Südtiroler Landwirt, Steuerberatung | 16.04.2020

Spesen von der Steuer absetzen

In der Steuererklärung kann man einige Spesen der persönlichen Lebensführung anrechnen und so die geschuldete Einkommenssteuer reduzieren. Die Bauernbund-Steuerberatung fasst die Möglichkeiten zusammen.

Spesen für Energiesparmaßnahmen sind weiterhin steuerlich absetzbar. Foto: Manfred Richter, Pixabay

Spesen für Energiesparmaßnahmen sind weiterhin steuerlich absetzbar. Foto: Manfred Richter, Pixabay

Vorausgeschickt eine Erinnerung zur aktuellen Lage: Aufgrund der derzeitigen Situation ist es nicht möglich, wie gewohnt die Außendienste abzuhalten, bei welchen die Unterlagen und Dokumente zur Erstellung der Steuererklärung eingeholt werden. 

Die Mitarbeiter der Bauernbund-Steuerberatung werden sich bei allen betroffenen Mitgliedern melden, sobald sie in der Lage sind, die Erklärung abzufassen.

Zu beachten ist, dass der einzelne Steuerpflichtige von den Spesen der persönlichen Lebensführung auch keinen steuerlichen Vorteil erzielen kann, falls er überhaupt keine Einkommenssteuer zahlen muss. In der Landwirtschaft ist dies häufig der Fall. 

Für die Absetzbarkeit dieser Spesen gelten eine Reihe von allgemeinen Bedingungen. Die Spesen müssen im Steuerjahr vom Steuerpflichtigen bezahlt und auch im eigenen Interesse tatsächlich getragen worden sein. 

Spesen belegen

Werden etwa Spesen von Dritten zurückerstattet (z. B. im Falle von Beiträgen seitens der Landesverwaltung oder Rückerstattungen durch die Sanitätseinheit) sind diese nicht absetzbar, da sie dem Steuerpflichtigen nicht effektiv zulasten sind. Die Spesen müssen in geeigneter Form belegt werden (z. B. mittels Rechnung, Steuerbeleg oder Posterlagschein).

Die wichtigsten Spesen

Nachfolgend eine Auflistung der am häufigsten vorkommenden absetzbaren Spesen:

Arztspesen: Absetzbar in Höhe von 19 Prozent sind Arztspesen wie allgemeine Arztleistungen, chirurgische Eingriffe, Krankenhausaufenthalte, Arztleistungen eines Spezialisten, sanitäre und zahnärztliche Prothesen, Medikamente (Steuernummer, Art und Menge auf dem Spesenbeleg), ärztliche Untersuchungen und Spesen für Pflegepersonal und anderem autorisierten Personal für besondere Dienste (Pflege, Rehabilitation). Von den gesamten Arztspesen muss ein Sockelbetrag von 129,11 Euro abgezogen werden. Der Absetzbetrag gilt auch für zulasten lebende Personen.

Darüber hinaus sind für Personen mit Behinderung noch die speziellen Spesen in Zusammenhang mit der Behinderung abziehbar. Dazu zählen der Kauf von Rollstühlen, Rollstuhlrampen, Umbau von Aufzügen für Rollstühle, Kauf von Motor- und Autofahrzeugen (auch nicht speziell angepasste Fahrzeuge für den Transport von Blinden und Taubstummen), Kauf eines Blindenhundes.

Zinsen aus Hypothekardarlehen: Die Zinsen und andere Spesen aus Hypothekardarlehen sind für den Kauf der Erstwohnung bis zu einem Maximalbetrag von 4000 Euro bzw. für den Bau der Erstwohnung bis zu einem Maximalbetrag von 2582,28 Euro in Höhe von 19 Prozent von der Steuer absetzbar. Zusätzlich gelten weitere Bedingungen, die im Einzelfall zu prüfen sind. 

Zinsen aus Agrarkrediten: Zinsen aus Agrarkrediten können in Höhe von 19 Prozent bis maximal zur Höhe der erklärten Katastererträge abgesetzt werden. Im Falle der Befreiung von der Besteuerungspflicht der Katasterwerte für bauernversicherte Landwirte können die Zinsen nicht abgezogen werden.

