Politik, Wirtschaft | 04.03.2021

Genereller Bettenstopp geplant

Neue Leitlinien bilden die Grundlage für die künftigen Entscheidungen zum Tourismus der Zukunft in Südtirol. Tourismuslandesrat Arnold Schuler hat sie am vergangenen Freitag vorgestellt.

Keine neuen Betten – dieser Grundsatz soll auch für UaB-Betriebe gelten.

Keine neuen Betten – dieser Grundsatz soll auch für UaB-Betriebe gelten.

Die von der Landesregierung erarbeiteten Leitlinien sind laut Schuler von mehrfacher Bedeutung: Zum einen wird das Landestourismusentwicklungskonzept darauf aufbauen. Dieses Konzept befindet sich derzeit in Ausarbeitung und wird die Strategien für den Tourismus der Zukunft beinhalten. 

In der Zwischenzeit aber werden sich alle politischen Entscheidungen, aber auch die künftigen Gemeindeentwicklungskonzepte auf die Leitlinien stützen, erklärte Schuler. Das Dokument soll definieren, wie viel Tourismus Südtirol verkraften kann und wie Qualität und Wertschöpfung gesteigert werden können.

Eine Zielsetzung der Leitlinien ist ein Bettenstopp: Demnach werden künftig die Betten neu erhoben und dabei auch die Nächtigungen berücksichtigt. Darauf aufbauend wird auch die Obergrenze der Betten festgelegt. Dies gilt sowohl für die einzelnen Betriebe als auf Gemeinde- und Landesebene. Auf Gemeindeebene wird dann eine Art Bettenbörse eingeführt: Mit ihr können von Beherbergungsbetrieben aufgegebene Betten neu vergeben werden.

Die neue Obergrenze gilt laut Schuler „für alle Vermietungsformen, auch Urlaub auf dem Bauernhof“ und wirkt sich auch auf Neubau und Erweiterung von gewerblichen Beherbergungsbetrieben aus: Denn diese sind laut Leitlinien nur mehr im Rahmen der noch verfügbaren Betten und innerhalb der Siedlungsgrenzen möglich. Außerdem ist für neue Betriebe eine bestehende Erschließung Voraussetzung. 

Laut Schuler will man mit den Leitlinien auch eine größere Diversifizierung bei gewerblichen und nicht-gewerblichen Betrieben sicherstellen: „Wir wollen ein Gleichgewicht zwischen gewerblichen Beherbergungsbetrieben, Urlaub auf dem Bauernhof und Privatvermietern schaffen: Die künftigen Regelungen müssen eine ausgewogene Entwicklung garantieren.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen würden in Südtirol nach wie vor die Familienbetriebe vorherrschen. „Durch die Möglichkeiten der Privatzimmervermietung und des Urlaubs auf dem Bauernhof ist es uns gelungen, den ländlichen Raum lebendig zu halten“, erklärt der Landesrat. 

Einen zentralen Fokus setzen die Leitlinien auf die Qualität. Daher ist auch ein System zur qualitativen Kontrolle vorgesehen. Bevor jedoch genauere Aussagen über die Betten-Obergrenze getroffen werden können, ist es laut Schuler notwendig, ein klares Bild über die Anzahl der bestehenden Betten zu erhalten. 

Auf diese und weitere Überlegungen sollen das Landestourismusentwicklungskonzept und die Gemeindeentwicklungskonzepte aufbauen. Mittels dieser Konzepte werde eventuell auch die Zuweisung neuer Betten erfolgen, sagt der Landesrat.

Qualitative Erweiterung möglich

Um den gastgewerblichen Betrieben bis zur Genehmigung des Landestourismusentwicklungskonzepts im kommenden Sommer 2021 zumindest in qualitativer Hinsicht Entwicklungsperspektiven zu bieten, hat die Landesregierung am vergangenen Dienstag eine „Verordnung über die Erweiterung gastgewerblicher Betriebe“ genehmigt. 

Grundlage für die Erweiterung der Beherbergungsbetriebe ist die gemeldete Bettenzahl des jeweiligen Betriebs zum 1. Oktober 1997. Als Maßeinheit dient die Bruttofläche. Konkret dürfen Beherbergungsbetriebe sowie Speise- und Schankbetriebe bei einer Erweiterung der entsprechenden Gebäude die angegebenen Bruttoflächen erreichen. „Gastgewerbliche Betriebe dürfen also wieder erweitert werden, sofern dabei keine zusätzlichen Gästebetten geschaffen werden“, erklärt Schuler. 

SBB: Entscheidung „inakzeptabel“

Die Vorstellung der Leitlinien hat für einige Verwirrung gesorgt. So ist der Südtiroler Bauernbund über die Ankündigung, dass der Bettenstopp auch für Betriebe mit Urlaub auf dem Bauernhof gelten soll, ganz und gar nicht erfreut. 

Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner erklärt: „Der Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol ist eine der größten Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahrzehnte im Tourismusland Südtirol. Die Möglichkeit, neben der Arbeit am Hof dort auch Gäste zu beherbergen, hat zahlreichen bäuerlichen Familien ein Zusatzeinkommen ermöglicht und daher wesentlich zum Erhalt unserer Landwirtschaft beigetragen.“ 

Dass es in Zukunft – wenn überhaupt – nur in sehr eingeschränktem Maße möglich sein soll, auf Betrieben Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten, die das bisher nicht getan haben, sei für den Bauernbund inakzeptabel. „Auch urbanistisch spielt der Urlaub auf dem Bauernhof in einer anderen Liga, denn es werden keine Zonen ausgewiesen und sowohl das Bauvolumen als auch die Anzahl der Wohnungen sind bereits gedeckelt“, unterstreicht Rinner.