Bauernbund | 01.10.2020

Bäuerlich punktet in Gemeinden

Vieles ändert sich, aber eines nicht: Die starke bäuerliche Vertretung in den Südtiroler Gemeindestuben bleibt. Ein knappes Viertel aller Mandate ist bäuerlich besetzt. Dieses Gewicht gilt es nun bei den Verhandlungen um die Gemeindeausschüsse, in die Waagschale zu legen. von ulrich hllrigl, vizedirektor des sdtiroler bauernbundes von Ulrich Höllrigl

Gut vernetzt und geeint haben es wieder viele bäuerliche Kandidatinnen und Kandidaten in die Gemeinderäte geschafft.

Gut vernetzt und geeint haben es wieder viele bäuerliche Kandidatinnen und Kandidaten in die Gemeinderäte geschafft.

In Südtirols Gemeinden gab es bei den diesjährigen Gemeinderatswahlen insgesamt 1908 Mandate zu vergeben (inklusive der drei Gemeinden Sarntal, Deutschnofen und Freienfeld, die bereits 2019 gewählt haben). 421 davon (bei 603 Kandidatinnen und Kandidaten) konnten – ähnlich wie 2015 – wiederum bäuerliche Kandidaten gewinnen. Das entspricht einem knappen Viertel aller Mandate. Der Anteil der bäuerlichen Mandatare auf Gemeindeebene ist demnach stabil. Viele bäuerliche Kandidatinnen und Kandidaten haben ein ausgezeichnetes Vorzugsstimmenergebnis erzielt und empfehlen sich damit für den Gemeindeausschuss und auch das Vizebürgermeisteramt.

Burggrafenamt und Unterland vorne

Der Prozentsatz der gewählten bäuerlichen Kandidatinnen und Kandidaten liegt bei ausgezeichneten 70 Prozent. Das spricht dafür, dass sich die Ortsgruppen strategisch gut aufgestellt haben und attraktive und glaubwürdige Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen geschickt haben. Am höchsten war der Prozentsatz der Gewählten mit 79 Prozent im Burggrafenamt, dicht gefolgt vom Unterland mit 78 Prozent.

Drei Highlights von vielen: In Kurtatsch schafften von acht Kandidaten alle acht den Sprung in den Gemeinderat, in der Stadt Bozen mit ihrem kleinen landwirtschaftlichen Bevölkerungsanteil sage und schreibe vier, in Meran fünf von fünf – und das auf drei verschiedenen Listen!

Die meisten bäuerlichen Kandidatinnen und Kandidaten traten für die Südtiroler Volkspartei (SVP) an, einige aber auch für Bürgerlisten, für die Freiheitlichen und für die Südtiroler Freiheit. Bei der Nominierung waren die Ortsbauernräte frei in ihrer Entscheidung. 

Die Anzahl der bäuerlichen Mandatare ist noch nicht vollständig, da einige Ortsgruppen weitere bäuerliche Mandatare nachmelden werden. 

21 bäuerliche Bürgermeister

Von den 26 bäuerlichen Bürgermeisterkandidaten sind 21 gewählt worden. Erfreulich ist, dass alle 18 Amtsträger wiedergewählt wurden. Das spricht für sie und ihre Arbeit in der vergangenen Amtsperiode. Von den acht neuen Kandidaten haben drei das Rennen gemacht, nämlich Peter Gasser in Klausen, Thomas Summerer in Sexten und Dominik Oberstaller in Welsberg-Taisten. Somit ist fast jeder fünfte Bürgermeister im Lande bäuerlich. Allerdings gibt es hier einen Rückgang zu verzeichnen, 2015 waren es noch 27 bäuerliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Aber auch hier könnte es noch Nachnominierungen geben, da fünf weitere Bürgermeister einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben. 

Fazit: Die politische Vertretung ist in den Gemeindestuben weiterhin sehr viel stärker, als es dem bäuerlichen Bevölkerungsanteil entspricht. Diese überproportionale Vertretung braucht es, um den Anliegen der Landwirtschaft auch in Zukunft Gehör zu verschaffen und sie umzusetzen. 