Lebens- und Unfallversicherungen: Lebens- und Unfallversicherungen sind in Höhe von 19 Prozent steuerlich absetzbar, falls sie den Todesfall oder bleibende Invalidität von mindestens fünf Prozent abdecken. Der Absetzbetrag gilt bis zu einem Höchstbetrag von 530 Euro und kann auch für zulasten lebende Personen beansprucht werden. Für Versicherungen zur Absicherung der Betreuungs­bedürftigkeit bei den gewöhnlichen und ­täglichen Verrichtungen (Pflegeversicherungen – „Long term care“) gilt die alte Höchstgrenze in Höhe von 1291,14 Euro. Lebens- und Unfallversicherungen zum Schutz von behinderten Personen können bis zu einem Betrag von 750 Euro von der Steuer abgesetzt werden.

Bestattungsspesen: Bestattungsspesen können in Höhe von 19 Prozent bis höchstens 1550 Euro für jeden Todesfall abgesetzt werden. Die verstorbene Person muss nicht verwandt oder verschwägert sein.

Spesen für Einschreibegebühren in Amateursportvereinen: Für die jährlichen Einschreibegebühren bzw. Abonnements in Schwimmbädern, Turnhallen oder anderen Sportanlagen für zulasten lebende minderjährige Kinder zwischen fünf und 18 Jahren (Jahrgänge 2000–2014) für die Ausübung eines Amateursports kann auf maximal 210 Euro pro Kind ein Absetzbetrag in Höhe von 19 Prozent beansprucht werden. 

Schulgebühren für Grund-, Mittel- und Oberschulen sowie Kindergärten: Die Schulgebühren für Grund-, Mittel- und Oberschulen, sowie für die entsprechenden Gebühren für Kindergärten sind in Höhe von 19 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 800 Euro pro Jahr und pro zulasten lebendes Kind von der Bruttosteuer absetzbar. Zu den absetzbaren Schulspesen zählen die Einschreibegebühren („Tassa di iscrizione“), die Gebühren für den Besuch („Tassa di frequenza“) und die Spesen für den Mensadienst („Spese per la mensa scolastica“).

Einschreibegebühren für Kinderhorte und Tagesmutterdienst: Die bezahlten Einschreibegebühren für den Besuch von öffentlichen und privaten Kinderhorten sind in Höhe von 19 Prozent bis maximal 632 Euro pro Kind absetzbar. Der Absetzbetrag gilt auch für den in Südtirol angebotenen Tagesmutterdienst.

Studiengebühren öffentlicher und privater Institutionen: Studiengebühren können in Höhe von 19 Prozent von der Bruttosteuer abgesetzt werden. Die Gebühren von privaten und ausländischen Institutionen dürfen allerdings nur maximal in Höhe der Gebühren der öffentlichen Institutionen abgesetzt werden. Mit eigenem Ministerialdekret werden jedes Jahr die maximal absetzbaren Spesen pro Studiengang für private und ausländische Universitäten festgelegt. Der Absetzbetrag gilt auch für zulasten lebende Personen.

Spesen für Abonnements an öffentlichen Verkehrsmitteln: Die Spesen für Abonnements an öffentlichen Verkehrsmitteln können für sich selbst bzw. für zu Lasten lebende Personen in Höhe von 19 Prozent bis maximal 250 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Für das Abonnement in der Provinz Bozen kann eine entsprechende Bestätigung der getragenen Spesen über die Internetseite des Amtes für Personenverkehr eingeholt werden.

Spesen für Mieten von Universitätsstudenten: Die Wohnungsmieten für Universitätsstudenten, welche steuerlich zulasten sind und an einer Universität außerhalb der Provinz und mindestens 100 Kilometer vom Wohnort entfernt studieren, können bis maximal 2633 Euro in Höhe von 19 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Der Absetzbetrag gilt auch für Mietspesen im Ausland. Für Studenten mit Wohnsitz im Berggebiet gilt ab 2019 keine Ausnahmeregelung mehr (zuvor musste die Universität mindestens 50 Kilometer entfernt sein).

Tierarztspesen: Für Haustiere und Tiere, die zur Ausübung eines Sports vorgesehen sind, können Tierarztspesen sowie die vom Tierarzt verschriebenen Medikamente bis maximal 387,34 Euro und einem Sockelbetrag von 129,11 Euro in Höhe von 19 Prozent abgesetzt werden. Keinen Absetzbetrag erhält man für Tierarztspesen für Tiere, welche landwirtschaftlich oder gewerblich genutzt werden.

