Produktion | 05.02.2021

Stein- und Beerenobst im Online-Fokus

Heute (5. Februar) fand die 34. Stein- und Beerenobstbautagung in Form eines Webinars statt. Der Einsatz von Nützlingen in der Praxis war ebenso Thema wie neue Marillensorten, der nachhaltige Erdbeeranbau und Neues zum Thema Pflanzenschutz waren die wichtigsten Themen.

Im Vinschgau braucht es Alternativen zur "Vinschger Marille" - weiß das Versuchszentrum Laimburg und sucht nach Alternativen. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Im Vinschgau braucht es Alternativen zur "Vinschger Marille" - weiß das Versuchszentrum Laimburg und sucht nach Alternativen. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Während bei Kirschen im vergangenen Jahr mittlere Erträge erzielt wurden, waren diese bei den Marillen überdurchschnittlich. Auch die Beerenobstbauern sprechen generell von einer guten Saison. Die gute Qualität der Früchte, welche an die Genossenschaften geliefert wurde, konnte zu guten Preisen verkauft werden. Eugen Tumler vom Beratungsring für Obst- und Weinbau sowie Igor Schweiggl vom BRING blickten auf das Jahr 2020 zurück. Die Witterung stellte alle Anbauer vor Herausforderungen und auch Schädlinge wie die Kirschessigfliege beschäftigten die Anbauer. Die Monitoring-Programme der beiden Beratungsringe helfen den Anbauern und Beratern, die Befallsituationen besser beobachten und etwaige Maßnahmen rechtzeitig ergreifen zu können.

Einsatz von Nützlingen in der Praxis
Über den Einsatz von Nützlingen in der Praxis referierte Markus Hilgensloh von der NüPA GmbH aus Deutschland. Er betonte, dass für einen erfolgreichen Einsatz von Nützlingen die Ansprüche der jeweiligen Gegenspieler bekannt sein müssen. Bei der Bekämpfung von Spinnmilben beispielsweise erweist sich, insbesondere im geschützten Anbau, der Einsatz von Raubmilben als sehr erfolgsversprechend. Regelmäßige Kontrollen des Befalls, des Vegetationsstadiums sowie der Temperatur sind jedoch unabdingbare und zeitintensive Voraussetzungen. Bei Kirschen und im ungeschützten Freilandanbau von Strauchbeeren beschränkt sich der Nützlingseinsatz derzeit noch auf einzelne Anstrengungen. 

Prüfung neuer Marillensorten
Im Sortenspiegel des Vinschger Marillenanbaus nimmt die „Vinschger Marille“ mit einem Anteil von 55 Prozent die Vorreiterrolle ein. Um den Marillenanbau im Vinschgau zu fördern, sind neue Strategien notwendig. Grundlegende Bedeutung kommt dabei – so betonte Max Zago vom Versuchszentrum Laimburg – der Sortenwahl zu: „In Zukunft sollte das Sortiment so strukturiert werden, dass der Markt konstant von Beginn bis Ende der Saison mit hochwertigen Früchten beliefert werden kann.“ Jedes Jahr werden die Produzenten mit zahlreichen Sortenneuheiten konfrontiert. Um daraus geeignete Sorten für die lokalen Verhältnisse auswählen zu können, müssen den Anbauern transparente Prü-fergebnisse an die Hand gegeben werden. Darum hat das Versuchszentrum mithilfe des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau im Jahr 2016 einen repräsentativen Standort für ein Versuchsfeld am Tomberg identifiziert. Dort sind inzwischen 52 Sorten nationaler und internationaler Herkunft in Prüfung. „Zwei Sorten haben sich in unseren Versuchen bisher als besonders vielversprechend erwiesen, zum einen die Sorte Sefora aufgrund ihrer mittelfrühen Reife und zum anderen die Sorte Clarina, die aufgrund ihres sehr guten Geschmacks und ihrer Saftigkeit besticht“, erklärte Zago.

