Politik | 22.01.2021

Onlinediskussion über "LandWIRtschaft 2030"

Über 700 Südtirolerinnen und Südtiroler haben am Donnerstag auf Einladung von Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler im Internet beim Webinar über die Zukunft der Landwirtschaft mitdiskutiert. Mit dabei war auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler. von LPA und Bernhard Christanell

Blick ins Studio mit (v.l.) Gauly, Schuler, Steinegger, Bauhofer, Tiefenthaler: Über 700 Südtirolerinnen und Südtirol diskutierten mit ihnen und 3 Online-Gästen über die Zukunft der Landwirtschaft. (Foto: LPA)

Blick ins Studio mit (v.l.) Gauly, Schuler, Steinegger, Bauhofer, Tiefenthaler: Über 700 Südtirolerinnen und Südtirol diskutierten mit ihnen und 3 Online-Gästen über die Zukunft der Landwirtschaft. (Foto: LPA)

Von Klimaschutz bis zur Produktion und Produktionsumstellung, von Pflanzenschutzmitteln bis Bio, von der Marktnachfrage bis zu wirtschaftlichen Aspekten der Landwirtschaft: Es war eine Fülle an Themen und Fragen, die am 23. Jänner abends im Webinar "LandWIRtschaft 2030 - Im Dialog mit der Bevölkerung" auf die Diskussionsteilnehmer zukamen. Der Landesrat für Landwirtschaft Arnold Schuler hatte zu diesem Online-Austausch zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung eingeladen und mehr als 700 Südtirolerinnen und Südtiroler waren der Veranstaltung auf der Plattform Zoom sowie den offiziellen Kanälen des Landes Südtirol auf  YouTube und Facebook gefolgt.

Weit über 100 Fragen für die Diskussionsteilnehmer
So hatte die Bevölkerung breits im Vorfeld weit über 100 Fragen über die E-Mailadresse landwirtschaft-agricoltura2030@provinz.bz an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde im Studio der Messe Bozen geschickt. Auf die Fragen antwortete demnach nicht allein Landesrat Schuler:

Auch Professor Matthias Gauly von der Freien Universität Bozen als Sprachrohr für die Wissenschaft, der Obmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler als Sprachrohr für die Landwirtschaft und die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol Gunde Bauhofer als Sprachrohr für die Konsumenten waren live in der Messe Bozen dabei. Moderator Guido Steinegger, Chefredakteur des Landespresseamtes, hatte die zuvor eingegangenen Fragen der Bürgerinnen und Bürger gesammelt und in gebündelter Form an die Diskussionsteilnehmer gerichtet. Von zuhause aus mitdiskutiert haben per Direktschaltung zudem Sternekoch Herbert Hintner als Vertreter des Gastgewerbes, Andrea Ladurner als Vertreterin der bäuerlichen Familienbetriebe und Daniela Magi als Vertreterin der Konsumenten. 

Hohe Erwartungen an die Landwirtschaft
Was sich vor allem zeigte: Die Erwartungen der Bevölkerung an die Landwirtschaft sind groß - entsprechend auch die Herausforderungen: Dass die Themen Klima, Boden, Wasser, Artenvielfalt und Beziehung zu den Konsumenten zentrale Themen für die Bauern sind, das hatten letztere bereits im vergangenen Jahr in Diskussion mit Landesrat Schuler festgestellt: Damals hatte er zu einer vierteiligen Webinarreihe mit Obstbau, Milchwirtschaft, Zu- und Nebenerwerb und mit dem Weinbau eingeladen. Die Ergebnisse waren in die gestern der Bevölkerung vorgestellten Ideen des Landesrates eingeflossen.
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler unterstrich die Kooperationsbereitschaft der Landwirtschaft: „Unsere Bäuerinnen und Bauern haben bereits in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bewiesen, dass sie naturnah und verlässlich gesunde Lebensmittel produzieren können und wollen. Sie haben sich auch immer wieder an neue Herausforderungen angepasst und ihre Produktionsweise umgestellt. An dieser Bereitschaft hat sich nichts geändert, aber jede Umstellung hat auch ihre natürlichen Grenzen.“ 

Auch Verbraucher in der Pflicht
Dass es viele viele Baustellen gibt, dass man sich dessen aber auch bewusst sei, bestätigte Professor Gauly: Die Zukunft hänge aber auch davon ab, was die Verbraucherinnen und Verbraucher schlussendlich wollen und wofür sie sich entscheiden. Dazu kristallisierte sich im Lauf der gestrigen Veranstaltung eine klare Richtungsangabe herauskristallisiert: 85 Prozent der Teilnehmer gaben bei einer Umfrage an, dass sie bereit wären für höhere Standards auch tiefer in die Tasche zu greifen. Gunde Bauhofer und Daniela Magi als Konsumentinnen betonten, dass ihnen die Transparenz bei den heimischen Produkten sehr wichtig sei. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler rief auch dazu auf, Begriffe wie Regionalität und Nachhaltigkeit genauer zu definieren: „Jeder stellt sich darunter etwas anderes vor. Wie weit darf ein Produkt zum Konsumenten unterwegs sein, um als regional zu gelten? Nachhaltigkeit heißt für uns auch, dass unsere Höfe auch in 100 Jahren noch existieren und Lebensmittel produzieren können.“
Das Fazit von Landesrat Schuler: „Es ist mir wichtig, dass die Bevölkerung ihre Anliegen und Erwartungen an die Landwirtschaft vorbringen kann.“ Auf Grundlage der Ergebnisse aus den Gesprächen zunächst mit den Bäuerinnen und Bauern sowie unterschiedlichen Interessensvertretern, nun aber auch mit der Südtiroler Bevölkerung will der Landesrat nun ein Zukunftskonzept mit konkreten Maßnahmen erarbeiten. "Ein solches Konzept lässt sich nämlich nur gemeinsam erarbeiten und umsetzen", erklärt Schuler. Er wird das definitive Konzept in den nächsten Monaten vorstellen.