Produktion | 10.12.2020

Für Familie und Vieh

Der Um- bzw. Neubau des Milchviehstalles am Ahner Berghof in Rodeneck war mit einigen Herausforderungen verbunden. Nun ­erkennt der Landwirt Armin Klammer aber, welche großen Vorteile sein neuer Laufstall mit sich bringt. von Anna Pfeifer

Der neue Laufstall am Ahner Berghof bietet 40 Milchkühen Platz. In einer 19 mal 22 Meter großen Halle befinden sich die Liege-, Fress- und  Bewegungsbereiche für die Tiere.

Der neue Laufstall am Ahner Berghof bietet 40 Milchkühen Platz. In einer 19 mal 22 Meter großen Halle befinden sich die Liege-, Fress- und Bewegungsbereiche für die Tiere.

„Warum sind die Schwänze der Kühe angebunden? Müssen die Tiere den ganzen Tag hier stehen? Warum können sich die Rinder nicht frei bewegen?“ 

Fragen, die wohl alle Bäuerinnen und Bauern kennen, die Anbindehaltung betreiben. Auch Armin Klammer, Landwirt am Ahner Berghof in Rodeneck, sah sich jeden Tag mit denselben Fragen konfrontiert. Er hat neben der Milchviehwirtschaft nämlich ein zweites Standbein: den Tourismus. 

Zwei Betriebszweige, die sich laut dem 36-jährigen Bauern in Vergangenheit nicht immer leicht vereinen ließen: „Als ich noch einen Anbindestall für meine Milchkühe hatte, war im Stall genau dann die meiste Arbeit zu erledigen, wenn auch im Haus bei den Gästen viel zu tun gewesen wäre. Meine Frau Simone und ich betreiben einen Hofschank und bieten Halb- bzw. Vollpension für unsere Gäste an. Da braucht es jede helfende Hand. Aber seit dem Um- bzw. Neubau des Stalles kann ich mir die Arbeit viel besser einteilen.“ 

Im August sind am Ahner Berghof die Milchkühe in ihren neuen Laufstall mit Melk­roboter gezogen. Seitdem kann sich Klammer die Zeit flexibler einteilen und ist nicht mehr so an Uhrzeiten gebunden, wie er es im Laufstall war. 

„So fein wie möglich“

Der neue Stall am Ahner Berghof besteht aus zwei Teilen: dem umgebauten alten Stall und dem neuen Laufstall. Das alte Stallgebäude wurde umgestaltet. Dort, wo früher die 36 Kühe in Anbindehaltung standen, befinden sich heute ein Bereich für die Kälber, eine Separationsbox, eine Abkalbebox mit Tiefstreu und der Melkroboter. An den alten Stall angebaut wurde eine 19 mal 22 Meter große Halle. Dort sind die Liege-, Fress- und Bewegungsbereiche für die Milchkühe zu finden. Klammer war es besonders wichtig, dass es die Kühe „so fein wie möglich haben“. Für jedes Tier ist deshalb ein Futter- und ein Liegeplatz vorgesehen. Auch sonst ist reichlich Platz vorhanden. Der Landwirt erklärt: „Wir haben den Stall so konzipiert, dass wir bei Bedarf auf Bio umsteigen könnten. Aktuell bewirtschaften wir den Betrieb allerdings konventionell.“ 

Corona-Lockdown bringt Zeitplan durcheinander

Der neue Laufstall ist auf knapp 40 Milchkühe ausgerichtet. Momentan genießen aber nur 25 Tiere den ganzen Platz. Die Umbauarbeiten während des Corona-Lockdowns im Frühling hatten es notwendig gemacht, dass mehr Kühe als geplant den Hof verlassen mussten. „Es war mir schon bewusst, dass ich nicht alle meine Kühe in den neuen Stall mitnehmen kann“, erzählt Klammer, „unser Plan wäre eigentlich gewesen, einige ältere Tiere abzugeben und die restlichen Kühe während der Bauphase der neuen Halle im alten Stall zu behalten. Durch die Corona-Krise wurden die Arbeiten im neuen Stallgebäude jedoch blockiert, da kein Material mehr geliefert wurde. Um die Baustelle nicht komplett zu stoppen, entschieden wir uns, mit dem Umbau im alten Stall anzufangen. Und so kam es auch, dass wir noch mehr Kühe als vorgesehen abgeben mussten.“ 

