Leben | 30.10.2020

Walnuss, die „welsche“ Nuss

So prägend die Walnuss als Baum ist, so vielseitig verwendbar und vor allem gesund sind seine Früchte. Kaum jemand weiß, dass auch die Blätter heilsame Wirkung haben. Auch gegen Mücken, Fliegen und Läuse sind Walnussblätter wirksam … von Renate Anna Rubner

Walnüsse sind gesund. Aber auch die Blätter der Walnuss haben es in sich: als Tee, Aufguss oder sogar als natürliches Insektenschutzmittel. Foto: Erwin Nowak Pixabay

Walnüsse sind gesund. Aber auch die Blätter der Walnuss haben es in sich: als Tee, Aufguss oder sogar als natürliches Insektenschutzmittel. Foto: Erwin Nowak Pixabay

Die Echte Walnuss, mit botanischem Namen Juglans regia genannt, erreichte Europa von ihrem Ursprungsland Persien aus wahrscheinlich über Griechenland. Bereits die Griechen der Antike schätzten ihre Früchte sehr und waren für ihre weitere Verbreitung in der altrömischen Kultur verantwortlich. 

Die Griechen der Antike hatten die Walnuss dem Gottvater Zeus geweiht, die Römer entsprechend dem Jupiter. Davon zeugt auch ihr lateinischer Name Juglans, der verkürzten Form von Jovis glans (Jupiters Eichel). Aber nicht nur im antiken Rom, auch in Frankreich und in Deutschland, wohin die Römer die Walnuss in frühchristlicher Zeit brachten, wurde die Walnuss bald zum Fruchtbarkeitssymbol: Walnüsse als Geschenk zur Hochzeit sollten die Ehe kinderreich machen. Im Elsass sah man sogar einen Zusammenhang zwischen reichen Walnussernten und der Geburt unehelicher Kinder in diesen erntereichen Jahren. Die, sagte man, seien vom Walnussbaum ge­fallen.

Wal, welsch = fremd

Wie fremd die Walnuss in diesen Gebieten lange Zeit blieb, spiegelt sich in ihrem deutschen Namen wider: Der leitet sich nämlich von „wal“ für „welsch“ ab, was so viel wie „fremd“ bedeutet. 

Heute wird die Walnuss weltweit angebaut, vor allem in den USA (Kalifornien), in China, der Türkei und im Iran. Ein herkömmlicher Walnussbaum kann bis zu 35 Meter hoch und an die 150 Jahre alt werden. Ein gesunder 50-jähriger Baum kann in einem guten Jahr schon einmal 100 Kilogramm Nüsse tragen. 

Im Oktober ist Erntezeit für diese Nuss, die sich zwar am wohlsten im Weinbauklima fühlt, aber inzwischen auch in höheren Lagen anzutreffen ist. Dort bleiben die Früchte zwar oft kleiner, der Baum ist aber unkompliziert und landschaftlich sehr prägend. Zudem ist er nicht nur wegen seiner Früchte interessant, sondern auch wegen seiner Blätter, die als Hausmittel gegen so manches gesundheitliche Problem eingesetzt werden können. Aber dazu später. 

Kommen wir zunächst zur Nuss: Mit sage und schreibe 64 Prozent Fettgehalt ist sie zwar eine echte Kalorienbombe, aber zum einen sind es gesunde Fette, die man mit ihr zu sich nimmt, und die sorgen zum anderen auch für ein angenehmes Sättigungsgefühl. Zudem sind sie ein Jungbrunnen für unsere Gefäße und unser Immunsystem sowie Fitnessnahrung für unser Gehirn: So senkt die Walnuss Bluthochdruck und schützt das Herz-Kreislauf-System, indem die Endothelzellen und damit die Blutgefäße flexibel bleiben. Auch gegen Arteriosklerose beugen  sie dadurch vor. 

Quelle für Antioxidantien

Walnüsse gehören zu den wichtigsten pflanzlichen Quellen für Antioxidantien, weshalb sie die Zellen schützen und so Krankheiten und Tumoren vorbeugen. Eine amerikanische Studie belegt zudem, dass sich beispielsweise Brustkrebs durch den Verzehr von Walnüssen langsamer entwickelt. Dafür können mehrere Bestandteile der Nuss verantwortlich sein: Omega-3-Fettsäuren beispielsweise sind in Walnüssen reichlich vorhanden und hemmen das Tumorwachstum nachweislich.

