Bauernbund | 24.09.2020

„Viele positive Reaktionen“

Mit Plakaten und Broschüren machen Almbewirtschafter auf die Probleme durch den Wolf aufmerksam. Auch Sandra Graber von der Medalgeshütte im Gadertal machte bei der Sensibilisierungsaktion mit. Im Interview erzählt die Almwirtin von ihren Erfahrungen im Umgang mit Wanderern zum Thema Wolf. von Tobias Egger

Sandra Graber: „Auch viele Kritiker zeigen Verständnis!“

Sandra Graber: „Auch viele Kritiker zeigen Verständnis!“

„Südtiroler Landwirt“: Frau Graber, warum haben Sie bei der Sensibilisierungsaktion zum Thema Wolf mitgemacht? 

Sandra Graber: Wir haben hier auf der Medalgesalm sechs Kühe und fünf Kälber. Von Wolfsangriffen blieben wir bisher zum Glück verschont. Aber auf den benachbarten Almen Antersasc, Campill und natürlich in Villnöß gab es heuer viele Risse. 

Aus Soli­darität den anderen Tierhaltern gegenüber wollten auch wir etwas tun. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung noch mehr auf das Thema aufmerksam wird. Also haben wir das Infomaterial angefragt und auf der Hütte verteilt. 

Wie haben Sie die Plakate und Broschüren genutzt? 

Das Plakat haben wir am Stall aufgehängt, weil es dort am besten sichtbar ist. Die Broschüren haben wir in der Hütte für unsere Gäste aufliegen lassen. 

Meine Familie und ich haben beim Bedienen und Aufschenken bereitwillig über das Wolfsproblem geredet und unsere Sicht als Tierhalter und Almbewirtschafter erklärt.

Wie haben Wanderer und Gäste Ihrer Hütte auf das Wolfsthema und auf die Diskussionen dazu reagiert?

Wir haben ganz viele positive Reaktionen erhalten. Das haben wir uns nicht erwartet! Die allermeisten Einheimischen kennen die schwierige Situation auf den Almen mit dem Wolf. 

Sie sind der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann und etwas passieren muss, um Tiere und Almwirtschaft zu schützen. Gäste von auswärts haben zunächst nachgefragt, wie die Situation bei uns ist. Wir haben dann erfahren, dass andere Regionen die gleichen Probleme mit der Ausbreitung des Wolfes haben.  

Gab es auch Kritik am Plakat?

Einige Familien wollen nicht, dass ihre kleinen Kinder damit konfrontiert werden. Wieder andere halten alle Wölfe für schützenswert. 

Im Gespräch zeigen viele Kritiker aber auch Verständnis für die Situation von uns Tierhaltern, wenn wir gerissene Tiere finden. Man kann schon sagen, dass unsere Argumente wirken. 

Der Wolf nimmt sich leider nicht nur ein Tier für den Hunger, das wäre vielleicht noch zu akzeptieren. Aber er reißt, was er kriegen kann, und lässt die Tiere dann liegen. Diese Angst, auch einmal unsere Tiere so vorzufinden, versuchen wir zu vermitteln.

Welche Einstellung zu Großraubtieren bemerken sie bei den meisten Menschen?

Die Bevölkerung steht hinter der Berglandwirtschaft. Die meisten Menschen haben durchaus Verständnis und sagen, das gehe so nicht weiter mit dem Wolf. Sie sind der Meinung, dass es Zeit ist, dass etwas passiert. Ich frage mich angesichts der steigenden Wolfspopulation: Was machen wir in drei Jahren auf den Almen? Es besteht großer Handlungsbedarf.

Zum Thema 
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Plakate und Broschüre

Um auf die Gefahren für die Almwirtschaft durch den Wolf aufmerksam zu machen, hat der Südtiroler Bauernbund Plakate und eine Broschüre erstellt. Vor allem Wanderer und Almbesucher sollen damit für die Wolfsproblematik sensibilisiert werden. 

Almbewirtschafter konnten die Plakate auf Alm- und Wanderhütten anbringen und die Broschüren für Gäste aufliegen lassen. Ziel war es, den Leuten verständlich zu machen, dass die Wölfe nicht nur ein Problem der Landwirtschaft sind, sondern negative Folgen für alle haben, die gern wandern und die Almlandschaft genießen. Die Sensibilisierungsaktion fand heuer zum zweiten Mal statt und wird voraussichtlich auch im kommenden Jahr wiederholt.