Als Team „Bäuerliche Familie“ aufgetreten

Der Ortsbauernrat war laut Satzungen aufgefordert, die Kandidaten im Verbund mit den bäuerlichen Organisationen zu nominieren und damit diese politische Vertretung sicherzustellen. Die Gruppe der Kandidatinnen und Kandidaten von Bauernbund, Bäuerinnen, Bauernjugend und Seniorenvereinigung traten von Anfang an als Team „Bäuerliche Familie“ auf. Die Wählerinnen und Wähler haben das Angebot angenommen und haben wiederum vom Wahlrecht und von den vier Vorzugsstimmen Gebrauch gemacht. Das ist eine große Stärke der Landwirtschaft und lässt mit Zuversicht in die Zukunft blicken, denn nur wer wählt, entscheidet auch mit. Entschieden wird immer, die Frage ist nur von wem!

Besonders Jugend war erfolgreich

Auch 43 Bäuerinnen und 48 Jugendkandidatinnen und -kandidaten haben den Sprung in die Ratsstuben geschafft. Besonders hervorzuheben ist das Ergebnis der Bauernjugend, deren Kandidatinnen und Kandidaten sich viele auf Anhieb durchsetzen konnten. Das zeigt, dass junge Menschen Engagement zeigen und dies von der Wählerschaft auch honoriert wird. 

Unterstützung vom Südtiroler Bauernbund erhielten die Ortsgruppen, Kandidatinnen und Kandidaten bei der Erarbeitung von Wahlmaterialien und Wahlbriefen. Viele Ortsgruppen nahmen dieses Angebot in Anspruch. Besonders viele Ortsgruppen setzten auf die persönliche Verteilung von Wahlbriefen und Broschüren oder Corona-bedingt auf SMS-Nachrichten. Besonders Wahlkabinenmerker waren hoch im Kurs. Wichtig war es dabei, vor Ort zu mobilisieren und ein Unterstützernetzwerk aufzubauen. 

Landesobmann Leo Tiefenthaler freut sich über den Erfolg: „Der Zeitpunkt der Wahlen war ungünstig, das Ergebnis trotzdem ausgezeichnet. Ein Dank an alle, die sich engagiert haben!“

Bestätigung und Auftrag zugleich

Ein knappes Fünftel aller Bürgermeiste­rinnen und Bürgermeister und ein knappes Viertel aller Mandate in den Südtiroler Ratsstuben sind laut Tiefenthaler ein großer Erfolg, Bestätigung und Auftrag zugleich. „Die Landwirtschaft steht insgesamt gut da. Bäuerinnen und Bauern werden von der Gesellschaft geschätzt. Nun geht es darum, alles zu unternehmen, um bei der Vergabe der Referentenposten dem Wahlergebnis entsprechend zum Zug zu kommen. Hier braucht es den kompakten Einsatz aller Gewählten und der Orts­obleute aller bäuerlichen Organisationen.
Ich möchte auch gleich nach dem Wahltag alle Ortsbauernräte dazu aufrufen und einladen, die gewählten Mandatare als ihre bäuerlichen Mandatare zu bestätigen und regelmäßig zu Sitzungen und Versammlungen einzuladen. Denn im Zusammenspiel erreichen wir mehr.“

Zusammenhalt war vorbildlich

Für Direktor Siegfried Rinner war der Zusammenhalt von Bauernbund, Bäuerinnen, Bauernjugend und Seniorenvereinigung auf Ortsebene bei diesen Wahlen vorbildhaft. „Darauf kann man bauen. Der Bauernbund möchte auch in Zukunft die bäuerlichen ­Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Referentinnen und Referenten sowie alle Gemeinderäte durch Information und Veranstal­tungen – auch online – unterstützen und begleiten. Vor allem bei der Raumordnung ist der Informationsbedarf sehr groß“, sagt Rinner.