Eine Ernährung mit sechs Prozent Walnussanteil soll sogar den geistigen und motorischen Leistungsabfall im Alter umkehren: Walnüsse erhöhen dadurch die gesunde Lebensdauer. Dafür sind verschiedene Inhaltsstoffe verantwortlich: Ein hoher Vitamin-B-Gehalt zum Beispiel fördert die Konzentration, senkt den Stressspiegel und liefert dem Gehirn Treibstoff.

Auch bei Diabetes soll die Walnuss helfen. Laut wissenschaftlichen Studien senkt sie die Blutgefäßfunktion und die Konzentration von LDL (dem „schlechten“ Cholesterin) – beides Risikofaktoren für Diabetes Typ 2. 

Stress ist der Grund für Krankheiten jeglicher Art. Sowohl die Omega-3-Fettsäuren als auch das Kalium, das in Walnüssen reichlich enthalten ist, regulieren die Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Das in Walnüssen enthaltene Magnesium lässt angespannte Muskeln weich werden und wieder entspannen. Zusätzlich regt der Verzehr der Walnuss die Bildung von Melatonin an, was für einen tiefen und ruhigen Schlaf sorgt.

Kalium, Kalzium und Magnesium, drei Nährstoffe, die in Walnüssen ideal kombiniert sind, stärken zudem den Knochenbau und verringern so das Risiko von Arthritis, Gelenkschmerzen und brüchigen Knochen. Magnesium und Kalium bringen müde Muskeln auf Trab. Eine regelmäßige Portion Walnüsse kann sogar den Teint verbessern, weil die Schönheitsvitamine B6 und E (und natürlich auch die vielen Antioxidantien) für straffe, gesunde Haut sorgen und vor vorzeitiger Alterung schützen. Und für Schwangere gibt es noch einen Grund, öfter mal ein paar Walnüsse zu knabbern oder sie in einem Brot, einem Müsli oder einem Salat zu verwenden: Der Verzehr von Walnüssen kann Allergien beim Baby vorbeugen. 

Blätter: als Tee, Fußbad, Umschlag

Aber nun zu den Blättern des Walnussbaumes: Sie wirken vor allem zusammenziehend (adstringierend), entzündungshemmend und wundheilend. Zudem regen sie den Stoffwechsel an und reinigen das Blut. Entsprechend kann ein Tee aus Walnussblättern Magen- und Verdauungsprobleme lindern: Für eine Tasse Walnusstee zwei Teelöffel zerkleinerte, getrocknete oder frische Walnussblätter mit 250 Milliliter kalten Wasser aufgießen, die Mischung aufkochen und bei geringer Hitze drei bis fünf Minuten köcheln lassen. Dann die Mischung durch ein Sieb gießen und trinken. Diese Anwendung kann täglich zwei- bis dreimal wiederholt werden. Entzündungen im Mundraum werden durch mehrmaliges Gurgeln mit dem warmen Tee gelindert.

Äußerlich angewandt, kann ein Walnussblättersud bei Schweißfüßen helfen: Er wirkt antiseptisch und kann auch pilztötende Wirkung haben. Für ein Fußbad einen Sud mit 50 Gramm Walnussblättern und einem Liter kaltem Wasser aufsetzen und die Mischung zehn Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Dann abseihen und zum Fußbad gießen. Mit einer Badezeit von etwa 15 Minuten werden Schweiß- und Geruchsbildung gemildert. Bei Bedarf kann so ein Fußbad auch täglich wiederholt werden. Aber Achtung: Beim Trocknen der Füße kann sich das Handtuch unschön verfärben!

Ein Walnussblätterumschlag hilft bei Haut­irritationen, Ekzemen und übermäßiger Schweißproduktion. Dafür zwei bis drei zerkleinerte Walnussblätter mit 100 Milliliter kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Dann ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch, einen Wattebausch oder eine Mullbinde im Sud tränken und leicht auswringen. Auf die betroffene Hautpartie legen und 15 Minuten einwirken lassen. Um das Tuch oder die Watte zu fixieren, kann man eine trockene Mullbinde herumwickeln. Diese Anwendung kann je nach Bedarf bis zu dreimal täglich wiederholt werden.

Walnussblätter vertreiben außerdem Insekten wie Mücken, Fliegen und Läuse. Ein Ölauszug aus den grünen Nussschalen kann als natürliches Insektenschutzmittel eingesetzt werden. Dazu werden 200 Gramm frische Schalen mit einem Liter kaltgepressten Öl angesetzt und für vier bis sechs Wochen an einen warmen Ort gestellt. Gelegentlich schütteln und dann abseihen.