Steuerberatung | 11.06.2020

Steuerliche Neustart-Bestimmungen

Die staatliche Notverordnung „Decreto Rilancio“ enthält eine Reihe von steuerlichen Bestimmungen, die auch für die Landwirtschaft interessant sind.

Für Gesichtsmasken am Arbeitsplatz erhalten Unternehmen einen Steuerkredit. Foto: Pisauikan, Pixabay

Für Gesichtsmasken am Arbeitsplatz erhalten Unternehmen einen Steuerkredit. Foto: Pisauikan, Pixabay

Um der entstandenen Wirtschaftskrise aufgrund der Quarantänemaßnahmen entgegenzutreten und Liquiditätsmittel in Umlauf zu bringen, hat der italienische Gesetzgeber mehrere Notverordnungen erlassen. Die jüngste Notverordnung hat den verheißungsvollen Namen „Notverordnung für den Neustart“ („Decreto rilancio“) erhalten und enthält zahlreiche Bestimmungen.

Verlustbeiträge 

Unternehmern mit Erlösen bzw. Umsätzen unter fünf Millionen Euro im Jahr 2019 steht ein Verlustbeitrag zu. Voraussetzung für den Verlustbeitrag ist ein Umsatzrückgang im Monat April 2020 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres 2019 um mindestens 33 Prozent. Kein Umsatzrückgang ist nachzuweisen, wenn die Tätigkeit ab dem 1. Jänner 2019 begonnen wurde. Die Beiträge stehen auch Landwirtschaftsbetrieben zu und sind je nach Höhe der Erlöse gestaffelt (siehe Tabelle). Auf jeden Fall beläuft sich der Verlustbeitrag auf mindestens 1000 Euro.

Dazu ein Beispiel: Bei einem Umsatz im April 2019 von 10.000 Euro und einem Umsatz im April 2020 von 6.500 Euro beläuft sich der Verlustbeitrag auf 700 Euro (3500 Euro x 20 Prozent), falls der Gesamtumsatz 2019 unter 400.000 Euro betragen hat. Somit steht der Mindestbetrag von 1000 Euro zu.

Falls die Begünstigung nicht zusteht, fallen Strafen von 100 bis 200 Prozent des erschlichenen Betrages an. Diese Strafe kann nicht reduziert werden. Außerdem droht eine Strafanzeige.

Rilancio

Einkommenszuschuss 600 Euro 

Der für den Monat März vorgesehene Zuschuss von 600 Euro für Kaufleute, Handwerker, Landwirte und auch bestimmte Freiberufler wird nun auch für den Monat April ausbezahlt. Es muss kein erneutes Ansuchen gestellt werden.

Aufwertung Baugrund

Die Möglichkeit zur Aufwertung von Baugrund und Bauerwartungsland (sowie zur Aufwertung von Beteiligungen an Personengesellschaften) wird nun zusätzlich auf den Aufwertungszeitpunkt zum 1. Juli 2020 ausgeweitet. Die Bezahlung der Ersatzsteuer von elf Prozent und die Durchführung der Aufwertung muss in diesem Fall innerhalb 30. September 2020 erfolgen. 

Falls jemand eine Aufwertung zum Stichtag 1. Jänner 2020 vornimmt bzw. bereits vorgenommen hat, muss die Bezahlung der Ersatzsteuer von elf Prozent und die Durchführung der Aufwertung weiterhin innerhalb 30. Juni 2020 erfolgen.

Steuerbonus von 110 Prozent für Energiesparmaßnahmen

Für Spesen für thermische Isolierungen und den Austausch von Zentralheizungen durch energieeffiziente Heizungen (Heizungen mit Wärmepumpen oder mit Kondensation, Hybrid oder Geothermie), welche zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 31. Dezember 2021 bezahlt werden, ist ein Steuerkredit in Höhe von 110 Prozent vorgesehen. Voraussetzung ist, dass sich die Einstufung bezüglich Energiehaushalt des Gebäudes um zwei Klassen verbessert (bzw. die höchste Energieklasse erreicht). Der Steuerabsetzbetrag wird auf fünf Jahresraten aufgeteilt und gilt bis zu einer Höchstgrenze des Absetzbetrages von 60.000 Euro pro Immobilieneinheit für die thermische Isolierung und 30.000 Euro pro Immobilieneinheit für den Austausch von Zentralheizungen.

