Südtiroler Landwirt | 10.12.2020

Sechs Köpfe, zwölf Hände, ein Team

Fünf Frauen und ein Mann bringen alle 14 Tage den „Südtiroler Landwirt“ heraus. So verschieden diese sechs und ihre Geschichten auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: den Ansporn, Informatives und Unterhaltsames auf Südtirols Bauernhöfe zu bringen. von Renate Anna Rubner

Die Redaktion vom „Südtiroler Landwirt“ in der Zentrale des Südtiroler Bauernbundes in Bozen

Die Redaktion vom „Südtiroler Landwirt“ in der Zentrale des Südtiroler Bauernbundes in Bozen

Alle zwei Wochen kommt der „Südtiroler Landwirt“ ins Haus, 23-mal im Jahr. Egal ob es heiß ist oder eiskalt, ob es schneit oder regnet, ob Lockdown oder nicht. Und er ist immer derselbe. 

Dabei hat er sich hinter den Kulissen fast rundum erneuert: Zum Ende dieses besonderen Jahres möchten wir, das Team vom „Südtiroler Landwirt“, deshalb auch etwas besonderes tun: uns vorstellen. In der Hoffnung, dass wir als Team noch lange für Sie – unsere Leserinnen und Leser – da sein werden, sichtbar alle zwei Wochen mit einer neuen Ausgabe der Zeitschrift „Südtiroler Landwirt“.

Elke: die Längstgediente

Die Redaktion der größten Zeitschrift über Landwirtschaft unseres Landes hat ihre Büros im fünften Stock des Südtiroler Bauernbundes in Bozen. Gleich am Eingang sitzt Elke Wohlgemuth vor zwei Bildschirmen. Elke hat nämlich zwei Stellen, sie ist teils in der Verwaltung tätig und kümmert sich seit Jänner 2020 zusätzlich um die Sekretariatsarbeiten im Südtiroler Landwirt, macht die Postmeldung, holt Kostenvoranschläge ein, koordiniert den Tiroler Bauernkalender und ist für die Kinderseite verantwortlich.

Elke ist Jahrgang 1976 und gebürtige Kaltererin. Nach der Matura an der Handelsoberschule in Bozen hat sie sich beim Südtiroler Bauernbund, damals noch unter der Führung von Direktor Thomas Widmann, beworben. Ihre Eltern hatten ihr das nahegelegt, der Bauernbund sei ein zuverlässiger, seriöser Arbeitgeber. Und recht hatten sie: Immerhin ist Elke dem Bauernbund treu geblieben, war später Direktionssekretärin unter Herbert Dorfmann und wechselte dann in die Verwaltung. Im Bauernbund hat sie übrigens auch ihren Mann kennengelernt. Mit ihm hat sie zwei Kinder, Lena Marie (inzwischen 14) und Felix (zwölf Jahre alt), und lebt nach wie vor in Kaltern. Nachdem Ende 2019 die Teilzeitstelle als Sekretärin beim „Südtiroler Landwirt“ frei wurde, hat sich Elke dafür beworben, aus jeweils 40 Prozent wurde so eine Beinahe-Vollzeitstelle. 

Elkes Mutter stammt von einem Bergbauernhof im Latzfonser Tinnetal (Gemeinde Klausen). Auf diesem Hof haben Elke und ihre jüngere Schwester einen Großteil ihrer Kindheit verbracht: unzählige Wochenenden und die Sommerferien. Und mit ihren Cousins und Cousinen gespielt. „Ich war immer voll gerne bei Oma und Opa am Hof, da wurde es nie langweilig“, erzählt Elke. Seit Kindertagen weiß sie so auch, wie schwer die Arbeit auf einem Bergbauernhof ist. 

Als gebürtige Kaltererin ist ihr aber auch der Weinbau nahe, wie sollte es anders sein: Wie viele Familien in Kaltern haben auch ihre Eltern ein kleines Weingut. Das bewirtschaftete ihr Vater, der bis zu seiner Pensionierung Bankangestellter war, lange Jahre selber und lieferte den Vernatsch an die Kellerei Erste + Neue. Seit ein paar Jahren ist die Fläche verpachtet. Die Eltern werden schließlich nicht jünger. Hin und wieder fährt Elke mit ihrer Familie noch auf den Bergbauernhof in Latzfons. Den bewirtschaftet nun der Onkel mit seiner Familie. Und gerne denkt sie zurück an ihre Ferienzeit im Tinnetal.

Katja: die ganz Frische

Im Büro gleich daneben hat Katja Ebner ihren neuen Arbeitsplatz. Sie ist ganz frisch beim „Südtiroler Landwirt“ und hat erst im Oktober von Andreas Egger, der zum Bäuerlichen Notstandsfonds gewechselt ist, die Anzeigen- und Kundenberatung übernommen. Wenn also jemand eine Kleinanzeige aufgeben oder ein Werbekunde eine Annonce schalten möchte, erstellt Katja Angebote und Werbepakete, hilft bei der Ausarbeitung der Anzeigen und berät beim Online-Marketing. 

