Südtiroler Landwirt, Produktion, Markt | 21.01.2021

Obstmarkt: neue Chancen nutzen

Corona hat unser Konsumverhalten verändert: Gesundheit und Nachhaltigkeit sind in den Vordergrund gerückt. Eine Chance für den heimischen Apfelanbau, wie bei der diesjährigen Obstbautagung deutlich wurde. Entscheidend werden aber die Weichen, die es jetzt zu stellen gilt.

Welche sind die Sorten, auf die man künftig setzen soll? Die Entscheidung wird zukunftsweisend. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Welche sind die Sorten, auf die man künftig setzen soll? Die Entscheidung wird zukunftsweisend. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Europa ist im Umbruch. Was das für die heimische Obstwirtschaft bedeuten und wie darauf gut reagiert werden kann, erörterte Helwig Schwartau bei der heurigen Obstbautagung: Der Experte der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) suchte nach Antworten auf die Frage, wie der Apfelmarkt auf Corona, den Wunsch nach mehr Regionalität und die Umstellung auf Clubsorten bzw. Bioäpfel reagieren wird. Sichere Aussagen könne er zwar nicht treffen, meinte Schwartau, anhand aktueller Zahlen wagte er trotzdem einen Ausblick. Eines vorweg: Die Entwicklungen könnten der heimischen Obstwirtschaft in die Hände spielen. Falls man imstande ist, nun die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

An die 550 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten von ihren Bildschirmen aus den Vorträgen der diesjährigen Obstbautagung, die auf Zoom abgehalten wurde. Dazu gab es die Möglichkeit, über Chat Fragen zu stellen und untereinander zu kommunizieren. 

Apfelmarkt durch die Pandemie eher im Vorteil

Stefan Pircher, Obmann des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS), stellte in seinen Grußworten fest, dass 2020 privat wie gesellschaftlich herausfordernd war, für die Bauern sei es aber abgesehen von einigen Schwierigkeiten mit den Erntehelfern doch ein gutes Jahr gewesen. Schließlich habe man ohne nennenswerte Einschränkungen arbeiten können. Für die Vermarktung sei die Pandemie eher von Vorteil gewesen.

Dies bestätigte auch Helwig Schwartau: Seit Jahren befindet sich der Binnenmarkt für Äpfel nun schon in einem mehr oder minder starken Ungleichgewicht, weil einer Überproduktion ein rückläufiger Konsum gegenübersteht. In den Jahren 2018 und 2019 sei der Apfelkonsum innerhalb Europas jährlich um 150.000 Tonnen zurückgegangen. Das entspricht einem Minus von 2,5 Prozent pro Jahr, bedingt durch die starke Konkurrenz exotischer Früchte, von Beeren im Allgemeinen und Strauchbeeren, vor allem Heidel- und Himbeeren, im Besonderen. 

Bezogen auf die Umsätze zeigt sich aber ein differenzierteres Bild, wie Helwig Schwart­au darlegte: Denn die seien im Steigen begriffen, was damit erklärt werden kann, dass der Lebensmitteleinzelhandel verstärkt hochpreisige Äpfel sprich Club-Sorten und Bioware – ins Sortiment aufnimmt und die Kunden auch dazu bereit sind, für gehobene Qualität mehr zu bezahlen. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass für Standardsorten der Markt eng wird. 

Diese Tendenz werde durch den fehlenden russischen Markt noch verstärkt: Polen, der größte europäische Apfelproduzent, könne seine Äpfel – aus dem niedrigen Qualitäts- und Preissegment – nicht mehr nach Russland liefern und drücke deshalb verstärkt auf den europäischen Markt. Um dadurch nicht unter stärkeren (Preis-)Druck zu geraten, sei es laut Schwartau noch wichtiger, Äpfel im Hochpreissegment anzubieten.

Andererseits werden durch die Pandemie weniger Überseeäpfel nach Europa geliefert, wodurch mehr Potenzial für hiesige Äpfel entstanden ist. Auch der Trend nach mehr Regionalität spiele dem in die Hände.

Helwig Schwartau ging dann auf den Apfelmarkt im Jahr 2020 ein: Die Absatzzahlen zeigen einen markanten Peak im März, also im Zeitraum des ersten Lockdowns. Zu erklären mit einer stärkeren Besinnung der Konsumenten auf Gesundheit, Regionalität und Nachhaltigkeit. Dann sei der Hype aber wieder abgeflacht. So abgeflacht, dass sich unterm Strich ein Minus breitmacht? Nein: Für den deutschen, französichen und italienischen Apfelmarkt könne im Jahr 2020 ein Umsatzplus verzeichnet werden: Zwischen Januar und November in Italien ein Plus von 4,6 Prozent. Schwartau resümierte: „Ja, es hat einen Corona-Effekt gegeben, aber nicht so stark, wie ursprünglich gedacht!“

Den ganzen Bericht lesen Sie ab Freitag in der neuen Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ oder online auf „mein SBB“.