Bauernbund | 05.11.2020

Plattform Land: Innen entwickeln, draußen sparen

Die Innenentwicklung der Dörfer fördern, um weniger Flächen zu verbrauchen, damit will sich die Plattform Land im nächsten Jahr stärker beschäftigen. Auf der Mitgliederversammlung wurden weiters vier laufende Projekte besprochen.

Coronabedingt gab es die Mitgliederversammlung der Plattform Land als Videokonferenz. Dabei wurde beschlossen, die Innenentwicklung und den Flächenverbrauch zum Jahresthema 2021 zu machen.

Coronabedingt gab es die Mitgliederversammlung der Plattform Land als Videokonferenz. Dabei wurde beschlossen, die Innenentwicklung und den Flächenverbrauch zum Jahresthema 2021 zu machen.

Die intelligente Flächennutzung und der Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes sind die zwei Hauptanliegen der Plattform Land. Mit der Lebensqualität auf dem Land beschäftigt sich die Plattform Land u. a. im Rahmen des Projekts „FLOW“ (Förderung Land Orte Wirtschaft). Dazu wurde eine Genderstudie über die Abwanderungs- bzw. Bleibemotive im ländlichen Raum in Auftrag gegeben.

Gründe für Ab- bzw. Rückwanderung erforscht

„Ausbildung, Partnerschaft und Familie sowie die Arbeitsperspektiven sind die Hauptgründe für die Abwanderung von Männern und Frauen“, fasste Plattform-Land-Präsident Andreas Schatzer zusammen. Für Rückkehrer spielen zudem die Wohnmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Die befragten Zuwanderer in den ländlichen Raum gaben ebenfalls die Familie und die Arbeit als zentrale Entscheidungskriterien an. Die Dableiber würden am ländlichen Raum in Südtirol die Lebensqualität schätzen. Zudem halte sie der eigene Betrieb im Land. Ein Fazit der Studie, deren Ergebnisse im Detail im Dezember vorgestellt werden: „Der Kontakt der ländlichen Gemeinden mit den Abwanderern wirkt sich positiv auf die Rückwanderung aus. Abwanderung zu verhindern ist zudem eine gemeinsame Aufgabe der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft“, so Schatzer. 

Lokale Kreisläufe und Nahversorgung stärken

Ein Pilotprojekt zu lokalen Wirtschaftskreisläufen sowie zu Vinschger Gerichten hat ebenfalls die Attraktivität des ländlichen Raumes zum Ziel. So wurden mit Unterstützung der Handelskammer Bozen der „Vinschger Bua“, ein Bauerntoast, und das „Marillen-Madl“, eine Süßspeise aus Getreide, Marillenaufstrich und Butter kreiert. Die Zutaten stammen aus dem Vinschgau. Diese zwei Gerichte sollen zukünftig verstärkt in der lokalen Gastronomie und im Handel angeboten werden und so die Sensibilität für lokale Kreisläufe stärken. Zugleich hat die Plattform Land in Absprache mit dem Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol hds einen Fördervorschlag für kleine Nahversorgungsgeschäfte ausgearbeitet. „Diese sollen zukünftig noch stärker unterstützt werden, wenn sie Produkte mit dem Qualitätszeichen Südtirol oder mit der Marke ‚Roter Hahn‘ verkaufen“, sagte der Geschäftsführer der Plattform Land, Ulrich Höllrigl.

Förderungen bei Innenentwicklung vergleichen

Zwei Projekte, die auf der Mitgliederversammlung der Plattform Land besprochen wurden, befassen sich hingegen mit der intelligenten Flächennutzung. Ziel des Projekts „Shelter“ ist es, einen Überblick über die Fördermöglichkeiten bei der Innenentwicklung bzw. bei Sanierungen zu geben und gleichzeitig die Förderungen in den Interreg-Regionen zu vergleichen. Gleichzeitig soll ein Beratungsmodell aufgebaut werden, wie es bereits in Vorarlberg angewandt wird. Ein weiteres Projekt, immer im Rahmen von „Shelter“, ist der sog. Folgekostenrechner. Damit können Gemeinden ohne größeren Aufwand die Kosten für neue Wohnbauzonen erheben und mit den Kosten für die Nutzung von Bestandsvolumen vergleichen. 

Leerstandsmanagement: 14 Gemeinde dabei
Eine Initiative, die schon seit 2017 läuft und nun mit dem neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft an Bedeutung gewonnen hat, ist das Leerstandsmanagement. „Für insgesamt 14 Gemeinden hat die Plattform Land die Leerstände erhoben. Letzthin sind mit Vahrn und Mölten zwei neue Gemeinden hinzugekommen“, berichtete Präsident Andreas Schatzer. 

Heini Grandi von Coopbund hat das Modell der Bürgergenossenschaften vorgestellt, welche in Zukunft Dienste für die Allgemeinheit im ländlichen Raum übernehmen könnten. Beschlossen wurde auch, dass sich die Plattform Land mit einer Resolution zum Großraubwild äußern wird.

 

Zur Plattform Land:
Die „Plattform Land“ ist eine Südtiroler Allianz für lebendige ländliche Räume und intelligente Flächennutzung.
Dafür setzt sie sich für funktionierende Dienste und Infrastrukturen, wie die Nahversorgung, soziale und medizinische Dienste oder schnelle Internetverbindungen, sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnmöglichkeiten vor Ort ein.
Ein weiterer Schwerpunkt ist eine intelligente Flächennutzung, etwa durch eine Nutzung von Leerständen, um wertvollen Kulturgrund zu schützen.
Um diese Ziele zu erreichen, gibt die „Plattform Land“ u. a. Denkanstöße, arbeitet Vorschläge aus, organisiert Tagungen oder bietet verschiedene Dienstleistungen an.

Die „Plattform Land“ ist 2013 vom Südtiroler Bauernbund und dem Südtiroler Gemeindenverband ins Leben gerufen worden und ist seit April 2017 ein Verein.
Die 15 Mitglieder sind derzeit der Südtiroler Bauernbund, der Südtiroler Gemeindenverband, das Land Südtirol, die Handelskammer Bozen, der Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol hds, der Hoteliers- und Gastwirteverband HGV, der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh, der Raiffeisenverband Südtirol, der Unternehmerverband Südtirol UVS, die Vereinigung Südtiroler Freiberufler VSF, der Katholische Verband der Werktätigen KVW, der Südtiroler Jugendring SJR, der Verband der Seniorenwohnheime Südtirols VdS, die Kammer der Architekten und Coopbund Südtirol.