Politik | 11.12.2020

Runder Tisch statt Gerichtsstreit

Die Südtiroler Obstbauern ziehen die Klage gegen Alexander Schiebel und Karl Bär zurück. Im Gegenzug soll die Diskussion rund um Pflanzenschutzmittel sachlich und öffentlich geführt werden.

Beim Streit um die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln gibt es eine Einigung.

Beim Streit um die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln gibt es eine Einigung.

Im Gerichtsverfahren gegen Buchautor Alexander Schiebel und Karl Bär vom Verein Umweltinstitut München gibt es eine Einigung: Beide Seiten – Obstbauern und Angeklagte – wollen künftig in einen konstruktiven und respektvollen Dialog treten. Dafür wird die Klage am Landesgericht in Bozen zurückgenommen. Eine entsprechende Einigung hatten die Rechtsanwälte beider Parteien ausgearbeitet und am 27. November am Bozner Landesgericht deponiert. Formal wurde der Prozess auf den 14. Jänner 2021 vertagt, weil aufgrund der erschwerten Corona-­Situation noch einige Unterschriften für den Rückzug der Klage fehlten. Auslöser der Klage waren bekanntlich Plakate des Münchner Umweltinstituts sowie einige Aussagen in Schiebels Buch „Das Wunder von Mals“.

Runder Tisch mit Kritikern

In der Vereinbarung wird auch das weitere Vorgehen in Bezug auf die Betriebshefte festgelegt. Das Umweltinstitut München wird die Daten aus den Betriebsheften analysieren, die im Zuge der Prozessführung sichergestellt worden waren. Die Ergebnisse der Analysen sollen dem Ressort für Landwirtschaft, dem Südtiroler Apfelkonsortium und dem Südtiroler Bauernbund zur Begutachtung übermittelt werden. Auch die Obstwirtschaft wird eine entsprechende Auswertung vorbereiten. Zu allen Erkenntnissen soll dann ein sachlicher Dialog geführt werden. Diesen wird der Nachhaltigkeitsexperte Alfred Strigl moderieren. Strigl war bereits an der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie der Südtiroler Obstwirtschaft beteiligt. Die Ergebnisse der Gespräche werden gemeinsam veröffentlicht.

Sachlicher Dialog vereinbart

Den Obstbauern ist es immer um eine wissenschaftliche Debatte und einen fairen Umgang gegangen. Da dieser Weg nun beschritten wird, ziehen sie die Klage zurück. Ein erstes Einigungsangebot hatte Landesrat Arnold Schuler bereits im September vorgeschlagen, es kam dann aber nicht zustande. 

Mitunterzeichnet hatten die Klage die Vertreter der Obstwirtschaft und des Südtiroler Bauernbundes. Landesobmann Leo Tiefenthaler betont: „Gezielte Provokationen nehmen wir nicht hin. Wir scheuen auch nicht den öffentlichen und sachlichen Diskurs, da die heimische Obstwirtschaft nichts zu verstecken hat, sondern im Gegenteil im internationalen Vergleich sehr gut dasteht.“ Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, unterstreicht den Nutzen der Klage: „Nach verschiedenen verleumderischen Aussagen haben wir mit der Klage eine Grenze aufgezeigt. Andererseits ist eine außergerichtliche Einigung sicher der bessere Weg als Streitereien vor Gericht. Den Dialog mit der Gegenseite können wir als Chance nutzen, um fachlich und konstruktiv zu diskutieren – ganz im Sinne unserer Nachhaltigkeitsstrategie.“