Neue Ansätze für nachhaltigen Erdbeeranbau
Eine nachhaltige Landwirtschaft handelt respektvoll gegenüber natürlichen Ressourcen, dem Landwirt, dem Verbraucher und der gesamten Gesellschaft. Mit der Frage, wie man zu einem nachhaltigen Erdbeeranbau kommt, haben sich die Arbeitsgruppe „Beeren- und Steinobst“, „Ökologischer Anbau“ und „Acker- und Kräuteranbau“ des Versuchszentrums Laimburg beschäftigt, und drei Ansätze dafür entwickelt: Anbau krankheitsresistenter Erdbeersorten, Anwendung von Mischkultur und Entwicklung nachhaltiger Lösungen gegen biotischen und abiotischen Stress.
Am Versuchsstandort Martell haben die Experten des Versuchszentrums über 50 Erdbeersorten auf ihre Anfälligkeit gegenüber Mehltau bewertet. Dabei konnten einige Sorten identifiziert werden, die wenig anfällig gegenüber Mehltau oder gar tolerant sind.
Mit einem Anbau in Mischkultur lassen sich für alle beteiligten Arten Vorteile erzie-len, wie etwa ein höheres vegetatives Wachstum, was wiederum zu einer erhöhten Produktion führt. Sebastian Soppelsa von der Arbeitsgruppe „Beeren- und Steinobst“ berichtete: „Unsere Ergebnisse aus dem ersten Versuchsjahr zeigen, dass die Erdbeere in Mischkultur mit Pfef-ferminze höhere Erträge ergibt als in Reinkultur.“ 

Aktuelle Themen zum Pflanzenschutz
Das Stein- und Beerenobst wird von verschiedenen Krankheiten und Schädlingen befallen. Für die verschiedenen Kulturen sind unterschiedliche Regelungen in Bezug auf Pflanzenschutzmittel vorgesehen. 2020 ist die Zulassung für einige Wirkstoffe ausgelaufen, andere Wirkstoffe werden die Zulassung voraussichtlich im Jahr 2021 verlieren. Urban Spitaler von der Arbeitsgruppe „Mittelprüfung“ stellte die vom Versuchszentrum Laimburg erarbeitete Listen der im Stein- und Beerenobstbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel und Wachstumsregulatoren vor. Die Listen (Stand Februar 2021) können über den Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) für Beerenobst und über den Beratungsring für Obst- und Weinbau für das Steinobst bezogen werden.

Ein Betrieb stellt sich vor
Seit über 40 Jahren werden am Patschillerhof der Familie Rungger in der Gemeinde Völs am Schlern Himbeeren angebaut und die Produkte direkt vermarktet. Der Betrieb liegt auf einer Meereshöhe von 650 m in sonniger Lage. Nach und nach erweiterte sich das Sortiment. Mittlerweile verfügt der Betrieb auch über Johannisbeeren, Holunderbeeren. Heidelbeeren, Erdbeeren, Marillen, Kirschen, Zwetschgen sowie Kräuter, die auf ca. drei Hektar Fläche angebaut werden. Der Biobetrieb verarbeitet die Früchte zu insgesamt ca. 25.000 Flaschen Sirup sowie 10.000 Gläser Marmelade pro Jahr. Die veredelten Produkte werden mittlerweile in vielen Südtiroler Geschäften angeboten und die Direktvermarktung erfolgt auch über einen Online-Shop, berichtete der Betriebsleiter Andreas Rungger im Rahmen des Webinars. 

Organisiert und abgehalten wurde die Fachtagung vom Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) in Zusammenarbeit dem Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Versuchszentrum Laimburg sowie den weiteren Akteuren der Fachgruppe Sonderkulturen, die innerhalb des BRING organisiert sind: Bioland Südtirol, Egma Vilpian, Fachschulen der land-, forst- und hauswirtschaftlichen Berufsbildung, Südtiroler Bauernbund und der VIP.

Eröffnet wurde die Tagung von BRING-Obmann Daniel Gasser sowie Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler. Beide betonten in ihren Grußworten die Bedeutung des Stein- und Beerenobstanbaus in Südtirol. Das Zusammenspiel von Praxis, Forschung und Beratung hat hier eine besondere Bedeutung. Die Online-Tagung war mit 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut besucht.