Bauernbund | 04.03.2021

Kreditstundungen laufen aus

Im Frühjahr 2020, zu Beginn der Corona-Krise, zählten die Kreditstundungen durch die Banken zu den wichtigsten Maßnahmen für die Liquiditätsbeschaffung der betroffenen Betriebe. Viele dieser Stundungen laufen ab Ende März 2021 aus, ohne dass sich die Perspektive vieler Betriebe gebessert hat. Was nun wichtig ist ... von Josef Fauster, Walter Rier, SBB

Das Auslaufen der Stundungen kann auch bäuerliche Kreditnehmer in Schwierigkeiten bringen. Foto: Pixabay

Das Auslaufen der Stundungen kann auch bäuerliche Kreditnehmer in Schwierigkeiten bringen. Foto: Pixabay

Familien und Unternehmen konnten um eine Stundung bis zu zwölf Monaten für Kredite mit mittel- bis langfristiger Laufzeit ansuchen. Alternativ oder zusätzlich konnte die Laufzeit der Kredite bis zu 24 Monate verlängert werden, um auf diese Weise auch von einer verminderten Rate zu profitieren. 

Diese Änderungen waren ohne Zusatzkosten und ohne Änderung des Zinssatzes möglich. Bedingung, um diese Kreditstundungen in Anspruch zu nehmen, war, dass der Kredit bis dahin ordnungsgemäß bedient wurde. Bereits verlängerte oder gestundete Kredite konnten nicht weiter gestundet werden. 

Nur ein Aufschub pro Kredit möglich

Für viele Betriebe laufen die genossenen Kreditstundungen in den kommenden Monaten aus. Allerdings sind für diese Betriebe eine Entspannung der finanziellen Situation und der Neustart der Tätigkeit noch nicht absehbar. Eine Hiobsbotschaft war deshalb eine Änderung der europäischen Normen: Ab 1. Jänner 2021 greifen die Bestimmungen der europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA), an die sich auch die heimischen Banken halten müssen. Ein Aufschub darf für jeden Kredit demnach nur einmal genehmigt werden. Künftig sind diese Stundungen maximal für neun Monate zulässig. 

Ab dem ersten Tag nach Ablauf der neun Monate ist die Bank verpflichtet, die Kreditposition neu zu bewerten. Kommt es zu einem Verzug der Zins- oder Kapitalrückzahlungen von über 90 Tagen oder einem Verzug von weniger als 90 Tagen, oder liegen Gründe vor, die eine Nicht-Zahlung vermuten lassen, wird der Kredit als „notleidend“ eingestuft. Das bedeutet, dass der Kunde erschwerten bis gar keinen Zugriff zu weiteren Finanzierungen haben wird. 

Auch Corona-Ausgleichszahlungen sind gefährdet

Damit ist die Einstufung des Schuldners allgemein geschwächt, was nicht nur eine negative Auswirkung auf die Finanzierungskosten hat. Es könnten auch die Voraussetzungen für die Covid-19-Ausgleichszahlungen des Staates und des Landes verloren gehen. Diese sind nämlich immer an die Bedingung geknüpft, dass es sich nicht um einen Betrieb handeln darf, der sich in Schwierigkeiten (gemäß Artikel 2, Punkt 18, der EU-Verordnung Nr. 651/2014) befindet. 

Dazu zählt neben einem Insolvenzverfahren auch der Erhalt einer Rettungsbeihilfe, wobei der entsprechende Kredit noch nicht zurückgezahlt wurde. Eine Änderung dieser Bestimmungen ist derzeit trotz Interventionen noch nicht in Aussicht. 

Hausbank bereits frühzeitig kontaktieren

Sollte sich bereits jetzt abzeichnen, dass es bei Ablauf der Kreditstundungen schwierig sein wird, die Darlehensrückzahlung wieder aufzunehmen, sollte man frühzeitig die Hausbank kontaktieren. Es sollte auf keinen Fall abgewartet werden, bis der Kredit von der Bank als notleidend eingestuft wird. Die Banken haben bereits angekündigt, jede Position einzeln prüfen und für jeden Fall eine Lösung finden zu wollen. 

Falls bisher keine Stundung des Kredites notwendig war, aber diese nun aufgrund des langen Ertragsausfalles notwendig wird, kann diese auch jetzt noch bei der Bank beantragt werden. 

Die Stundung ist allerdings, wie oben erwähnt, auf maximal neun Monate beschränkt, und es muss innerhalb 31. März dafür angesucht werden. Deshalb sollten sich Betroffene auch in diesem Falle rechtzeitig an ihre Bank wenden. 

Finanzierungsberatung des Bauernbundes nutzen

In diesem Zusammenhang möchte der Südtiroler Bauernbund nochmals auf seine Finanzierungsberatung aufmerksam machen. Die drei Finanzierungsberater des Bauernbundes sind vormittags von Montag bis Freitag zu den unten angeführten Zeiten telefonisch oder per E-Mail erreichbar: 

  • Herbert Achammer, 8.30–12 Uhr, Tel. 338 5357506, E-Mail: Herbert.Achammer@­sbb.it;
  • Josef Fauster, 9–11 Uhr, Tel. 338 5361077, E-Mail: Josef.Fauster@sbb.it;
  • Paul Pezzei, 9–12 Uhr, Tel. 334 3874869, E-Mail: Paul.Pezzei@sbb.it,