Produktion | 06.02.2021

Silage vor Wild schützen

Rotwild sucht im Winter Siloballen gerne als Futterquelle auf. Dies ist nicht nur für betroffene Betriebe ein ­Problem, sondern auch für die Tiere selbst – Das energiereiche Futter ist für die Wiederkäuer ungeeignet. von Anna Pfeifer

Netze habe sich als Schutz vor Rotwild bewährt – allerdings müssen sie sachgemäß angebracht werden.

Netze habe sich als Schutz vor Rotwild bewährt – allerdings müssen sie sachgemäß angebracht werden.

In schneereichen Wintern wie diesem sucht das Wild ständig nach zugänglichen Futterquellen. Häufig nähern sich die Tiere dafür Höfen. Dabei entstehen nicht nur Probleme für die Bäuerinnen und Bauern, sondern auch für die öffentliche Sicherheit. 

Günther Pörnbacher, Amtsdirektor des Forstinspektorats in Welsberg, erklärt: „In diesem Winter kam es entlang der Pustertaler Staatsstraße zwischen Percha und Rasen vermehrt zu Wildunfällen.“ Diese seien darauf zurückführen, dass die Tiere auf Futtersuche heuer öfter die Landesstraße und die Bahnlinie überquerten. Dieses Problem werde verschlimmert, wenn zum Beispiel Siloballen im Freien ohne Schutz gelagert werden. Rotwild nimmt diese Futterquelle besonders gerne an. Dabei scheuen die intelligenten Tiere nicht davor zurück, die Folie von geschlossenen Ballen aufzubeißen, um an das Futter zu kommen. Der Siloballen wird dadurch meist unbrauchbar, und es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden für die Bäuerinnen und Bauern.

Saftfutter für Wild ungeeignet

Hinzu kommt, dass Silage für Wild als Futter im Winter ungeeignet ist. Der Organismus der Wildtiere ist im Winter nämlich darauf ausgerichtet, mit sehr wenig und magerem Futter auszukommen. Silage ist zu energie- und eiweißreich: Den Wiederkäuern droht durch die Aufnahme eine Pansenübersäuerung. Reh- und Rotwild kann bei Verzehr von verdorbenem Silo sogar eingehen.

Um die Aufnahme des Saftfutters zu kompensieren, muss das Rotwild Rohfasern zu sich nehmen. Dazu schälen die Tiere bevorzugt Laubhölzer und Fichten in der Nähe, aber auch andere Baumarten können betroffen sein. Konflikte mit Waldbesitzern sind in solchen Fällen nicht selten. 

Siloballen vor Rotwild schützen

Um Straßenunfällen, Futterverlust und Schälschäden vorzubeugen, müssen die Siloballen vor dem Wild geschützt werden. Ideal wäre, wenn die Ballen bereits im Herbst eingezäunt oder zugedeckt werden, sodass das Wild diese gar nicht als Futterquelle wahrnimmt. 

Elektrozäune müssen regelmäßig kontrolliert werden und sind bei großen Schneehöhen keine Ideallösung. Bewährt haben sich auch Netze (siehe Bild) – richtig angebracht, schützen sie zuverlässig und sind für die Wildtiere ungefährlich. Bei der Nutzung von Bauzäunen gilt es, diese so anzubringen, dass Reh- und Rotwild nicht hängen bleiben oder sich verletzen können. Baustahlmatten mit scharfen Enden hingegen sind ungeeignet. Egal welche Lösung gewählt wird, die Vorrichtungen müssen regelmäßig kontrolliert und gewartet werden.

Bei unsachgemäßer Entsorgung strafrechtliche Konsequenzen

Auch Futterreste, die die Bäuerinnen und Bauern in der Nähe ihres Betriebes entsorgen, suchen die Wildtiere gerne auf. Günther Pörnbacher erklärt: „Oft handeln die Bäuerinnen und Bauern im Glauben, sie würden den Tieren etwas Gutes tun, wenn sie ihnen die Silagereste zur Verfügung stellen. Jedoch ist genau das Gegenteil der Fall. Das energiereiche Saftfutter schadet den Tieren. Hinzu kommt, dass Silage von Betrieben gesetzlich unter ‚Müll‘ fällt und somit nicht in der Natur entsorgt werden darf.“ 

Diese Problematik ist vielen Landwirtinnen und Landwirten nicht bewusst. Wird Silage im Wald entsorgt, drohen strafrechtliche Konsequenzen. 

„Um gesetzlich in Ordnung zu sein, müssen Silagereste zum Beispiel im Misthaufen entsorgt und untergemischt werden“, sagt Pörnbacher, „sinnvoll wäre auch ein zentraler Ort, an dem der Abfall gesammelt und anschließend entsorgt werden könnte.“ 

Es sei notwendig, dass sich die Bäuerinnen und Bauern mit dem Problem der Futterrest­entsorgung auseinandersetzten. Die Öffentlichkeit reagiert immer sensibler auf solche Themen, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es erste Anzeigen wegen illegaler Müllentsorgung gegen Landwirtinnen und Landwirte gibt.