Weiterbildung | 11.12.2020

25 Jahre Waldarbeitskurse

70 Prozent der Wälder in Südtirol sind Privatwälder, die Waldbesitzer, vorwiegend Bauern, selbst bearbeiten. Die Waldarbeit ist eine der gefährlichsten Arbeiten überhaupt. Eine gute Ausbildung ist wichtig, um ­Arbeitsunfälle zu verhindern. von Ulrike Raffl

Auch Frauen nehmen an den Waldarbeiterkursen teil. Christian Valtingoier (l.) arbeitet bei den Kursen als Instruktor und ist deren Koordinator.

Auch Frauen nehmen an den Waldarbeiterkursen teil. Christian Valtingoier (l.) arbeitet bei den Kursen als Instruktor und ist deren Koordinator.

Die Abteilung Forstwirtschaft hat vor 25 Jahren die Waldarbeitskurse ins Leben gerufen. Förster Christian Valtingoier erklärt im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“, für wen die Kurse sinnvoll sind und wie sie sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben. Christian Valtingoier ist Koordinator der 18 geprüften Waldarbeitinstruktoren Südtirols, alle vom Forstdienst oder der Agentur Landesdomäne.

Herr Valtingoier, Sie haben als Ausbilder die Waldarbeitskurse von Anfang an begleitet. Wie entstand denn die Idee dazu? 

Die Waldarbeit ist gefährlich. Fehlende Ausbildung, unzureichende Ausrüstung sowie wenig Arbeitsroutine machen sie noch gefährlicher. Der damalige Landesforstdirektor Luis Haller hat das erkannt und 1995 die Waldarbeitskurse bei uns ins Leben gerufen. Bis in die 1990er Jahre gab es in Südtirol nämlich noch keine Struktur, die solche Kurse angeboten hat. Interessierte mussten ins Ausland fahren, um sich ausbilden zu lassen.

Wer sind denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Waldarbeitskurse? An wen richtet sich dieses Angebot in erster Linie?

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind vor allem Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Bauern und Waldarbeiter. Wir haben aber auch Kooperationen mit den Feuerwehren des Landes, der Wildbachverbauung und den Fachschulen für Landwirtschaft. Die Teilnahme am Kurs wird der Junglandwirteausbildung angerechnet. Grundsätzlich können sich alle, die 18 Jahre alt ist, zu den Kursen anmelden. Es machen auch immer wieder Frauen mit. Die meisten, die zu uns kommen, haben über Bekannte, die selbst am Kurs teilgenommen haben, von den Kursen erfahren. Es freut uns, wenn die Leute uns weiterempfehlen.

Wie läuft so ein Waldarbeiterkurs ab?

Abgehalten werden die Kurse überall im Land, also vor Ort, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine allzu lange Anfahrt haben. Interessierte können sich bei den Forstinspektoraten bzw. der örtlich zuständigen Forststation melden. Die Anmeldung selbst erfolgt dann über die Website der Forstschule Latemar. Auf Anfrage werden auch Kurse für Gruppen von mindestens fünf Personen, abweichend von unserem Kurskalender durchgeführt. 

Jeder Instruktor betreut maximal sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer, damit wir auch größtmögliche Sicherheit garantieren können. Wir legen sofort los. Nach einer kurzen Einführung am ersten Kurstag arbeitet jede und jeder schon mit der Motorsäge, unter Aufsicht natürlich. 

In der Kurswoche lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das sichere Arbeiten, die wichtigsten Schnittarten, Fälltechniken und Entasten sowie die richtige Wartung der Motorsäge. Bis auf einen halben Tag, an dem wir das Feilen der Motorsägenkette üben, sind wir immer draußen. Bei jedem Wetter.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen ihre Schutzausrüstung selbst zum Kurs mitbringen, also Helm mit Gehörschutz und Visier, Schnittschutzhose, Schnittschutzschuhe und Arbeitshandschuhe. Wie wichtig ist die richtige Ausrüstung bei der Waldarbeit?

Die Schutzausrüstung ist extrem wichtig. Deswegen legen wir auch großen Wert darauf, dass alle selbst diese Ausrüstung besitzen. Lektion Nummer eins lautet nämlich: Bevor die Motorsäge angelassen wird, ist die Schutzausrüstung anzuziehen. Auch wenn man nur fünf Minuten arbeitet. Wenn man einmal gesehen hat, zu welchen Unfällen es mit einer Motorsäge kommen kann, leuchtet das jedem ein. Außerdem sind moderne Schnittschutzhosen und Schutzhelme komfortabel, das hat nichts mehr zu tun mit den schweren, steifen Schnittschutzhosen von früher. 

Seit 1995 haben über 15.000 Menschen die Waldarbeitskurse besucht. Wie haben sich die Kurse im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

In den letzten Jahren wurde das Angebot ständig ausgebaut. Neben dem Grundkurs gibt es einen Aufbaukurs, einen Durchforstungskurs und einen Kurs für den Umgang mit dem Freischneidegerät. Daneben werden halbtägige Theoriekurse für die Handhabung der Motorsäge angeboten. 

2015 hat die Forstschule Latemar ein illustriertes Handbuch für die Hosentasche mit den Grundlagen des sicheren Arbeitens im Wald und der Arbeit mit der Motorsäge herausgebracht. Wir haben es mittlerweile schon einmal überarbeitet und neu aufgelegt. 

Besonders froh bin ich, dass es uns gelungen ist, nach den Windwurf- und Schneedruckschäden im Herbst 2018 und 2019 kostenlose Schulungstage in den betroffenen Gebieten anzubieten. Die Arbeit auf diesen Schadflächen ist um ein Vielfaches schwieriger und gefährlicher als bei der normalen Holzernte. In den letzten beiden Jahren haben 170 Waldbesitzer, Feuerwehrleute und Waldarbeiter an diesen Schulungen teilgenommen. Ich bin mir sicher, auf diese Weise wurde der eine oder andere Unfall verhindert.

Sind seit der Einführung der Kurse die Unfälle tatsächlich zurückgegangen?

Welchen Anteil die Waldarbeitskurse für die Verbesserung des Unfallgeschehens bei der Arbeit im Wald haben, ist schwer zu quantifizieren. Ich bin aber überzeugt, dass die Kurse und die Etablierung der modernen persönlichen Schutzausrüstung einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Unfällen leisten.