Freiwillige Zuwendungen (Spenden): Freiwillige Zuwendungen (Spenden) können wie in Tabelle 1 angegeben, abgesetzt oder abgezogen werden, sofern sie zugunsten bestimmter Institutionen getätigt werden.

Pflichtbeiträge zur Bauernversicherung: Pflichtbeiträge zur Bauernversicherung können vom Gesamteinkommen abgezogen werden. Abziehbar sind sowohl der Teil der ­Sozialabgaben als auch der Teil der Unfallversicherung. Nicht abziehbar sind die Sozialabgaben für landwirtschaftliche Angestellte. Erfolgt eine Rückerstattung seitens der Region, ist dieser Anteil nicht anrechenbar. 

Sozialabgaben der Handwerker und Kaufleute: Sozialabgaben der Handwerker und Kaufleute sind vom Gesamteinkommen abziehbar. 

Freiwillige Versicherungsbeiträge: Freiwillige Versicherungsbeiträge (z. B. Nachkauf der Studien- oder Militärjahre) sind vom Gesamteinkommen abziehbar.

Periodische Unterhaltszahlungen an den Exehepartner: Periodische Unterhaltszahlungen sind in der laut dem Gerichtsurteil festgesetzten Höhe abziehbar. Freiwillige Zuwendungen an den Exehepartner und die Zahlungen für den Unterhalt der Kinder dürfen nicht berücksichtigt werden. Der begünstigte Exehepartner muss die erhaltenen Unterhaltszahlungen besteuern. 

Beiträge an Zusatzrentenfonds: Beiträge an Zusatzrentenfonds können bis maximal 5164,57 Euro abgezogen werden. Falls die Beiträge nicht abgezogen werden und der Steuerpflichtige dies dem Rentenfonds innerhalb Dezember des Folgejahres auch mitteilt, werden die in Kapital- oder Rentenform ausbezahlten Beträge nicht besteuert. Der Absetzbetrag gilt auch für zulasten lebende Personen. Falls die Beiträge an Zusatzrentenfonds bereits vom Arbeitgeber berücksichtigt worden sind, können diese nicht nochmals in der Steuererklärung in Abzug gebracht werden.

Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten: Der Steuervorteil für Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten kann für folgende Arbeiten beansprucht werden:

  • außerordentliche Instandhaltungsarbeiten;
  • Sanierungs- und Wiedergewinnungsarbeiten;
  • Ankauf einer renovierten Wohnung (25 Prozent des Kaufpreises);
  • Ankauf oder Bau von Garagen bzw. Autoabstellplätzen, welche Zubehör zu einer Wohnung sind;
  • Eingriffe an Gebäuden zur Verbesserung der Einbruchs- und Unfallvorsorge;
  • Eingriffe zur Beseitigung von architektonischen Barrieren;
  • Eingriffe für Energiesparmaßnahmen;
  • Eingriffe zum Wiederaufbau nach Naturkatastrophen.

Für Eingriffe bis zum 31. Dezember 2020 wurden der Absetzbetrag von 36 Prozent auf 50 Prozent und der Maximalbetrag für die Spesen von 48.000 Euro auf 96.000 Euro erhöht. Die Spesen müssen auf insgesamt zehn Raten aufgeteilt werden.

Es ist darauf zu achten, dass alle notwendigen Ansuchen (z. B. an das Landesamt für Sicherheitstechnik) getätigt worden sind und alle weiteren vorgesehenen Vorschriften ein-gehalten werden. 

Ankauf von Möbeln und Elektrogeräten für sanierte Wohnungen: Steuerpflichtige, welche den Steuerabsetzbetrag für Sanierungsarbeiten am Wohngebäude beansprucht haben, haben die Möglichkeit, für die sanierte Wohnung einen zusätzlichen Absetzbetrag für den Ankauf von Möbeln und energieeffizienten Elektrogeräten zu beanspruchen. Der zusätzliche Absetzbetrag in Höhe von 50 Prozent kann bis zu einem Maximalbetrag von 10.000 Euro pro Wohneinheit (inklusive Nebeneinheiten) beansprucht werden. 

