Südtiroler Landwirt, Produktion | 21.01.2021

Die Landwirtschaft im (Klima-)Wandel

Unter diesem Motto stand die 14. Berglandwirtschaftstagung des BRING – Beratungsring für Berglandwirtschaft. Die Referenten der Online-Veranstaltung gaben einen Ausblick, was die Berglandwirtschaft – zwischen Klimawandel und den Wünschen der Gesellschaft – erwartet. von Anna Pfeifer

Klimaforschungen für Südtirol haben ergeben, dass in Zukunft durch die Erderwärmung weniger Wasser zur Verfügung stehen wird. Foto: Pixabay

Klimaforschungen für Südtirol haben ergeben, dass in Zukunft durch die Erderwärmung weniger Wasser zur Verfügung stehen wird. Foto: Pixabay

Der außergewöhnlich warme Sommer 2015 mit 29 Tropennächten, der Sturm „Vaia“ im Herbst 2018 und die Dauerniederschläge mit Schneechaos im November 2019 seien zwar nicht eindeutig dem Klimawandel zuzuschreiben, erklärt Marc Zebisch im Rahmen der Berglandwirtschaftstagung, sie gäben allerdings einen Vorgeschmack darauf, was Südtirol in den nächsten Jahren erwarte.

Der Klimaforscher erklärt den 400 Zuhörerinnen und Zuhörern weiter: „Die Klimamodelle für 2100 sprechen eine deutliche Sprache: die Temperaturen werden in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen. Im besten Fall – also wenn jeder Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung ergreift – werden die Durchschnittstemperaturen bis 2100 um zwei Grad Celsius ansteigen. Im schlimmsten Fall hingegen erwarten wir einen Temperaturanstieg von bis zu fünf Grad Celsius. Das heißt, das Klima in Südtirol wird sich drastisch verändern.“ 

Weniger Wasser für Landwirtschaft verfügbar

Auch wenn die Berechnungen der Eurac darauf hinauslaufen, dass der Niederschlag in Zukunft ungefähr gleich bleiben wird, wird sich die Wasserverfügbarkeit trotzdem ändern. Denn durch die erhöhten Temperaturen wird mehr Wasser verdunsten und somit nicht mehr für die Landwirtschaft verfügbar sein. Zudem ist zu erwarten, dass sich der Niederschlag vom Sommer auf den Winter verlagert – und dann nicht als Schnee, sondern als Regen fallen wird. Allerdings ist der Schnee einer der wichtigsten Wasserspeicher in Südtirol. Jedes Jahr wird dreimal so viel Wasser in Form von Schnee gespeichert, als alle künstlichen Wasserbecken in Südtirol zusammen aufnehmen können. Fällt also der Schnee weg, wird das Wasser im Sommer fehlen. 

Um mit dem Klimawandel leben und wirtschaften zu können, präsentiert Marc Zebisch zwei Lösungsansätze: Klimaschutz und Klimaanpassung. Das heißt, die gesamte Gesellschaft muss die Treibhausgasemissionen senken. 44 Prozent der Emissionen verursacht der Verkehrssektor, 36 Prozent stammen aus der Erzeugung von Wärmeenergie und 18 Prozent aus der Landwirtschaft. Somit gibt es mehrere Bereiche mit großem Verbesserungspotenzial.

 Zur Klimaanpassung müssen neue Methoden und Bewirtschaftungsmodelle etabliert werden, die mit weniger Wasser und höheren Temperaturen zurechtkommen. Die Nutzung von trockenheitsresistenten Pflanzensorten und der Einsatz neuer Kulturen sind zwei Strategien, die der Klimaforscher Marc Zebisch anspricht. 


Welche konkreten Auswirkungen der Klimawandel auf die Berglandwirtschaft hat, lesen Sie ab Freitag in der neuen Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ oder online auf „mein SBB“.