Mit Landwirtschaft hatte Katja bisher nicht viel am Hut. Sie ist Jahrgang 1993, in Meran aufgewachsen und hat dort die Fachoberschule für Soziales (FOS) besucht. Nach der Matura dort hat sie nach einem Bachelor in „Europäischer Ethnologie“ einen Master in „Medien“ absolviert und dann in einer Werbeagentur gearbeitet. Durch Corona hat sie ihren Job dort verloren, also hat sie sich auf verschiedene Stellenangebote beworben und sich schließlich für den „Südtiroler Landwirt“ entschieden. „Ich habe eigentlich nur Gutes vom Bauernbund gehört“, sagt Katja, was aber den Ausschlag gab für ihre Wahl, war die Tatsache, dass beim Bauernbund viele schon seit Langem arbeiten. „Das sagt einiges darüber aus, wie ein Betrieb mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgeht“, sagt Katja. 

Obwohl Katja kaum landwirtschaftliche Kenntnisse hat, ist sie stolz darauf, wie weltumspannend Südtiroler Äpfel und Wein vermarktet werden und wie bekannt diese Produkte unser Land international machen. Sie findet, dass Bäuerinnen und Bauern eine gute Arbeit machen, und freut sich darauf, mehr darüber zu erfahren. 

Katja lebt mit ihrem Freund zusammen, spielt im Volleyballverein und liebt neben ihrem Hund das Wandern, Klettern und alles, was sie in der freien Natur machen kann.  

Ulrike: die Gemüsegärtnerin

Die grafische Gestaltung vom „Südtiroler Landwirt“ ist seit Juli 2019 Aufgabe von Ulrike Cassar aus Penon, Kurtatsch. Ulrike ist Jahrgang 1987 und eine passionierte Gärtnerin: Gemeinsam mit dem Onkel bearbeiten die Eltern einen kleinen Wein- und Obsthof, wo sie mithilft, so oft sie kann. Ihre wahre Leidenschaft sind aber besondere Gemüsesorten und alles, was grünt und blüht: Deshalb kommen bei Familie Cassar schon mal violetter Blumenkohl, gelbe Zucchini und schwarze Bohnen auf den Tisch. Daneben wird eingekocht und verarbeitet, was der Garten hergibt: Tomatensoße, Marmeladen, und heuer probiert sie sogar, die eigenen Oliven einzulegen.

Ulrike ist gemeinsam mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder aufgewachsen, hat nach der Mittelschule in Tramin zunächst das Gymnasium „Walther von der Vogelweite“ in Bozen besucht und ist dann in die Landesberufsschule für Handel und Grafik gewechselt. Nach ihrem Abschluss hat sie zunächst in einer Werbeagentur, einem Reisebüro und dann kurz im Medienhaus Athesia gearbeitet, bevor sie die Stelle beim „Südtiroler Landwirt“ angetreten hat.

 Für Ulli, wie wir sie nennen, sind Landwirtschaft und Garten ein idealer Ausgleich zu ihrer Arbeit am Computer. „Da gibt es immer etwas zu tun, zu richten oder zu ernten“, sagt Ulli, der so nie langweilig wird. Schon als Kind fand sie es schön, auf einem Hof aufzuwachsen: „Ich hatte eine schöne Kindheit“, sagt sie. Immer sei Leben am Hof gewesen, viele Tiere und Kinder aus der Verwandtschaft und Schulfreunde. „Nichts davon möchte ich missen“, schwärmt Ulli.

Bernhard: der Musiker

Bernhard Christanell ist seit Juli 2019 neuer Chefredakteur vom „Südtiroler Landwirt“ und inzwischen der einzige Mann im Team. Er ist Jahrgang 1978 und lebt seit Kindertagen in Algund. Nach der Matura am Realgymnasium in Meran hat Bernhard Publizistik und Kommunikationswissenschaften mit Nebenfach Geschichte an der Universität Salzburg studiert. Bald danach trat er eine Stelle beim Landespresseamt an und wechselte im Sommer 2004 zum „Südtiroler Landwirt“, wo er den damaligen Chefredakteur Guido Steinegger unterstützte, bis dieser im letzten Jahr ins Landespresseamt berufen wurde.

Bernhard ist passionierter Musiker, er spielt Querflöte bei der Algunder Musikkapelle und engagiert sich dort auch ehrenamtlich: So leitet er die Jugendkapelle und ist seit 2003 Vorstandsmitglied. Früher spielte Bernhard auch Theater, dieses Hobby hat er inzwischen aber an den Nagel gehängt. Gerne geht er zwischendurch zum Kegeln und ist viel draußen unterwegs: Auf den Waalwegen rund um Algund ist er jetzt im Winter häufig anzutreffen, wenn er nicht gerade übt oder arbeitet. 