Der neue Steuerabsetzbetrag von 110 Prozent ist vorgesehen für die Gemeinschaftsteile von Immobilien sowie für Einfamilienhäuser, welche als Hauptwohnung genutzt werden. Einfamilienhäuser, die als Zweitwohnung ge­nutzt werden, sind demnach ausgeschlossen. 

Falls andere Arbeiten für Energiesparmaßnahmen bzw. die Installation von spezifischen Fotovoltaikanlagen im Zusammenhang mit den begünstigten Eingriffen für den Steuerkredit von 110 Prozent beansprucht werden, werden auch diese Eingriffe für den erhöhten Absetzbetrag von 110 Prozent berücksichtigt. Für den Steuerabsetzbetrag von 110 Prozent müssen von einem berechtigten Techniker verschiedene Zertifizierungen und Bestätigungen eingeholt werden.

Rabatt oder Weiterverkauf von Steuerkredit für Immobilien

Damit die Steuerpflichtigen den Vorteil der verschiedenen Steuerkredite auf Immobilien sofort nutzen können, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit zum Verkauf des Steuerabsetzbetrages und die Gewährung eines Rabatts direkt beim Kauf auf folgende Eingriffe ausgeweitet: 

  • alle Eingriffe für den neuen Steuerabsetzbetrag von 110 Prozent;
  • alle Eingriffe für Energiesparmaßnahmen;
  • Eingriffe für die normalen Sanierungsmaßnahmen;
  • Eingriffe für den neuen Fassadenbonus;
  • Eingriffe für die Installation von Fotovoltaikanlagen.

Der Weiterverkauf des Steuerabsetzbetrages kann wie in der Vergangenheit an die Lieferanten sowie nun neu auch an Banken und andere Kreditinstitute erfolgen. 

Es braucht einen Bestätigungsvermerk eines Steuerberaters oder eines Verantwortlichen eines Steuerbeistandszentrums, welcher das Anrecht auf den Steuerabsetzbetrag bestätigt. Die Option für den Rabatt direkt beim Verkauf bzw. für den Weiterverkauf des ­Steuerabsetzbetrages muss auf telematischem Weg der Agentur der Einnahmen mitgeteilt werden. 

Im Falle einer Kontrolle und einer Aberkennung des Steuerabsetzbetrages haftet ausschließlich der Steuerpflichtige, welcher ursprünglich den Steuerabsetzbetrag beantragt hat.

Terminaufschub auf den 16. September 

Die Zahlungsaufschübe im März, April und Mai werden auf den 16. September ausgedehnt. Die Zahlungen können einmalig oder in vier gleichen monatlichen Raten ­nachgeholt werden. Betroffen sind beispielsweise die MwSt.-Zahlungen von 16. April und 18. Mai 2020. Damit die Terminverschiebung bis zum 16. September 2020 beansprucht werden kann, muss ein Umsatzrückgang im laufenden Monat im Vergleich zum Vorjahresmonat von mindestens 33 Prozent nachgewiesen werden.

Wertschöpfungssteuer IRAP 

Steuerpflichtige, welche 2019 Erlöse nicht über 250 Millionen Euro erwirtschaftet haben, schulden keine Saldozahlung IRAP für 2019 und keine erste Akontozahlung IRAP für 2020.

Anpassungen von Arbeitsumfeld und Produktionsprozessen

Für bestimmte Unternehmer und Freiberufler (Gasthäuser, Hotels, Restaurants, Kinos, Theater, Museen, Freizeitanlagen, sowie für Privatzimmervermieter, Urlaub am Bauernhof und Buschenschänke) steht ein Steuerkredit in Höhe von 60 Prozent auf den 2020 getragenen Spesen bis höchstens 80.000 Euro zu, welche dazu dienen, öffentlich zugängliche Räume und Geschäftsflächen wie ­Eingänge oder Warteräume gegen die Ansteckungsgefahr durch das Virus abzusichern. Es handelt sich hier um Anpassungen der Räumlichkeiten sowie Systeme für Sicherheit und Zugangskontrolle.

Der Steuerkredit kann mittels Verrechnung mit F24 beansprucht werden, kann aber auch an Banken und Kreditinstitute weiterverkauft werden. Der Steuerkredit ist kumulierbar mit anderen Steuerkrediten. 

