Politik, Wirtschaft | 10.02.2021

Weitere Problembären in Sicht

Mit einem Gutachten zum Umgang mit verhaltensauffälligen Bären im Trentino lässt das italienische Umweltinstitut ISPRA aufhorchen. Demnach ist in den kommenden fünf Jahren in der Nachbarprovinz mit bis zu 15 weiteren besonders gefährlichen Bären zu rechnen. von Bernhard Christanell

Schätzungen zufolge wird es im Jahr 2025 eine Population von knapp 130 Bären im Trentino geben. Foto: Ron Porter, Pixabay

Schätzungen zufolge wird es im Jahr 2025 eine Population von knapp 130 Bären im Trentino geben. Foto: Ron Porter, Pixabay

In dem Gutachten analysiert das Institut ISPRA die Entwicklung der vergangenen Jahre und wagt auch einen Ausblick in die Zukunft. So habe es im Trentino laut ISPRA zwischen 2009 und 2019 insgesamt sechs Bären gegeben, die größere Schäden verursacht haben. Sie hätten in dieser Zeit zahlreiche Tiere gerissen – und weil alle Maßnahmen zur Vorbeugung oder Abschreckung keine Wirkung gezeigt hätten, wurden sie entweder eingefangen oder (meist im benachbarten Ausland) getötet. Im genannten Zeitraum seien im Trentino 1681 Schadensfälle durch Bären gemeldet und dafür rund eine Million Euro an Entschädigungen ausbezahlt worden. 

Interessant ist, dass das ISPRA in seinem Gutachten fast ausschließlich nur dann von „gefährlichen Bären“ schreibt, wenn diese direkt Menschen angreifen. Bezogen auf Nutztiere weist das ISPRA stets darauf hin, dass für diese bekanntlich Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollten. 

Wenig erfreulich für all jene, die durch die Bären Schäden erleiden, sind die Prognosen des ISPRA für die kommenden Jahre. Das Institut geht davon aus, dass sich die rund 70 Bären, die nachweislich zurzeit im benachbarten Trentino leben, weiter vermehren werden und es im Jahr 2025 eine Population von knapp 130 Bären geben dürfte. Laut ISPRA-Schätzungen dürften darunter dann auch um die fünf weitere Problembären sein – im schlechtesten Fall könnten es auch bis zu 15 Bären sein, die potentiell gefährlich für Menschen sein könnten. 

„ISPRA nimmt Nutztier-Verluste in Kauf“

Für Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner spricht das ISPRA-Gutachten eine deutliche Sprache: „Nicht nur, dass Verluste von Nutztieren laut diesem Gutachten ohne viel Aufsehen in Kauf genommen werden – sie tragen für das ISPRA nicht einmal dazu bei, Bären als besonders gefährlich einzustufen. Allein das zeigt, wie weit von der Realität entfernt die Verantwortlichen dieses Institutes leben.“ Eine Verdopplung der Bärenpopulation sei – auch wenn es sich um Schätzungen für die Nachbarprovinz handelt – für die Tierzucht und die Berglandwirtschaft in Südtirol absolut besorgniserregend.