Bernhards Eltern stammen beide von Bergbauernhöfen der Algunder Bergfraktion Aschbach. Trotzdem ist Bernhard eigentlich erst durch seine Arbeit beim „Südtiroler Landwirt“ der Landwirtschaft nähergekommen. Heute sagt er von sich: „Ich kenne mich wohl besser bei Viechern aus als so mancher Obstbauer im Land und besser bei Äpfeln als so mancher Viehbauer.“ Vor allem eines hat seine Arbeit für die Landwirtschaft aber bewirkt: „Ich bin ein richtiger Lokalpatriot geworden“, sagt Bernhard. Früher sei ihm eher egal gewesen, woher die Produkte in seinem Kühlschrank kommen, das habe sich aber grundlegend geändert. 

Anna: die Bergbäuerin

Am Spörlhof in Deutschnofen lebt Anna Pfeifer (Jahrgang 1995) mit ihrem Freund, der Oma und der restlichen Familie: Ihre Eltern führen den Milchviehbetrieb mit 16 Kühen und Jungvieh der Rasse Grauvieh, zwölf Hektar Wiesen und über 100 Hektar Wald im Vollerwerb. Auch eine Eigenjagd gehört zum Hof. Anna hat drei jüngere Schwestern, die noch in der Ausbildung sind. 

Nach der Matura im Realgymnasium, Bozen hat Anna an der Freien Universität Bozen Landwirtschaft studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Das war im Jahr 2017. Im selben Jahr, noch bevor sie fertig studiert hatte, nahm sie eine Arbeit beim Südtiroler Bauernbund an, in der Abteilung Energie & Innovation, und wechselte im November 2019 zum „Südtiroler Landwirt“. Neben der redaktionellen Arbeit für die Printausgabe widmet sich Anna vorwiegend dem Internet-Auftritt vom „Südtiroler Landwirt“, der Webseite und den Social-Media-Kanälen Instagram und Facebook. 

Anna macht ihre Arbeit sichtlich Spaß, ihr Traumberuf aber ist Bergbäuerin: So vergeht kein Tag, wo sie nicht in den Stall zum Füttern geht. Abends immer, wenn sie von zu Hause arbeitet und nicht nach Bozen ins Büro muss, auch am Morgen. Anna ist überzeugt, dass die Landwirtschaft die Grundlage für Südtirols Wohlstand bildet. „Gäbe es die Landwirtschaft nicht, hätten wir unsere gepflegte Landschaft nicht und auch nicht unsere hochwertigen Produkte. Das alles aber ist die Basis für den Tourismus, der vielen Menschen Arbeit und Einkommen garantiert.“

Die Tiere liegen Anna sehr am Herzen. Sie ist aber auch passionierte Jägerin, was für sie keinen Widerspruch darstellt. Diese Leidenschaft teilt sie mit ihrem Freund, der als Jagdaufseher arbeitet. Gemeinsam ziehen sie gerade ein Reh auf, das als Kitz seine Mutter bei einem Verkehrsunfall verloren hat.

Renate Anna: die Angekommene

Ganz hinten im letzten Büro beim „Südtiroler Landwirt“ sitze ich: Mein Name ist Renate Anna Rubner, ich komme aus Kiens im Pustertal und bin Jahrgang 1969. Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie, landwirtschaftlichen Bezug hatte ich eigentlich keinen. Trotzdem wollte ich bereits als Kind Gärtnerin werden und hatte immer mein eigenes Beet im Gemüsegarten meiner Mutter.

Nach der Matura am Realgymnasium in Bruneck habe ich in Innsbruck aber zunächst Pharmazie und dann Biologie studiert, letztendlich habe ich mich dann aber doch für das Studium der Gartenbauwissenschaften an der Technischen Universität München, Weihenstephan, entschieden und im Jahr 1998 abgeschlossen. 

Nach drei Jahren als Lehrerin für Phytopathologie und Schädlingsbekämpfung an der Oberschule für Landwirtschaft in Auer habe ich beim Südtiroler Bauernbund angefangen. Das ist nun fast 20 Jahre her. Ursprünglich waren die Arbeitskreise und die Südtiroler Gärtnervereinigung mein Aufgabenbereich, seit 2012 arbeite ich nun beim „Südtiroler Landwirt“ als Redakteurin. 

Im Bauernbund habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Gemeinsam haben wir drei Kinder: Magdalena ist 15, Jakob zwölf und Benedikt zehn Jahre alt. Wir leben in Neumarkt, in unserem Garten gibt es das ganze Jahr über viel zu tun. Im Haushalt natürlich auch. In der wenigen Freizeit, die dann noch bleibt, bin ich am liebsten draußen unterwegs: am Berg beim Wandern – vorzugsweise in „meinem“ Pustertal natürlich – oder beim Joggen. 

Das Recherchieren und Schreiben macht mir Freude, ich kann mir aber nicht vorstellen, für eine andere Zeitschrift zu arbeiten als den „Südtiroler Landwirt“. Denn, und da bin ich mir sicher, in der Landwirtschaft bin ich angekommen, sie ist mein Lebensthema.