Sozialberatung | 20.10.2020

Versicherung: Streichung gut überlegen

Wer ohne Eintragung in die Bauernversicherung auf dem Hof arbeitet, hat bei einem Arbeitsunfall kein ­Anrecht auf bestimmte Vergütungen. Eine Streichung aus der Bauernversicherung sollte daher ­wohlüberlegt sein.

Nach einem Unfall haben Hinterbliebene von Bauernversicherten Anrecht auf INAIL-Gelder.

Nach einem Unfall haben Hinterbliebene von Bauernversicherten Anrecht auf INAIL-Gelder.

Einerseits ist eine Streichung nur aus bestimmten Gründen möglich, andererseits ist eine Wiedereintragung mit Komplikationen verbunden. Wer sich altersbedingt aus der Bauernversicherung streichen lässt, muss wissen, dass bei einem Arbeitsunfall die INAIL-Leistungen nicht greifen. 

Was bedeutet das?

Das Tagegeld, also die tägliche Entschädigung für den Krankenstand aufgrund des Arbeitsunfalls, wird nicht ausbezahlt, und man hat keinen Anspruch auf eine Arbeitsinvalidität laut INAIL. Die Arbeitsinvalidität ist die prozentuelle Schadensbewertung des INAIL.

Verunglückt eine nicht-bauernversicherte Person bei Arbeiten auf dem Hof tödlich, z. B. beim Hantieren mit Maschinen, haben die Angehörigen keinen Anspruch auf die Leistungen des Arbeitsunfallinstitutes INAIL.

Leistungen für Hinterbliebene

Den Hinterbliebenen eines Bauernversicherten stehen bei einem tödlichen Arbeitsunfall folgende INAIL-Leistungen zu: 

  • Beerdigungskostenbeitrag: 10.000 Euro;
  • Hinterbliebenenrente: 50 Prozent des Jahreskonventionallohnes für den Ehepartner (ca. 8300 Euro jährlich steuerfrei) plus 20 Prozent für jedes zu Lasten lebende Kind;
  • „Una tantum“ bei Unfalltod – je nach Familienzusammensetzung zwischen 4000 und 15.500 Euro (unabhängig davon, ob die Person beim INAIL versichert war).

Ein einfaches Beispiel: Ein Rentner hat sich vor Jahren aus der Bauernversicherung streichen lassen. Er ist 75 Jahre alt, arbeitet aber dennoch weiterhin aktiv auf dem Hof mit und fährt mit den Maschinen. Während er mit dem Traktor auf dem Feld arbeitet, ereignet sich ein tödlicher Arbeitsunfall. Seine Frau ist 63 Jahre alt. Nach dem Tod ihres Mannes erhält sie die NISF/INPS-Hinterbliebenenrente sowie das „Una Tantum“ bei Unfalltod. Da ihr Mann nicht mehr bauernversichert war, erhält sie weder den Begräb­nis­kostenbeitrag noch die INAIL-Hinterbliebenenrente. Der hinterbliebenen Ehegattin entgeht, berechnet auf ihre Lebenserwartung, somit insgesamt ein steuerfreier Betrag von ca. 200.000 Euro.

Aus diesem Grund sollte eine Streichung nie voreilig vorgenommen werden. Sollten Rentner weiterhin aktiv auf dem Hof arbeiten, wird empfohlen, sie nicht aus der Bauernversicherung streichen zu lassen.