Südtiroler Landwirt, Produktion | 17.09.2020

Agenda 2030: Einzig gangbarer Weg

Nach zwei Jahren harter Arbeit und steten Ringens um einen breiten Konsens hat das Konsortium Südtiroler Wein dieser Tage seine Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt. „Es ist ein erster Schritt, nun müssen weitere folgen“, ist Präsident Maximilian Niedermayr überzeugt. von Renate Anna Rubner

Biodiversität zu fördern ist eine der Maßnahmen der Südtirol Wein Agenda 2030. Foto: Benjamin Pfitscher

Biodiversität zu fördern ist eine der Maßnahmen der Südtirol Wein Agenda 2030. Foto: Benjamin Pfitscher

Sie soll Vision und Fahrplan in die Zukunft der Südtiroler Weinwirtschaft sein: Die Südtirol Wein Agenda 2030 ist die Nachhaltigkeitsstrategie, die vom Konsortium Südtiroler Wein am Dienstag in der Kellerei Bozen vorgestellt wurde. Präsident Maximilian Niedermayr bedankte sich zunächst bei allen, die sich in den letzten beiden Jahren aktiv an ihrer Ausarbeitung beteiligt haben: „Ich danke allen, die mit ihrer Expertise, ihrer Kritik und ihren Anregungen oder auch nur durch ihre moralische Unterstützung mit dazu beigetragen haben, dass diese Agenda entstehen konnte.“ 

Er bezeichnete die Nachhaltigkeitsstrategie als wichtigstes Dokument überhaupt, weil sie die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung der Südtiroler Weinwirtschaft ist. Besonders in der aktuellen Situation, die er als die schwierigste der neuen Südtiroler Weinwirtschaft bezeichnete: „Mit dem Lockdwon wurde der Absatz der heimischen Kellereien praktisch auf den Schlag trockengelegt. Trotz aller Bemühungen und Flexibiliät, die alle Player des Weinsektors an den Tag gelegt haben, liegt ein Großteil des Jahrgangs 2019 noch in den Kellern und Lagern.“ Dabei sei die Agenda nicht die Antwort auf die Krise, vielmehr war sie bereits vor dem Lockdown fertiggestellt und demzufolge aus einer Position der Stärke heraus ausgearbeitet worden.

Logenplatz erobert

„Unsere Betriebe entwickeln sich solide, der Südtiroler Wein hat international ein gutes Image“, sagte Niedermayr. Der Grund dafür sei der seit Jahren konsequent verfolgte Weg der Qualität, den man unbeirrt gegangen sei. „Damit haben wir uns einen Logenplatz erobert“, zeigte sich der Präsident überzeugt. Ein Vorzugsplatz, den es zu bewahren gelte.
Mit der Agenda 2030 sei dies möglich: „Produktqualität ist heute die Voraussetzung um vorne mitspielen zu können. Dabei geht es aber nicht nur um geschmackliche Qualität, denn die wird von Kundinnen und Kunden erwartet“, sagte Niedermayr. Vielmehr gehe es heute um mehr, um die Frage nach der Produktionsqualität: Sie muss im Einklang mit der Natur und mit dem Fokus auf die kommenden Generationen erfolgen, also echt nachhaltig sein.

Fünf Säulen

Über Monate ist die Agenda 2030 Südtirol Wein entwickelt worden: In Zusammenarbeit zwischen dem Konsortium Südtiroler Wein, dem Beratungsring für Obst- und Weinbau, der Eurac, der Freien Universität Bozen und dem Institut Plenum, das durch den Biochemiker und Nachhaltigkeitsexperten Alfred Strigl beteiligt war.
In zahlreichen Gesprächen und Diskussionen mit Weinbäuerinnen und Weinbauern, mit Genossenschaftsvertretern, Kellermeistern, der Handelskammer Bozen und den politischen Vertretern wurde so ein System erarbeitet, das auf den fünf Säulen der Weinwirtschaft basiert: Boden, Reben, Wein, Land und Menschen. Das sind auch die Handlungsfelder, die sich in den verschiedenen konkreten Maßnahmen festschreiben (genauere Infos dazu in der Print-Ausgabe des "Südtiroler Landwirt").

Steiler Weg

Damit diese Nachhaltigkeitsstrategie kein Lippenbekenntnis bleibt und kein Marketinggag, bedürfe es echten Umdenkens. Das eine oder andere wird auch weh tun“, kündigte Niedermayr an. Es werde kein Bereich der Wertschöpfungskette ausgeklammert. „Aber auch wenn die Agenda 2030 uns einiges abverlangen wird, so ist sie ethisch ein Soll und wirtschaftlich ein Muss“, zeigte sich der Präsident des Konsortiums überzeugt. „Sie zeichnet uns einen steilen, steinigen Weg vor, aber es ist der einzig gangbare. Unser Weg in die Zukunft!“ 

Alfred Strigl stellte die fünf Säulen und einige konkrete Maßnahmen der Agenda 2030 vor: Beispielsweise den Verzicht auf mineralische Stickstoffdüngung in den Weinbergen oder die Abkehr von Einweg-Plastik in der Produktion. Auch der Nachhaltigkeitsexperte Strigl zeigte sich vom Gelingen der Agenda überzeugt: Zum einen, weil die ganze Welt in Richtung Nachhaltigkeit voranschreitet und zum anderen, weil Südtirol schon heute als Lern- und Innovationsfeld für Nachhaltigkeit gilt.“ 

Alfred Aberer von der Handelskammer Bozen betonte, wie wichtig die Weinwirtschaft für Südtirol und seine Wirtschaft ist: „5000 Südtiroler Familien arbeiten in diesem Bereich. Er steckt zwar gerade in einer tiefen Krise, steht aber auf einer soliden Basis.“ Auch Nachhaltigkeit sei ein Thema, das die gesamte Wirtschaft betrifft: „Wirtschaftlich hat man kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Nachhaltigkeit ist das langfristigste Ziel.“

Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes, war Mitglied der Arbeitsgruppe, die die Südtirol Wein Agenda 2030 ausgearbeitet hat. Er unterstrich die wichtige Rolle der Weinbäuerinnen und Weinbauern bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie: „Ich bin aber überzeugt, das wird gelingen!“