Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 18.02.2021

Von Pionierarbeit bis Zoom-Meeting

In 40 Jahren Südtiroler Bäuerinnenorganisation ist viel passiert: Viele Bäuerinnen habe Großes geleistet, viel bewegt und mit großem Herzen den ländlichen Raum bereichert – wie der Rückblick der vier Bezirks­bäuerinnen aus dem Vinschgau zeigt.

In 40 Jahren Südtiroler Bäuerinnenorganisation hat sich viel getan – die Bezirks­bäuerinnen aus dem Vinschgau erzählen.

In 40 Jahren Südtiroler Bäuerinnenorganisation hat sich viel getan – die Bezirks­bäuerinnen aus dem Vinschgau erzählen.

Rosl Debiasi, Christina Bernhart, Monika Rechenmacher und Ingeborg Rechenmacher: Diese vier Frauen haben in den letzten 40 Jahren die Geschicke der Bäuerinnen im Vinschgau gelenkt. Jede von ihnen hat ihre Zeit als Bezirksbäuerin mit viel Mut, Lust am Neuen, Liebe zur Landwirtschaft und Begeisterung für die Themen der Bäuerinnen mitgestaltet. Egal ob Aus- und Weiterbildung, Austausch mit anderen Bäuerinnen im In- und Ausland, Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Organisationen sowie anderen Frauen- und Familienverbänden, Projekte für Zu- und Nebenerwerb der Bäuerinnen, Stärkung der landwirtschaftlichen Produkte – spricht man mit den Bezirksbäuerinnen aus dem Vinschgau, zeigt sich, dass es von Anfang an um diese wesentlichen Arbeitsschwerpunkte ging. 

Der Anfang war für alle schwer, alles war Neuland. Durch Kurse und Seminare haben sich die Bäuerinnen fortgebildet, sie freuten sich über jeden Erfolg, erzählt Rosl Debiasi: „Mein Ziel war immer, durch die Information das Selbstbewusstsein der Bäuerin zu stärken. Sie sollte stolz sein auf das, was sie ist, sie sollte ihren Stand vertreten und sich nicht als minderwertig ansehen.“ Neben den Weiterbildungsveranstaltungen waren für Rosl De­biasi auch das Angebot der Erholungswochen der Bäuerinnen sowie die Treffen mit den Bäuerinnen aus Österreich und der Schweiz wichtig, um die Bäuerinnen von ihren Höfen „zu holen“. Ein Thema lag ihr besonders am Herzen, und zwar die Einführung der Bräuche und das Tragen der Tracht. In ihrer Zeit wurde auch die Witwenehrung eingeführt, ein Projekt, das bis heute Bestand hat. Ein großer Erfolg war für Rosl Debiasi die Gründung  von über zwölf Ortsgruppen. Nach 14 Jahren Aufbau konnte sie  an ihre Nachfolgerin übergeben: „Unvergessen bleiben für mich die Zufriedenheit, die Freude im Gesicht der Bäuerinnen nach unseren Treffen. Das war für mich immer der größte Lohn und Dank für meinen Einsatz, ein großes Geschenk!“

Auf Rosl Debiasi folgte Christina Bernhart. Sie suchte stets die Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Organisationen. Die SBO hatte sich inzwischen zu einer Organisation entwickelt, die gerne gesehen, ernst genommen und um Rat und Hilfe gebeten wurde. Auch Christina sorgte für Weiterbildungsangebote in Zusammenarbeit mit der Fachschule für Hauswirtschaft, organisierte Lehrfahrten in die Nachbarbezirke und in den oberitalienischen Raum und pflegte den Austausch mit den Bäuerinnen aus Bayern und der Schweiz. Die Treffen mit den Bäuerinnen waren für Christina stets wertvoll: „Gut in Erinnerung sind mir die Landesbäuerinnentage als besonderer Tag der Bäuerin geblieben.“

Ein schönes Projekt war das Buch „Vinschger Köstlichkeiten“ in Zusammenarbeit mit der Erzeugergenossenschaft VIP und fleißigen Bäuerinnen. Die Initiative für die Errichtung einer Direktvermarktungsstruktur für bäuerliche Produkte im Vinschgau startete bei einem Bezirksbäuerinnentag. Im Jahr 2005 wurde der Vinschger Bauernladen in Naturns eröffnet, die ehemalige Bezirksbäuerin ist heute noch Obfrau dieser Genossenschaft. 

Bäuerinnen Mut gemacht

Monika Rechenmacher war die dritte Bezirksbäuerin im Vinschgau. Sie bemühte sich stets, ein Bindeglied zwischen Land-, Bezirks- und Ortsebene zu sein. Sie machte den Bäue­rinnen Mut, sich auch öffentlich zu engagieren, z. B. in der Gemeindepolitik, um mitreden und mitentscheiden zu können. In guter Erinnerung hat Monika so manche Ortbäuerinnenratswahl, die unkompliziert oder auch schwierig war. Es sei aber immer vorangegangen, die Bäuerinnen hätten immer Zusammenhalt bewiesen. 

Eines der prägendsten Erlebnisse war die Fahrt mit Monika Hauser in den Kosovo im Juli 2006. Die wirtschaftliche und humane Notlage der dortigen Bäuerinnen hätten ihr gezeigt, wie wichtig starke Bäuerinnen-­Netzwerke sind. Als Trachtenschneiderin war Monika das Nähen und Tragen der Tracht ein großes Anliegen. Sie war auch eine der Initiatorinnen des Trachtenbuches „Inser beschtes G’wond“. 

Monikas Nachfolgerin, die heutige Bezirksbäuerin Ingeborg Rechenmacher, hat bei der Realisierung dieses Buchprojektes mitgewirkt. Das Amt der Bezirksbäuerin ist für Ingeborg ein bedeutender Meilenstein in ihrem Leben. Die Arbeit mit den Bäuerinnen hat ihr Lebenswelten eröffnet, wertvolle Begegnungen mit Menschen und schöne Erlebnisse beschert. „Die Zeit in der SBO hat mich reifen lassen, hat mir Werte vermittelt und meinen Horizont erweitert“, sagt Ingeborg. Das Thema Aus- und Weiterbildung sowie die Vernetzung der Bäuerinnen und Frauen sind ihr ebenso wichtig wie die Zusammenarbeit mit anderen Frauenverbänden. Rückblickend erinnert sich Ingeborg Rechenmacher an viele schöne Projekte mit den Bäuerinnen: die Mitgestaltung beim Bäuerinnenkalender, die Handarbeitsausstellungen, die Bezirkswallfahrten, das Bezirkskartenspiel, der Austausch mit der Tiroler Bäuerinnenorganisation Bezirk Landeck und viele mehr. 

„Ich habe zum einen viel Bewährtes von meinen Vorgängerinnen übernommen und zum anderen innovative Ideen aufgegriffen. Mein Wunsch war es, neue Akzente zu setzen, da jüngere Frauen in die Ortsbäuerinnenräte kamen, was mich sehr freute“, sagt Ingeborg und lädt seit Kurzem die Bäuerinnen zu Zoom-Sitzungen ein. Das ist moderne Netzwerkarbeit in einer Organisation, die sich bereits seit über 40 Jahren ehrenamtlich engagiert. 

40 Jahre SBO

40 Jahre Südtiroler Bäuerinnenorganisation– Die SBO nimmt dieses Jubiläum heuer zum Anlass, im „Südtiroler Landwirt“ immer wieder über die 40 Jahre Südtiroler Bäuerinnenorganisation zu erzählen.