Anpassungen zur Vermeidung der Ausbreitung von Covid-19 

Unternehmen und Freiberuflern steht für das Jahr 2020 ein Steuerkredit in Höhe von 60 Prozent auf Spesen bis höchstens 60.000 Euro zu, welche dazu dienen, die Arbeitsplätze zu desinfizieren, die sanitären Vorschriften zu befolgen und die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern. 

Betroffene Spesen dieses Steuerkredites sind z. B. der Ankauf von Desinfektionsmitteln, Gesichtsmasken, Handschuhen, Gesichtsschutz, Thermoscanners zum Fiebermessen, Installation von Schutzvorrichtungen am Arbeitsplatz.

Der Steuerkredit zählt nicht zum besteuerbaren Einkommen und kann mittels Verrechnung mit F24 beansprucht werden. Es gilt auch die Möglichkeit zum Weiterverkauf des Steuerkredites an Banken und Kredit­institute. 

Steuerkredit auf Mieten 

Für Unternehmen und Freiberufler mit Erlösen nicht über fünf Millionen Euro im Jahr 2019 wird ein Steuerkredit von 60 Prozent auf Mieten oder Leasing-Raten für gewerbliche Immobilien gewährt, welche der Ausübung der eigenen Tätigkeit dienen. 

Der Steuerbonus wird auf die gezahlten Mieten der Monate März, April und Mai 2020 berechnet. Voraussetzung ist, dass im betreffenden Monat 2020 gegenüber dem gleichen Monat 2019 ein Umsatzrückgang von mindestens 50 Prozent stattgefunden hat.

Der Steuerbonus kann mittels F24 kompensiert werden. Er unterliegt nicht der Einkommenssteuer und der IRAP. Der Steuerkredit kann auch an den Vermieter nach Gewährung eines Abzuges von der Miete abgetreten werden. Für die Umsetzung ist eine entsprechende Verordnung nötig.

Telematische Tageseinnahmen

Bis zum 1. Jänner 2021 werden keine Strafen angewandt, wenn die Tageseinnahmen telematisch innerhalb des Folgemonats übermittelt werden. Es können also bis Jahresende weiter Steuerbelege und Kassabelege ausgestellt werden, sofern das Register der Tageseinnahmen weitergeführt wird und innerhalb dem Folgemonat die telematische Mitteilung der Einnahmen an die Agentur der Einnahmen erfolgt.

Steuerkredit für Urlaub im zweiten Halbjahr 2020

Der Steuerkredit für Urlaub steht Familien mit einem ISEE-Einkommen bis zu max. 40.000 Euro zu. Der Urlaub muss im Zeitraum zwischen 1. Juli und 31. Dezember 2020 beansprucht werden.

Der Steuerkredit kann insgesamt nur einmal pro Familie und nur für einen Urlaub beansprucht werden und beträgt max. 500 Euro. Für Familien bis zu zwei Personen reduziert sich der Betrag auf 300 Euro, für einzelne Personen auf 150 Euro. 

Neben Hotels und Gasthäusern steht der Steuerkredit auch für Urlaub auf dem Bauernhof und Privatzimmervermieter zu. Der Urlaub darf allerdings nicht über einen Internetvermittler (z. B. Airbnb, Booking, tripadvisor usw.) gebucht werden. Andere Reisevermittler (Reisebüro und „Tour Operator“) sind hingegen zugelassen.

Der Steuerkredit wird zu 80 Prozent als Preisnachlass direkt beim Urlaubsanbieter gewährt, wobei der Urlaubsanbieter einverstanden sein muss. Die restlichen 20 Prozent können als Steuerkredit über die Steuererklärung beansprucht wer-­den.

Der Urlaubsanbieter kann den gewährten Preisnachlass als Steuerkredit über F24 verrechnen bzw. kann den Steuerkredit auch weiterverkaufen, wobei der Weiterverkauf auch an Banken erlaubt ist. 

Dazu ein Beispiel: Der Gast bucht einen Urlaub von 1100 Euro und hat Anrecht auf einen Steuerkredit für Urlaub von 500 Euro. 80 Prozent des Steuerkredites (also 400 Euro) kann der Gast direkt beanspruchen, er zahlt somit 700 Euro. Der Urlaubsanbieter kassiert die 400 Euro über die Verrechnung mit F24 vom Staat. Der Gast kann seinerseits
100 Euro (20 Prozent von 500 Euro Steuerkredit für Urlaub) in seiner Steuererklärung 2021 für 2020 verrechnen.