Produktion | 10.12.2020

PinotBlanc: Ergebnisse vorgestellt

Die Stilistik des Weißburgunders vor dem fortschreitenden Klimawandel zu bewahren, war das Ziel des EFRE-Projekts PinotBlanc. Die entsprechendenen Forschungsergebnisse wurden kürzlich vorgestellt. von Julia Rizzo, Franziska Maria Hack

Wie kann die Stilistik des Weißburgunders trotz Klimawandel erhalten bleiben? Dieser Frage ging das EFRE-Projekt PinotBlanc nach.

Wie kann die Stilistik des Weißburgunders trotz Klimawandel erhalten bleiben? Dieser Frage ging das EFRE-Projekt PinotBlanc nach.

Der Weißburgunder (Pinot blanc), eine Leit­sorte Südtirols, leidet unter dem Klimawandel. Zu den Hauptfaktoren, die den Säuregehalt von Most und Wein beeinflussen, gehört auch die Lufttemperatur. In den Alpen stieg die Durchschnittstemperatur zwischen 1920 und 2010 um 1,9 Grad Celsius, wodurch sich der Reifebeginn der Trauben von 1980 bis 2010 um durchschnittlich zwei bis drei Wochen vorverlegt hat. Das Forscherteam des Versuchszentrums Laimburg ging von der Annahme aus, dass sich durch die höheren Temperaturen der Alkoholgehalt erhöhen und das sortentypische frische, blumige Aroma verflüchtigen könnte. Zudem könnte der Säuregehalt abnehmen, der wesentlich für die Stilistik des Weißburgunders ist, da er mit dem sensorischen Eindruck der Frische einhergeht.

„Im Projekt PinotBlanc haben wir untersucht, wie die Qualität des Weißburgunders gesteigert und diese Rebsorte im alpinen Weinbau gefördert werden kann“, erklärte Florian Haas, Leiter der Arbeitsgruppe Physiologie und Anbautechnik am Versuchszentrum Laimburg und Koordinator des Projekts. „Insbesondere wollten wir untersuchen, ob man diese Rebsorte in höheren und frischeren Lagen anbauen kann, also Lagen, die klimatisch besser geeignet sind, um die Stilistik dieses Weins zu erhalten.“ 

Das Projekt PinotBlanc wird vom Europäi­schen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung 2014–2020“ finanziert. 

Vom Feld ins Labor 

Das Forscherteam analysierte acht Par­zellen in verschiedenen Höhenlagen zwischen
200 und 700 Meter ü. d. M. in vier Südtiroler Gemeinden (Eppan, Tramin, Nals und Terlan). Drei Saisonen lang sam­melten sie Daten über die Luft- und Bodentemperatur, die Eigenschaften und Zusammensetzung des Bodens, der Blätter und Trauben sowie die Wachstumsdynamik der Rebe.  

Im Versuchskeller des Versuchszentrums Laimburg wurden die Trauben aus den drei Ernten dann mikrovinifiziert. Daraus gewannen die Forscher des Bereichs Önologie unter der Leitung von Ulrich Pedri 140 Versuchsweine, die daraufhin sensorisch analysiert wurden, um verschiedene Verbindungen zu ergründen, die die Weinqualität bedingen.

Im Labor für Aromen und Metaboliten des Versuchszentrums Laimburg unter der Leitung von Peter Robatscher wurden jene aromatischen Komponenten analysiert, welche die Komplexität, das Aroma und den Geschmack dieses Weißweins charakterisieren. Das Aromaprofil wurde im Anschluss den phänologischen, agronomischen und meteorologischen Daten in Bezug auf die Höhe gegenübergestellt.

Anbau in höheren Lagen 

„Die Ausweitung des Anbaus der Rebsorten auf höhere Lagen würde nicht nur dazu beitragen, den negativen Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken, sondern auch eine typische und unverwechselbare Weißburgundersorte zu entwickeln, die ihr Qualitätspotenzial voll ausschöpft“, erklärt Projektleiter Florian Haas. „Aufgrund der Ergebnisse unserer Studie sind wir zuversichtlich, dass ein Weißburgunder aus höheren Lagen die gleich guten Eigenschaften haben wird, wie Weine aus aktuellen Anbaugebieten in tieferen Lagen.“

Derzeit stoßen die in diesem Projekt berücksichtigten höheren Lagen in kühlen Jahrgängen noch an ihre Grenzen, da die Vegetationsperiode zu kurz ist, um vollreife Trauben mit dem richtigen Zuckergehalt zu produzieren­. 

Im Projekt PinotBlanc wurden die Unterschiede in den Eigenschaften der Trauben und Weine zwischen niedrigen und hohen Anbaulagen erarbeitet. Diese Informationen werden Winzern und Önologen helfen, Entscheidungen über die Wahl der Rebsorten, der Lage für neue Rebanlagen sowie den optimalen Erntezeitpunkt zu treffen. Darüber hinaus werden die im Rahmen des Projekts gesammelten Daten den Önologen in Bezug auf Weißburgunder-Cuvées aus verschiedenen Anbaugebieten Südtirols hilfreich sein.

Enge Zusammenarbeit mit Weinproduzenten 

Am Projekt PinotBlanc beteiligt war ein interdisziplinäres Forscherteam aus den Arbeitsgruppen „Physiologie und Anbautechnik“ (Weinbau), „Verfahren und Wissenstransfer“ (Önologie) und des Labors für Aromen und Metaboliten des Versuchszentrums Laimburg. Bei der Entwicklung und Durchführung des Projekts stand das Versuchszentrum Laimburg in engem Kontakt mit dem Konsortium Südtiroler Wein, dem Verband der Kellereigenossenschaften Südtirols, der Associazione enotecnici italiani (Assoenologi – Sektion Südtirol) sowie mit verschiedenen Kellereien und privaten Produzenten.