Im Nachhinein erwies sich das als eine gute Entscheidung. Denn so waren nur noch junge Kühe übrig, die sich relativ schnell an den neuen Stall gewöhnt haben. Die ersten drei Wochen nach Fertigstellung des Laufstalls konnten sich die Kühe untertags dort austoben und wurden zum Melken in den alten Anbindestall getrieben. So mussten sich die Tiere nur an eine neue Sache gewöhnen, erklärt Klammer. Erst nach dieser Eingewöhnungsphase begann der Landwirt dann, seine Kühe im Melkroboter zu melken. In den ersten Wochen habe er im Laufstall noch mehr Zeit verbracht als im Anbindestall – teilweise 18 bis 19 Stunden am Tag. Die Umstellung für die Kühe sei nicht zu unterschätzen. Nun seien die Tiere an den Melkroboter und den Laufstall gewöhnt, und Klammer merkt so langsam, wie sich die Arbeitsbelastung verändert. 

Er erklärt: „Die Arbeit ist zwar noch nicht wirklich weniger geworden, aber ich kann sie mir freier einteilen.“ Fixe Melkzeiten sind für den Bauern und seine Kühe nun Vergangenheit. Durchschnittlich dreimal am Tag lassen sich die Kühe vom Roboter melken. Gleichzeitig werden auch Daten wie die Milchmenge pro Kuh und der Zellgehalt erfasst. Auch Kühe, die sich in der Separations- oder der Abkalbebox befinden, haben ständigen Zugang zum Roboter. 

Zwei Jahre tüfteln und planen

Für Klammer war es wichtig, den Stall so zu bauen, dass er selbst ohne große körperliche Anstrengungen und möglichst geschickt arbeiten konnte. „Zwei Jahre lang habe ich geplant und getüftelt“, erinnert sich der Jungbauer, „dabei haben mich die Berater des BRING ständig unterstützt. Von der Planung bis zum Bau waren sie immer zur Stelle, wenn ich Fragen hatte.“ Besonders zu schätzen weiß Klammer den neuen Futtertisch. Dieser ist gegen Norden an eine Wand gerichtet und nur einen Meter breit. Das Futter wird über ein Förderband ausgeteilt. Klammer sagt lachend: „Jetzt muss ich nie wieder das Futter zu den Tieren schieben!“ Auch bei den Liegeboxen hat der Rodenecker auf Komfort für Mensch und Tier gesetzt. Zwischen den Boxen ist nämlich etwas mehr Platz als normal, sodass dort ein Strohballen abgeladen werden kann. Der Landwirt erklärt: „So muss ich nur noch das Stroh vom Ballen in die Liegeboxen schieben, und schon ist alles wieder sauber.“ Der Mist fällt durch den Spaltenboden in die Güllegrube, die direkt unter dem Stall liegt.

„Sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr“ 

Die Güllegrube dient als Fundament für den halben Stall. Eine Entscheidung, die vor allem aus finanzieller Sicht lohnend war. Aber nicht bei allen Entscheidungen war das Geld der ausschlaggebende Faktor für Klammer: „Ich habe natürlich versucht, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. 

Aber in einigen Fällen war es für mich wichtiger, dass die Arbeit später so gering und angenehm wie möglich sein muss. Das rate ich auch jedem Bauern, der einen neuen Stall baut. Schaut auf die Kosten, aber schaut auch auf euch selbst! Immerhin müsst ihr die nächsten 20 oder 30 Jahre, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr in diesem Stall arbeiten.“ 

Fußball statt Stall

Für Armin Klammer ist der Neubau des Stalles eine der besten Entscheidungen gewesen: „Nicht nur ich habe wieder mehr Freude an der Arbeit, auch meine Kinder sind nun Feuer und Flamme für die Landwirtschaft. Meine zwei Großen, Mara und Jonas – sie sind zwölf und zehn Jahre alt –, kennen sich schon bestens mit dem Melkroboter aus und helfen mir beim Eintippen der Daten und auch sonst bei der Stallarbeit. Bei Paul, unserem Jüngsten, wird es auch nicht mehr lange dauern, bis er bei den Kühen herumläuft.“ 

Für Klammer ist die Arbeit nun eine ganz andere, da alles viel flexibler ist. Und das bekommt die ganze Familie zu spüren: Der Vater muss um sechs Uhr abends nun nicht mehr pünktlich in den Stall, sondern kann auch mal das Fußballspiel seiner Kinder mitverfolgen.