Südtiroler Landwirt, Innovation | 21.01.2021

Mut zur Veränderung lohnt sich

Die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie hat über die Jahre viele Betriebe bei der Umsetzung eines ­innovativen Vorhabens begleitet. Durch das aktuelle Projekt INNOKompass sollen diese Betriebe, die eine ­Vorreiterrolle für die innovative Südtiroler Landwirtschaft spielen, vorgestellt werden. von Werner Micheletti

Wer eine gute Idee hat und Hilfe bei der Umsetzung braucht, ist bei der Abteilung Innovation & Energie richtig. Foto: Shutterstock

Wer eine gute Idee hat und Hilfe bei der Umsetzung braucht, ist bei der Abteilung Innovation & Energie richtig. Foto: Shutterstock

Ob durch individuelle Beratung oder im Rahmen von Projekten, die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie unterstützt Bäuerinnen und Bauern, die eine neue Idee haben und auf ihrem Betrieb umsetzen möchten. Sogar in schwierigen Zeiten, wie sie aktuell vor allem für die Vermarktung gelten, bleiben Landwirtinnen und Landwirte kreativ, ihr Mut zur Veränderung unverändert. Allein im Jahr 2020 haben 35 Betriebsleiterinnen und -leiter eine Innovationsberatung in Anspruch genommen, und viel mehr noch nahmen an Veranstaltungen und Seminaren der aktuell laufenden Projekte teil.

Der Weg von der Idee zum umgesetzten Geschäftsmodell ist jedoch nicht immer einfach, umso mehr freut es den Südtiroler Bauernbund, wenn es Südtiroler Betriebe schaffen, mit ihrem Vorhaben auf dem Markt durchzustarten. 

Gute Praxis im Steckbrief

Um die Geschichte dieser Vorzeigebetriebe allen Südtiroler Bäuerinnen und Bauern sowie Landwirtschaftsinteressierten zu erzählen, werden in den kommenden Monaten regelmäßig Steckbriefe von besonders innovativen Betrieben in den sozialen Medien des Südtiroler Bauernbundes vorgestellt. Diese Steckbriefe zeigen, was die Betriebe zu ihrem Vorhaben inspiriert hat und was ihr Schlüssel zum Erfolg ist. Damit sollen auch andere Bäuerinnen und Bauern dazu motiviert werden, sich mit deren Gedanken und Zukunftsvisionen auseinanderzusetzen. 

Um einen kleinen Rückblick auf eine erfolgreiche Betreuung der Innovationsabteilung zu geben sowie als Kostprobe für die Steckbriefe, stellen wir schon jetzt drei besonders innovative Südtiroler Betriebe ins Rampenlicht.

Mit Starthilfe zum Edelfleisch

Grasende Kühe sind am Ritten keine Seltenheit. Bei jenen von Stefan Rottensteiner in Klobenstein handelt es sich allerdings um eine ganz besondere Rasse. Der Jungbauer züchtet die ursprünglich aus Japan stammenden Wagyurinder, die bekannt sind für ihr hochwertiges Fleisch. In der gehobenen Südtiroler Gastronomie findet Stefan damit den richtigen Abnehmer. 

Für die Umsetzung seiner Idee, Wagyu­rinder zu züchten und ihr Fleisch zu vermarkten, bekam er Unterstützung von der Abteilung Innovation & Energie im Südtiroler Bauernbund. Möglich wurde die Realisierung des Vorhabens nämlich erst durch die Landesinnovationsförderung für Kleinbetriebe, dank welcher er von 2015 bis 2020 seine Fütterungs- und Mastversuche sowie die Auswertung der Fleischqualität durchführen konnte. „Dass ich für mein Vorhaben finanzielle Unterstützung erhalten konnte, war mir anfangs gar nicht klar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Innovation & Energie standen mir schließlich bei der Antragstellung für mein Innovationsprojekt zur Seite. Das war ausschlaggebend, um mit meinem Vorhaben zu starten, das heute ein funktionierendes Geschäftskonzept geworden ist!“, sagt Stefan Rottensteiner. 

Tatsächlich hält der Jungbauer mittlerweile rund 160 Rinder, und die Nachfrage nach dem Edelfleisch nimmt weiter zu. Die Vermarktung begrenzt sich auch nicht nur mehr auf die Gastronomie. Auch der Online-Verkauf an Privatkunden ist mittlerweile ein wichtiger Absatzkanal für Stefan Rottensteiner. 

Ein Winterlager dank Crowdfunding

Als Stefan Oberkofler vom Bergbiohof Ausserbrunner mit seiner Crowdfunding-Kampagne gestartet ist, hat er wohl kaum mit der Überraschung gerechnet, die ihn erwarten würde. Nicht nur dass sein Finanzierungsziel voll erreicht wurde, er hat sogar doppelt so viel Geld sammeln können, um sein Winterlager für Gemüse, das er direkt ab Hof verkauft, zu errichten. Seine Freude darüber bringt er auch heute noch zum Ausdruck: „Wenn ich an die Kampagne zurückdenke, stimmt mich das einfach glücklich! Ich konnte damit nicht nur das Startkapital für mein Winterlager erhalten und meinen Verkauf sichern, sondern habe damit auch mein Vorhaben bewerben können und viele neue Kundinnen und Kunden gewonnen. Das dabei entstandene Netzwerk hat auch in diesem allgemein schwierigen Jahr super funktioniert!“ 

Das Winterlager von Stefan Oberkofler umfasst einen geeigneten Erdkeller für die Kartoffeln, einen Lagerraum für das Gemüse und einen Raum für seine Landmaschinen. Heute kann der Jungbauer seine Kundinnen und Kunden fast das ganze Jahr über mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen. 

Projekte erzeugen Wissen

Ein weiterer beispielhaft innovativer Bauer ist Stefan Weisenhorn aus Matsch. Der Bauer vom Ausserglieshof ist einer der Pioniere der bäuerlichen Fischzucht in Südtirol und ein Vorzeigebeispiel für viele weitere, die sich der Fischzucht widmen möchten. Ermöglicht wurde sein Vorhaben vor allem durch die intensive Beratung während des Projektes INNOFischzucht. Der Betrieb bekam zwar keine direkte finanzielle Unterstützung, aber durch das Wissen, das im Projekt aufbereitet wurde und durch professionelle Beratung konnte Stefan Weisenhorn die nötigen Informationen erhalten, um seine Teiche richtig zu bauen und darin hochwertigen Fisch zu züchten: „Leicht war die Realisierung meiner bäuerlichen Fischzucht sicher nicht, aber durch die Beratung der Fischzuchtexperten und die Unterstützung der Bauernbund-­Abteilung Innovation & Energie hatte ich immer die richtigen Ansprechpartner für meine Fragen“, sagt Weisenhorn. 

Ein offenes Ohr für jede Idee

Das gesammelte Wissen aller von der Innovationsabteilung geleiteten Projekte wird über geeignetes Infomaterial auf der Website des Südtiroler Bauernbundes zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung stehen neben der klassischen Innovationsberatung auch für spezifische Beratung zu laufenden und abgeschlossenen Projektthemen wie der Mastgeflügelhaltung, der Bierproduktion oder – wie bei Stefan Weisenhorn – der bäuerlichen Fischzucht zur Verfügung. 

Landwirtinnen und Landwirte, die sich durch diese Beispiele inspiriert fühlen, ihre Ideen in Umsetzung zu bringen, können sich bei der Abteilung Innovation & Energie unter der Email-Adresse innovation-energie@sbb.it oder telefonisch unter der Nummer 0471 999363 melden.