Bauernbund | 10.02.2021

Rücksicht auf das Wild nehmen

Mit der Kampagne „Hier wohnen wir. Nimm Rücksicht auf das Wild“ will der Südtiroler Jagdverband Freizeitsportler zu mehr Achtsamkeit gegenüber der Natur anregen. Die Wildtiere stehen in diesem schneereichen Winter nämlich unter besonders großem Druck. von Südtiroler Jagdverband

Mit Plakaten möchte die Südtiroler Jägerschaft dazu beitragen, dass wieder mehr Ruhe im Wald einkehrt.

Mit Plakaten möchte die Südtiroler Jägerschaft dazu beitragen, dass wieder mehr Ruhe im Wald einkehrt.

Oswald Kottersteger ist Jäger und Revierleiter in Prettau. Er war einer der ersten Revierleiter, die auf den „Massenansturm“ im diesjährigen Corona-Winter reagierten. Er wollte die Freizeitsportler darauf hinweisen, Rücksicht auf die Wildtiere zu nehmen. Auf seine und auf die Initiative vieler anderer besorgter Jägerinnen und Jäger hat der Südtiroler Jagdverband Hinweistafeln erarbeitet, welche sportbegeisterte Naturfreunde für die Tierwelt sensibilisieren sollen.

Tier nicht unnötig stören

Prettau zählt zu den schneereichsten Jagdrevieren im Land. Mit seinen zwölf Dreitausendern ist es Anziehungspunkt für unzählige Skitourengeher und Schneeschuhwanderer. Diese bringen viel Unruhe in die Hochlagen und Wälder. Kottersteger erklärt: „Für Reh und Gams sind Skifahrer, die plötzlich den Hang oder durch den Wald herunter geschossen kommen, eine Bedrohung. Sie fliehen panisch. Das kostet, wenn es immer wieder passiert, unter Umständen so viel Kraft, dass die Tiere den Winter nicht überstehen.“ Betroffen sind natürlich auch andere Tierarten: Rotwild, die störungsempfindlichen Raufußhühner und selbst das Steinwild. Deshalb ist es wichtig, vor allem im Wald ausschließlich auf den ausgewiesenen Routen zu bleiben. Auf diese Weise können sich die Wildtiere auf die Anwesenheit des Menschen einstellen. 

Mit der Kampagne „Hier wohnen wir. Nimm Rücksicht auf das Wild“ wollen die Südtiroler Jägerinnen und Jäger und ihr Verband auf diese Problematik hinweisen. In diesen Tagen werden rund 800 Hinweistafeln an besonders frequentierten Skitouren- und Wanderrouten angebracht.

Hunde an der Leine führen

Auch die Hundehalter sind gebeten, ihre Vierbeiner anzuleinen. Welches Herrchen oder Frauchen kann schon zu hundert Prozent sicher sein, dass der Hund nicht beim Anblick eines Wildtieres auf Nimmerwiedersehen im Wald verschwindet? Die Durchführungsverordnung zum Schutz der Tierwelt sieht jedenfalls Leinenpflicht vor. Niemals darf ein Hund unkontrolliert durch den Wald streunen, denn einen umherstöbernden Hund empfinden Wildtiere noch mehr als Bedrohung. Das Anleinen im Winter ist umso wichtiger, da sich die Wildtiere gerade jetzt häufig in der Nähe von Wegen aufhalten, weil sie dort leichter vorankommen. 

Natur gemeinsam genießen

Landesjägermeister Günther Rabensteiner unterstreicht: „Wir wollen die Menschen mit dieser Aktion nicht aus der Natur verbannen. Wir alle wissen, wie gut es uns tut, in einer schönen Bergwelt Kraft zu tanken, ganz besonders in Zeiten wie diesen. Es geht vielmehr darum, die Interessen der Wildtiere und der Menschen miteinander zu vereinbaren. Die Menschen sollen die Natur genießen und dabei Rücksicht auf die Wildtiere nehmen.“

 


Was Wintersportler und Naturfreunde jetzt für das Wild tun können: 

  • Auf den ausgewiesenen Routen und markierten Wegen bleiben – vor allem im Wald.
  • Die Dämmerung meiden. Das ist die Zeit, in der viele Wildtiere die Ruhe im Wald nutzen, um nach Nahrung zu suchen.
  • Waldränder und schneefreie Flächen meiden. Hier halten sich Wildtiere gerne auf.
  • An Futterstellen ist es besonders wichtig, dass das Wild Ruhe findet – bitte großräumig umgehen.
  • Hunde bitte an die Leine nehmen.