

Heimische Lebensmittel: wertvoll und essenziell

Für die Bäuerinnen steht nämlich fest: Heimische Lebensmittel sind sowohl für ihre eigenen Familien als auch für Konsumentinnen und Konsumenten wertvoll und essenziell – ganz besonders in der Pandemie. Deshalb möchte sie aufzeigen, dass Bäuerinnen und Bauern qualitativ hochwertige Produkte produzieren, die einfach unverzichtbar sind. 

Aber es geht der Südtiroler Bäuerinnenorganisation in diesem Zusammenhang um mehr: Sie lädt in dieser vorösterlichen Zeit dazu ein, gemeinsam zu kochen, gemeinsam zu essen und vor allem gemeinsame Zeit zu verbringen. Denn – so ist man überzeugt – das bereichert den Alltag.

Sechs Videos von sechs Bäuerinnen

Unverzichtbar sind für die Südtiroler Bäue­rinnenorganisation auch die Werte, die mit der Herstellung heimischer Lebensmittel verbunden sind: nachhaltige Ernährung, nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltiges Leben. Aus diesem Grund werden neben Erna Malfertheiner fünf weitere Bäuerinnen in einem kurzen Video ihre besonders wertvollen Lebensmittel vorstellen und erklären, weshalb sie einfach unverzichtbar sind: Bäuerin Jolanda Hinteregger vom Niederhubenhof in Lüsen stellt ihr bäuerliches Buffet vor, während Magdalena Stricker vom Niederhof in Martell das Fleisch in den Mittelpunkt stellt. Patrizia Prantl vom Schrenteweinhof in Lana wird die Wertigkeit der Äpfel und des Apfelsaftes erklären, und Sieglinde Illmer vom Boarbichl­hof in Tall bei Schenna wird anschaulich zeigen, wie sie ihren Käse herstellt und wieso er so gesund und wertvoll ist. 

Gemüsevielfalt am Mischbetrieb

Von der Zwiebel über den Rotkohl und die Pastinake bis hin zur Kartoffel und den Karotten zeigt Bäuerin Rosmarie Prader die Vielfalt an Gemüse, die auf ihrem Hof Jahr für Jahr angebaut und geerntet wird. Rosmarie lebt mit ihrer Familie am Mesnerhof in Teis/Villnöß und ist eine passionierte Gemüsebäuerin, die ihre Produkte über zwei Geschäfte an die Kundinnen und Kunden bringt und zudem zwei Gastbetriebe im Tal beliefert. Der Mesnerhof liegt auf 800 Meter Meereshöhe und ist ein Mischbetrieb: Wein, Äpfel und Milchkühe runden die Produktpalette ab. Der Mist der Kühe wird kompostiert und dann – nach und nach, wie er gebraucht wird – auf dem Gemüseacker als Dünger ausgebracht. 

Im Winter geht es etwas ruhiger zu am Mesnerhof, da werden die Apfelbäume und die Reben geschnitten. Während der Sommermonate gibt es hingegen viel Arbeit, die macht den Bauersleuten aber Freude. Jetzt schon können sie es kaum erwarten, endlich wieder aufs Feld zu gehen. Das Erste, was dann in die Furchen gelegt wird, sind die Frühkartoffeln. Als Erstes geerntet werden die Spargel. In diesem Jahr liegt aber noch Schnee auf dem Acker, deshalb werden sich Rosmarie und ihr Mann noch etwas gedulden müssen.

Sich gegenseitig unterstützen

Rosmarie ist stolz auf die Produktvielfalt am Mesnerhof. Wenn sie dann für ihre
Familie Essen auf den Tisch bringt, das ausschließlich selber gezogen und geerntet wurde, macht sie das besonders zufrieden. Was sie sonst noch braucht und zukaufen muss, holt sie sich bei anderen Bäuerinnen und Bauern aus dem Tal. „So unterstützen wir uns gegenseitig, das ist uns wichtig!“, sagt sie mit Überzeugung. 

Spannend findet die Bäuerin, mit den verschiedenen Gemüsearten und -sorten beim  Kochen zu experimentieren: Denn so kann sie ausprobieren, wofür sich welche Kartoffelsorte am besten eignet, welcher Kürbis für welches Rezept am besten schmeckt. Und so bringt sie jeden Tag frische Vielfalt auf ihren Tisch. Eine Vielfalt, die für sie – und sicher auch für viele andere Bäuerinnen wie Nicht-Bäuerinnen – wertvoll und einfach unverzichtbar ist.