Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 09.07.2020

Almwirtschaft gemeinsam schützen

In einer Vereinbarung haben Bauernbund und Landwirtschaftsressort die weitere gemeinsame Vorgehens­weise in Sachen Wolfsmanagement definiert und eine Reihe von konkreten Maßnahmen für das Jahr 2020 ­festgelegt. von Bernhard Christanell

Der kommende Almsommer wird zeigen, ob die Pilotprojekte zum Herdenschutz Wirkung zeigen und die Nutztiere schützen können.

Der kommende Almsommer wird zeigen, ob die Pilotprojekte zum Herdenschutz Wirkung zeigen und die Nutztiere schützen können.

Bevor die Vereinbarung unter Dach und Fach war, hatte es viele intensive Gespräche gegeben – vor allem die Finanzierung der konkreten Maßnahmen für das Jahr 2020 hatte für Diskussionen gesorgt. Schließlich konnten sich Bauernbund und Landesressort auf drei Schwerpunkte einigen: den Schutzstatus des Wolfes international zu senken, ein klares Vorgehen bei Wolfsrissen und Maßnahmen für den Herdenschutz.

Landesrat Arnold Schuler verspricht: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass das Südtiroler Berg- und Almgebiet als sensibles Gebiet ausgewiesen wird.“ So wolle man auf Ebene der Alpenregionen einen Managementplan für den Wolf erstellen und gemeinsam eine Integration im sogenannten „Piano lupo“ erreichen.

Bauernbund: Mehr Zuständigkeit an Land Südtirol

Laut Schuler will man sich aber auch auf EU- und staatlicher Ebene für eine bessere rechtliche Basis einsetzen. Dies soll die Möglichkeit schaffen, Gebiete festzulegen, in denen der Schutzstatus des Wolfes aufgrund der intensiven Bewirtschaftung und Beweidung gesenkt werden kann und somit Entnahmen möglich sein werden.

Bauernbund-Landesobmann Tiefenthaler fordert erneut: „Sensible Gebiete sollten grundsätzlich wolfsfrei bleiben und die Zuständigkeit für die Umsetzungsmaßnahmen der genannten Ziele soll dem Land Südtirol übertragen werden.“ Weiters soll eine Studie über die Sensibilität des alpinen Lebensraumes und die Auswirkungen des Auftretens des Wolfes auf Artenvielfalt, Landwirtschaft und Tourismus erstellt werden.

Neben diesen Zielen werden mit der Vereinbarung auch konkrete Maßnahmen für das Jahr 2020 festgelegt: Ein zentraler Punkt sind dabei die geplanten Pilotprojekte für den Herdenschutz auf Almen. Sie sind vor allem dort geplant, wo nachgewiesenermaßen der Wolf präsent ist: Ausgewählt wurden die Schlanderser Alm, die Kirchberg Alm, die Möltner Kaser, die Cisloner Alm, die Plosachalm, die Tramanzalm, die Do Rönn, die Kapplerkassa, die Nemesalm und die Klammbachalm. Die Kosten für Material und Personal für diese Projekte übernimmt die Landesverwaltung zu 100 Prozent.

Außerdem werden zusätzliche Hirten auf den Almen benötigt. Die Ausbildung der Hirten soll laut Vereinbarung durch die öffentliche Hand gefördert werden, wobei in den Folgejahren die gesammelte Erfahrung aus den Pilotprojekten einfließen soll. Das Land Südtirol übernimmt das Monitoring, zu dem auch das Aufstellen von Kameras gehört. Die Besitzer der betroffenen Gebiete werden darüber informiert, dass Kameras zur Überwachung aufgestellt werden.

Nach einer gemeldeten Wolfssichtung oder einem Wolfsriss sollen Gruppen, bestehend aus Hirten, Landwirten oder Helfern und Bediensteten der Abteilung Forstwirtschaft eingesetzt werden, die schnell vor Ort sind, um die Unversehrtheit der Herdentiere zu gewährleisten und die Erhebungen aufnehmen zu können.

Nach einem vermutlichen Wolfsriss soll bei erwiesener Notwendigkeit die Urheberschaft durch eine DNA-Analyse möglichst innerhalb 30 Tagen geklärt werden. Die DNA-Proben bzw. die Identität der festgestellten Wölfe wird mindestens alle drei Monate in einem öffentlichen Bericht oder Teilbericht zugänglich gemacht. Nach einem festgestellten Wolfsriss soll eine schnellere Auszahlung der Beiträge möglichst innerhalb 30 Tagen garantiert werden. Schäden durch Risse an Weidetieren werden bei einer nachgewiesenen Präsenz des Wolfes oder Bärs und einem positiven Gutachten der zuständigen Behörde entschädigt.

Es soll ein transparenter Umgang mit den Informationen rund um den Wolf gewährleistet werden. Das Amt für Bergwirtschaft und das Amt für Jagd und Fischerei garantieren daher laut Vereinbarung eine noch intensivere Beratung und geben vermehrt Informationen an die Bevölkerung weiter, wo Wölfe gesichtet worden sind.