Südtiroler Landwirt | 07.08.2020

Die Bowl, ein neuer Trend

Wie vieles, was heute Trend ist, kommt die „Bowl“ mit exotischem Namen (und oft exotischen Zutaten) über den großen Teich zu uns. Dabei ist dieses Gericht so vielseitig, wandelfähig und sommerlich leicht, dass es ideal in die Erntesaison in unseren Gärten passt.

Bowls eignen sich bestens zur Resteverwertung und sich auch noch lecker.

Bowls eignen sich bestens zur Resteverwertung und sich auch noch lecker.

Das Wort Bowl (ausgesprochen boul) ist englisch und heißt übersetzt nichts anderes als Schüssel. Die Schüssel ist es auch, die eine Bowl ausmacht. Denn alle Zutaten werden nach dem Baukastenprinzip individuell und optisch attraktiv in einer Schüssel arrangiert. Angenehme Nebeneffekte: Es gibt wenig abzuspülen, alle können sich ihre Schüssel nehmen und spontan ein Picknick machen, und man wird angenehm satt, ohne sich voll zu fühlen. Und noch zwei Vorteile haben Bowls: Weil jede Schüssel separat angerichtet wird, gibt es schier unendliche Variationsmöglichkeiten: Verträgt jemand Tomaten nicht oder mag keine Walnüsse, kann man diese Zutat in der entsprechenden Schüssel einfach weglassen oder ersetzen. Auch für Menschen mit Unverträglichkeiten kann man so unkompliziert Alternativen schaffen. Und: Bowls eignen sich bestens zur Resteverwertung. Ist Reis übrig geblieben oder gedünstetes Gemüse vom Vortag, kann man diese Reste wunderbar in einer Bowl verwerten. 

Aber dazu und zu den vielen Varianten, die Bowls bieten, später. Zunächst soll hier erklärt werden, welche die vier Säulen einer Bowl sind. 

Kohlenhydrate aus Körnern

Egal ob Weizen, Dinkel, Hafer, Hirse oder Buchweizen, im ganzen Korn ist fast alles enthalten, was gesund ist: Ballaststoffe bringen die Verdauung auf Trab, Kohlenhydrate geben Energie, Vitamine und Mineralstoffe, allen voran Vitamine aus der B-Gruppe, Zink, Eisen und Magnesium, stärken die Abwehrkräfte, machen schön und halten fit. 

Beim Zubereiten einer Bowl sollte man zunächst das Getreide kochen. Es braucht, vor allem wenn man die Vollkornvariante wählt, am längsten. Während die Körner kochen bzw. quellen, kann man sich an die übrigen Zutaten der Bowl machen.

Gemüse roh, aus Topf oder Ofen

Rohes Gemüse enthält neben viel Wasser eine breite Auswahl an Vitaminen und Mineralstoffe: Egal ob Radieschen, Tomaten, Sellerie oder Peperoni, jedes Gemüse hat seine ganz besonderen Vorzüge. Deshalb kann man sich für jede Bowl gerade das Gemüse heraussuchen, das gegessen werden soll und gut in die Bowl passt. Wer es saftig süß mag, kann Gemüse auch teilweise durch Obst ersetzen: Mit Äpfeln zum Beispiel, Melone oder Weintrauben wird die Bowl schön fruchtig. Auch Sprossen eignen sich bestens für Bowls.

Manche Gemüse schmecken besser oder sind bekömmlicher, wenn sie gedünstet oder gegrillt werden: Zucchini kann man kurz anbraten, Zuckerschoten und Karotten bissfest dünsten und Melanzane oder Brokkoli im Ofen backen. Auch was Gewürze anlangt, kann man so gut wie alles einsetzen, was man mag: Knoblauch, Peperoncino, etwas Oregano oder Petersilie, so kommt immer wieder eine neue Geschmacksnote in die Schüssel.

Wertvolles Eiweiß 

Eine ideale Ergänzung zu Kohlenhydraten bilden Proteine, die das Gericht abrunden: Das kann kurz angebratenes Fleisch sein oder ein paar Röllchen Speck, ein würziger Schnittkäse oder eine Kugel frische Mozzarella. Was auf keinen Fall fehlen darf, ist das Eiweiß aus Hülsenfrüchten und Nüssen: Linsen, Kichererbsen oder Bohnen können entweder einfach gekocht in der Bowl landen, oder man röstet sie gemeinsam mit dem Gemüse im Ofen: Das ist kein zusätzlicher Aufwand und schmeckt gut. Nüsse liefern neben hochwertigem Eiweiß auch gesunde Fette und sind deshalb Nervennahrung: Erlaubt ist auch hier, was schmeckt, egal ob Wal- oder Haselnüsse, Mandeln oder Pinienkerne.

Zum Schluss die Soße

Zum Schluss braucht es noch eine Soße, die man über die Bowl träufelt: ein Pesto zum Beispiel, ein Joghurtdip oder einfach etwas Zitronensaft, der mit Öl, Salz und ein paar Kräutern auch auf Vorrat im Kühlschrank mehrere Wochen aufbewahrt und immer wieder verwendet werden kann.

 

Eine meiner Lieblings-Bowls

Eine Tasse Hirse mit kaltem Wasser spülen, mit knapp der doppelten Menge Wasser aufkochen und in etwa 20 Minuten auf niedrigster Stufe ausquellen lassen. Etwas salzen, beiseitestellen und auskühlen lassen. Dabei immer wieder mit einer Gabel lockern.

In der Zwischenzeit eine rote Zwiebel in feine Spalten schneiden, zwei rote Peperoni in breitere. Beides auf ein geöltes Blech legen, mit etwas Olivenöl beträufeln, salzen und mischen und im Ofen grillen, bis alles weich ist. Vier Selleriestangen (am besten die hellen, zarten) in Scheiben schneiden, etwa 150 Gramm Schafskäse oder anderen würzigen Käse zerbröseln oder in Stücke schneiden. 

Jetzt kann die Bowl angerichtet werden: in jede der vier Schüsseln mittig etwas von der Hirse häufeln, auf einer Seite den Sellerie, auf der anderen das geröstete Gemüse und auf der dritten den Käse anrichten. Mit ein paar Spritzern Zitronensaft, grob gehackten Walnüssen und einer Soße aus Olivenöl und klein gehackter Petersilie (eventuell auch etwas Knoblauch) abschließen.