Leben | 05.02.2021

„Geht nicht, gibt’s nicht“

Im Interview erzählt die junge Niederdorferin Annalena Wild wie sie sich für die Landwirtschaft stark macht und welche Rolle dabei die sozialen Medien spielen. Seit Herbst betreibt sie nämlich die Seite „LaWi – ­Landwirtschaft.Wissen“. von Anna Pfeifer

Die 18-jährige Schülerin Annalena Wild informiert Konsumentinnen und Konsumenten in den sozialen Medien über die Landwirtschaft.

Die 18-jährige Schülerin Annalena Wild informiert Konsumentinnen und Konsumenten in den sozialen Medien über die Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft ist ihre Leidenschaft, sagt Annalena Wild. Die fast 18-jährige Schülerin packt – wann immer sie kann – am väterlichen Hof mit an, hat eine große Freude an der Braunviehzucht und setzt sich für die Landwirtschaft ein. 

Seit Herbst 2020 ist sie im Namen der Südtiroler Landwirtschaft auch in den ­sozialen Medien aktiv. Auf Facebook und Instagram betreut sie die Seite „LaWi – Landwirtschaft.Wissen“. Sie versucht dort Konsumentinnen und Konsumenten darüber zu informieren, wie die Landwirtschaft funktio­niert und was hinter den Lebensmitteln im Geschäft steckt. Im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“ erzählt Annalena Wild, woher ihre Begeisterung kommt und wie sie ihre Arbeit in den sozialen Medien meistert.  

Südtiroler Landwirt: Frau Wild, auf Facebook und Instagram haben insgesamt knapp 800 Menschen Ihre Seite „LaWi – Landwirtschaft.Wissen“ abonniert. Wen wollen Sie damit ansprechen?

Annalena Wild: Mit meiner Facebook- und Instagram-Seite möchte ich besonders Konsumentinnen und Konsumenten ansprechen. Mein Ziel ist es, bei der nicht-bäuerlichen Gesellschaft ein Bewusstsein für regionale Lebensmittel zu schaffen. Viele Leute wissen einfach nicht, was hinter den Nahrungsmitteln steckt, die sie tagtäglich konsumieren. 

Das ist auch für mich persönlich wichtig – ich möchte wissen, woher z. B. das Fleisch stammt, das ich esse. Und ich möchte wissen, wie das Tier gelebt hat und wie es gestorben ist. 

Lange Wege zum Schlachter vermeide ich, denn die Tiere erleben beim Transport leider sehr viel Stress. Das ist auch der Grund, warum ich mich circa ein Jahr lang vegetarisch ernährt habe. Es ist mir wichtig, dass wir nicht vergessen, woher unsere Lebensmittel kommen!

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Auftritt in den sozialen Medien zu starten?

Für mich war und ist die Landwirtschaft eine riesige Leidenschaft. Und mir sind schon oft Menschen begegnet, die schlichtweg zu wenig darüber wussten. In den Gesprächen mit den Konsumentinnen und Konsumenten ist mir aufgefallen, dass es viel Unwissenheit und Vorurteile gegenüber der Landwirtschaft gibt. Das wollte ich ändern! 

Da mein Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“ ist, habe ich mich hingesetzt und überlegt, wie ich die nicht-bäuerliche Bevölkerung erreichen kann. Die sozialen Medien sind das perfekte Mittel dafür. Viele Menschen verbringen reichlich Zeit in den sozialen Medien – sie sind einfach zu händeln und kostenlos. 

Ein anderer Beweggrund, das Projekt ­„LaWi – Landwirtschaft.Wissen“ zu starten, waren meine Kritiker. Nicht selten bin ich Menschen begegnet, die meine Ideen kritisch gesehen haben und dachten, ich würde es nicht schaffen. Das hat mich dann noch mal mehr motiviert und dahingebracht, wo ich heute stehe: am Beginn einer spannenden und herausfordernden Reise im Namen der Südtiroler Landwirtschaft. 

Woher kommt Ihre starke Verbundenheit zur Landwirtschaft? 

Mein Vater führt einen kleinen Nebenerwerbshof in Freienfeld – den Tommelehof. Dort bin ich immer gerne und greife ihm unter die Arme. Wir halten Villnösser Brillenschafe, die ich später einmal direkt ab Hof vermarkten möchte – aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. 

In jungen Jahren war ich auch oft auf dem Betrieb meiner Tante, die Legehühner hält. Sie war es auch, die mir eine Braunviehkalbin geschenkt hat. Seitdem bin ich begeistert vom Braunvieh – es ist meine Lieblingsrasse. Es macht mir sehr viel Spaß, bei den Versteigerungen dabei zu sein und mit Züchtern zu reden. 

Meine Sommer habe ich bisher auf verschiedenen Almen verbracht. 2019 war ich sogar in der Schweiz. Dort habe ich auf einer Milchviehalm mitgearbeitet. Jeden Tag sind wir um halb drei Uhr morgens aufgestanden – es war anstrengend, aber auch ein tolles Erlebnis für mich. Und genau diese Leidenschaft und diesen Einsatz, den die Bäuerinnen und Bauern erbringen, möchte ich über die sozialen Medien vermitteln. 

Was wünschen Sie sich von den Konsumentinnen und Konsumenten, bzw. was raten Sie ihnen?