Spesen für Energiesparmaßnamen: Der Steuerabsetzbetrag für Energiesparmaßnahmen in Höhe von 65 Prozent gilt bis 31. Dezember 2020 und kann auf zehn Raten aufgeteilt werden. Der Absetzbetrag gilt bis zu einem Höchstbetrag laut Tabelle 2.

Für einige Eingriffe für Energiesparmaßnahmen wird der Absetzbetrag ab 1. Jänner 2018 von 65 Prozent auf 50 Prozent reduziert: Austausch von Isolierfenstern, Installation von Sonnenschutzsystemen, Austausch einer Heizanlage mit Brennwertkessel und Installation einer Heizanlage mit Biomasse.

Um in den Genuss des Steuerabsetzbetrages von 65 Prozent zu gelangen, ist kein eigenes Ansuchen im Vorfeld der Eingriffe notwendig. Innerhalb von 90 Tagen nach Abschluss der Arbeiten müssen abhängig von den durchgeführten Arbeiten verschiedene Zertifizierungen und Dokumente telematisch über ein Internetportal an die ENEA geschickt werden.

Außerdem benötigt der Steuerpflichtige eine eidesstattliche Erklärung von einem berechtigten Techniker über die Einhaltung der technischen Voraussetzungen des Eingriffs, welche zu Hause aufbewahrt und auf Verlangen der Finanzbehörde vorgewiesen werden muss.

Pachtverträge von bauernversicherten Junglandwirten unter 35 Jahren: Für landwirtschaftliche Pachtverträge, welche von bauernversicherten Landwirten unter 35 Jahren abgeschlossen worden sind, steht ein Absetzbetrag in Höhe von 19 Prozent zu. 

Der Absetzbetrag steht bis zu einem Betrag von 80 Euro pro Hektar und insgesamt bis maximal 1200 Euro zu. Der entsprechende Pachtvertrag muss in schriftlicher Form abgeschlossen werden, und die Pachtflächen dürfen nicht den Eltern des Pächters gehören.  




Zweckbestimmung 8, 5 und 2 Promille

Im Zuge der Erstellung der Steuererklärung kann man entscheiden, wie ein Teil der Einkommenssteuer zweckgebunden verwendet werden soll. 
Acht Promille des Steueraufkommens kann man mit der Unterschrift z. B. der katholischen Kirche, dem Staat (heuer erstmals mit Auswahlmöglichkeit: Hunger in der Welt, Umweltkatastrophen, Schulbildung, Flüchtlingshilfe oder Kulturgüter) oder anderen religiösen Einrichtungen zukommen lassen.

Bäuerliche Hilfsorganisationen unterstützen

Weitere fünf Promille kann man einer Organisation seiner Wahl aus den Bereichen Volontariat, Forschung im Gesundheitswesen, wissenschaftliche Forschung/Universitäten, Amateursportvereine oder soziale Tätigkeit der Wohnsitzgemeinde zuweisen. 
Damit die Zuweisung der fünf Promille an die auserwählte Organisation durchgeführt werden kann, muss in der jeweiligen Steuererklärung die Steuernummer der Organisation angegeben werden. Zu den vorgenannten Organisationen zählen beispielsweise auch der Bäuerliche Notstandsfonds (Steuernummer: 94025800213), der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (Steuernummer: 94058610216) und die Sozialgenossenschaft der Südtiroler Bäuerinnenorganisation (Steuernummer: 02524920218).
Die Zweckbestimmung fünf Promille bezieht sich auf die eigene Bruttosteuer, d. h., falls keine Steuerschuld vorhanden ist, hat dies keine Auswirkungen auf die Zuweisung der fünf Promille. 
Zwei Promille kann man einer politischen Partei, welche im italienischen Parteienregister eingetragen ist, zuweisen. Von den politischen Parteien in Südtirol ist nur die Südtiroler Volkspartei (SVP) betroffen. Auch hier gilt: Die Zweckbestimmung zwei Promille bezieht sich auf die eigene Bruttosteuer, d. h., falls keine Steuerschuld vorhanden ist, hat dies keine Auswirkungen auf die Zuweisung der zwei Promille. 
Die Unterschrift für die Zweckbestimmung der acht, fünf und zwei Promille der Einkommenssteuer kann für die Steuererklärungen des Südtiroler Bauernbundes beim Außendienst zum Einholen der Steuererklärungen geleistet werden.