Technische Beratung | 16.11.2020

Auf die Farbe kommt es an

Die Landesregierung hat kürzlich die zulässigen Farben von Hagelnetzen, Kulturschutzfolien und Kulturschutznetzen festgelegt. von Hermann Stuppner

Hagelnetze können nun ohne vorhergehende  Mitteilung an die Gemeinde angebracht werden. Foto: Matthias Matscher

Hagelnetze können nun ohne vorhergehende Mitteilung an die Gemeinde angebracht werden. Foto: Matthias Matscher

Das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft (LG Nr. 9/2018), welches seit 1. Juli 2020 in Kraft ist, sieht in Art. 66, Abs. 3, vor, dass die Landesregierung unter Berücksichtigung der Erfordernisse der Landwirtschaft und des Landschaftsschutzes die zulässigen Farben von Hagelnetzen, Kulturschutzfolien und Kulturschutznetzen festlegt. 

Neue Farbdefinition

Bisher waren die zulässigen Farben von Hagelnetzen mit Beschluss der Landesregierung Nr. 477 aus dem Jahr 2006 geregelt. 

Dieser sah vor, dass das Anbringen von Hagelnetzen bei ausschließlicher Verwendung von schwarzen bzw. grauen Netzen gestattet ist, wobei die grauen Netze weiße Längsfäden und schwarze Querfäden aufweisen mussten.

Mit Beschluss der Landesregierung Nr. 761/2020 erfolgte eine erweiterte und spezifischere Farbdefinition. Diese lautet nun, wie folgt:

  • Die Anbringung von Hagelnetzen, Insektenschutznetzen, Seitennetzen, Abdriftnetzen sowie von Abdriftfolien ist bei ausschließlicher Verwendung von schwarzen oder dunkelgrauen Netzen gestattet. Was die dunkelgrauen Netze betrifft, so müssen sowohl die Längs- als auch die Querfäden dunkelgrau sein. Weiters sind auch graue Netze mit weißen Längsfäden und schwarzen Querfäden zugelassen.
  • Regenschutzfolien/Kulturschutzfolien für Nischenkulturen (zum Beispiel Kirschen, Beerenobst) dürfen auch in transparenter oder weißer Farbe angebracht werden. In diesem Fall dürfen auch die im Dachbereich in Kombination mit den Kulturschutzfolien installierten Insektenschutznetze transparent oder weiß sein.

Sofern vor der Beschlussfassung – und somit vor dem 6. Oktober 2020 – eine datierte Rechnung für den Ankauf andersfarbiger Netze oder Folien vorgewiesen werden kann, ist auch die Anbringung andersfarbiger Netze und Folien erlaubt. 

Notwendige Genehmigungen

Gemäß bisherigen Bestimmungen war für die Anbringung eines Hagelnetzes eine Baubeginnmeldung an die zuständige Gemeinde notwendig. In dieser musste angegeben werden, wo und in welcher Farbe das Netz angebracht wird. 

Mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen können Hagelnetze ohne jegliche Mitteilung an die Gemeinde angebracht werden. Aus landschaftlicher Sicht sieht Art. 66, Abs. 1, des Landesgesetzes für Raum und Landschaft vor, dass Hagelnetze, Kulturschutzfolien und Kulturschutznetze ohne jegliche landschaftliche Genehmigung angebracht werden können. Dies gilt, sofern das betroffene Gebiet nicht mit einem Hagelnetzverbot versehen ist oder sonstige Einschränkungen vorliegen. 

Aus baulicher Sicht sind Hagelnetze, Kulturschutzfolien und Kulturschutznetze als freie Eingriffe definiert (Anhang C4 des Gesetzes). Wenn die betroffene Fläche forstlich-hydrogeologisch vinkuliert ist, ist für eventuelle Erdbewegungen (dies trifft auch bei der Erstellung von Neuanlagen zu) eine forstliche Ermächtigung notwendig.

Verbotszonen

Der zuständige Gemeinderat kann wie auch bisher Gebiete und Zonen festlegen, in denen zum Schutze des Landschaftsbildes das Anbringen von Hagelnetzen, Kulturschutzfolien und Kulturschutznetzen verboten ist. 

Sofern eine entsprechende Hagelversicherung abgeschlossen wird, hat die Gemeinde dem Bewirtschafter für die mit Verbot belegten Kulturflächen eine jährliche Entschädigung für die Gültigkeitsdauer des Verbotes zu bezahlen.