Es wäre gut, wenn die Kundinnen und Kunden mehr Interesse an den Lebensmitteln hätten, die sie kaufen. Sie sollten kritisch hinterfragen, woher diese stammen, und sich informieren. Zur Not kann man im Internet vieles nachlesen und sich schlaumachen. Und noch besser wäre es, wenn die Bevölkerung direkt bei den Landwirtinnen und Landwirten anklopfen und nachfragen würde. So könnte man viele Missverständnisse vermeiden und eine höhere Akzeptanz bei der Bevölkerung erzielen. 

Ein weiterer Wunsch, den ich habe, ist, dass die Arbeit in der Landwirtschaft wertgeschätzt wird. Einfach mal dem Bauern oder der Bäuerin „Danke“ sagen. Das wäre schon ein gewaltiger Schritt nach vorne. 

Sind es auch die Konsumentinnen und Konsumenten, die Sie zu den Themen für Ihre Facebook- und Instagram-Seite inspirieren?

Ja, vielfach greife ich Themen auf, die aus der Bevölkerung stammen. Wenn mir eine Idee kommt, dann schreibe ich sie natürlich immer sofort auf, um später etwas daraus zu machen. 

Aber viel Input hole ich mir auch in der Schule. Im Moment besuche ich die vierte Klasse der Fachoberschule Fürstenburg. Im Unterricht unterhalten wir uns oft über das Verhältnis der Bevölkerung zur Landwirtschaft. Wir befassen uns zudem mit Themen wie die Europäische Agrarpolitik. Diese Inhalte greife ich dann auf, um Posts für meine Seiten vorzubereiten. 

Können Sie mir bitte kurz erklären, wie ihre Facebook- und Instagram-Seiten aussehen? 

Die beiden Seiten sind ähnlich aufgebaut. Es gibt einen Informationsbereich, in dem kurz beschrieben ist, was das Ziel meiner Seite ist und wen ich erreichen möchte. Dann gibt es einen Bereich, wo alle Posts, die ich bisher erstellt habe, aufgelistet sind – die sogenannte Chronik. Jede Woche habe ich andere Themen, die ich erkläre. Es sind immer Kombinationen aus Bildern und Texten. Die Bilder stelle ich selbst zusammen, und auch die grafische Gestaltung mache ich selbst. Die Post bereite ich vor und veröffentliche sie dann in regelmäßigen Abständen. Passend zu den Posts gibt es auch Storys, die das jeweilige Thema noch nochmal aufgreifen. Storys sind für 24 Stunden sichtbar und verschwinden dann – ähnlich wie beim Status auf WhatsApp. Bisher habe ich zum Beispiel über das Genossenschaftswesen, Südtiroler Betriebe oder EU -Lebensmittelsicherheit berichtet. Für die Zukunft plane ich unter anderem Themenwochen über Obstbau, Viehhaltung und Forstwirtschaft. Aber auch Interviews sind geplant!

Klingt nach viel Arbeit. Können Sie die sozialen Medien und die Schule gut vereinen?

Ich muss schon sagen, dass ich einiges an Zeit brauche, um meine Seiten in den sozialen Medien zu betreuen. Besonders jetzt – am Semesterende in der Schule – ist es eine Herausforderung für mich, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber zum Glück ich bin recht geschickt beim Organisieren und Planen. Demnächst stehen auch die Wahlen für die Bezirksvertretung der Südtiroler Bauernjugend an. Da habe ich mich aufstellen lassen. Außerdem bin ich bei den Braunvieh-Jungzüchtern Pustertal, dem Südtiroler Haflinger- und Noriker­zuchtverein und den Schützen dabei. Langweilig wird mir so schnell also nicht (lacht). 

Aber ich muss schon sagen, dass das alles ohne meine Familie und Freunde nicht möglich wäre. Sie unterstützen mich und sagen mir auch ihre ehrliche Meinung. Das ist mir sehr wichtig und hilft mir weiter.  

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? 

Pläne habe ich viele, dann muss ich schauen, was sich alles umsetzen lässt. Mein Traum wäre, am Tommelehof eine Direktvermarktung zu starten: die Schafe am Hof zu halten, dort zu schlachten und dann an die Kunden zu bringen ... das würde mir schon sehr gut gefallen. Auch könnte ich mir vorstellen, vom Aussterben bedrohte Rassen zu halten. Oder Hühner – wer weiß? Und falls es mit der Landwirtschaft nicht klappt, habe ich auch einen Plan B – Mechanikerin oder Lastwagenfahrerin zu werden.  

Soziale Medien als Kommunikationsmittel

Immer mehr Bäuerinnen und Bauern entscheiden sich dazu, sich selbst und ihren Betrieb in sozialen Medien – wie Facebook und Instagram – zu zeigen: eine tolle Sache, denn richtig angewandt, kann man viele Personen erreichen. Um Landwirtinnen und Landwirten eine Hilfestellung in Sachen soziale Medien für den Hof zu bieten, hat der „Südtiroler Landwirt“ eine Gruppe auf Facebook gegründet.
Dort können Interessierte Fragen zum Thema stellen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. 
Auch erwarten die Gruppenmitglieder immer wieder Tipps und Tricks vom „Südtiroler Landwirt“-Redaktionsteam, wie sie ihre Facebook- und Instagram-Seiten sinnvoll nutzen können. Interessierte finden die Gruppe auf Facebook unter dem Namen „Soziale Medien für deinen Hof“ oder unter http://bit.ly/sbb-gruppe.
Die Gruppe ist privat. Das bedeutet, dass alle Mitglieder zur Gruppe zugelassen werden müssen. So wird sichergestellt, dass ein geschützter Raum entsteht, wo alle ihre Fragen und Ideen einbringen können.