Produktion | 18.09.2020

Geflügel im anerkannten Schlachthof

In den letzten Jahren hat sich in Südtirol die Haltung von Legehennen und Mastgeflügel etabliert. Das hat dazu geführt, dass größere Geflügelmengen (Mastgeflügel und Legehennen am Ende der Karriere) geschlachtet werden müssen. In EU-anerkannten Schlachthöfen gelten aber klare Vorgaben. von "Tierärztlicher Dienst"

Wer Geflügel in einem der drei EU-anerkannten Schlachthöfe schlachten lassen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Wer Geflügel in einem der drei EU-anerkannten Schlachthöfe schlachten lassen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Der Landestierärztliche Dienst und der tierärztliche Dienst des Südtiroler Sanitätsbetriebs haben für die Schlachtung von Geflügel an den EU-anerkannten Schlachthöfen in den Gemeinden Brixen, St. Martin in Passeier und letztlich auch Mals die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. 

Es ist aber sehr wichtig zu unterstreichen, dass es sich dabei um EU-anerkannte Schlachthöfe handelt, die strikten Regeln unterliegen, damit zum einen die Rückverfolgbarkeit der Produkte und zum anderen die sanitäre Sicherheit, insbesondere im Hinblick auf Keime wie Salmonellen und Campylobacter (siehe Informationen ganz unten) in jeglicher Hinsicht garantiert werden können.

Voraussetzungen

Aus diesem Grund gelten bestimmte ­Voraussetzungen für die Möglichkeit der Schlachtung von Geflügel am EU-anerkannten Schlachthof:

  • Geflügel kann am EU-Schlachthof nur abgegeben werden, falls es von einem digital erstellten Modell 4 begleitet wird. Hierfür ist es notwendig, dass auch Punkt 2 und evtl. Punkt 3 erfüllt sind.
  • Der Geflügelbetrieb muss nach den nationalen Bestimmungen mit allen dazu vorgesehenen Daten in der nationalen Datenbank für Geflügel im Vorfeld registriert worden sein.
  • Wo vorgesehen, muss der in der Datenbank registrierte Geflügelbetrieb auch den Bestimmungen des Salmonellenüberwachungsplans entsprechen, und dessen Ergebnisse auch in der Geflügeldatenbank registriert worden sein. Dieser Überwachungsplan ist bei den Produktionstypologien Masthuhn, Truthühner und Legehennen für die Überwachung von Salmonellen im Ursprungsbetrieb verpflichtend vorgesehen.  
  • Das Modell 4 kann auf Anfrage des Tierhalters vom zuständigen Amtstierarzt des Südtiroler Sanitätsbetriebes ausgestellt werden.

Im Allgemeinen ist auch zu berücksichtigen, dass die autorisierten Schlachtkapazitäten der Betriebe limitiert sind und es deshalb wichtig ist, die Schlachtmengen im Voraus mit den Verantwortlichen der Schlachthöfe zu besprechen und zu programmieren.

Die Notwendigkeit, auf diese strengen Maßnahmen zu bestehen, kann aus dem nebenstehenden Informationskasten zur Beschreibung des Vorkommens von Salmonellen und Campylobacter verursachten Lebensmittelerkrankungen entnommen werden.

Die Nutzung eines EU-anerkannten Schlachthofes zur Gewinnung von Geflügelfleisch ist in folgenden Situationen bindend vorgesehen:

  • bei nicht vorwiegendem Verkauf an den Endkonsumenten (mehr als 50 % des Verkaufs an Betriebe);
  • bei Verkauf der Produkte außerhalb der Provinz;
  • bei Verkauf an den Engroshandel oder an EU-Betriebe;
  • wenn die produzierte und evtl. verarbeitete Stückzahl 50 Großvieheinheiten überschreitet (ca. 10.000 Masthühner, 2900 Truthähne).

Sollte es für die Vermarktung von Geflügelfleisch nicht notwendig sein, dass das Fleisch mit der sanitären EU-Stempelung versehen ist, ist es auch möglich, kleinere Mengen von Geflügel direkt am Ursprungsbetrieb zu schlachten und an Endverbraucherinnen und -verbraucher abzugeben. Diese Form der Schlachtung unterliegt anderen Bedingungen, welche in diesem Beitrag nicht behandelt werden. 


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Lebensmittelsicherheit

Europaweites Auftreten von Erkrankungen verursacht durch Salmonella und Campylobacter: Nach Berichten der EFSA (Europäische Autorität für Lebensmittelsicherheit) und des ECDC (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten) ist das Vorkommen von von Salmonellen verursachten Krankheitsfällen in der EU zwar bis zum Jahr 2014 stark gesunken, danach hat sich diese Tendenz aber abgeflacht.
So ist 2018 noch fast jeder dritte lebensmittelbedingte Krankheitsausbruch von Salmonellen verursacht, wobei Salmonella enteritidis der Hauptverursacher ist. Im Jahr 2018 waren in Europa immerhin noch fast 50.000 Menschen betroffen. Somit liegen die von Salmonellen verursachten Infektionen nach den von Campylobacter verursachten Krankheiten, europaweit an zweiter Stelle. Die Situation bei Campylobacter bleibt trotz einer geringeren Todesrate von ca. 0,03 Prozent, bei meist um die ca. 245.000 jährlichen Krankheitsfälle, sehr besorgniserregend. 
Als Hauptverursacher für von diesen Keimen verursachten Krankheiten werden der Verzehr von Eiern, Eiprodukten und Geflügelfleisch herangezogen.