Bauernbund | 09.04.2020

Krise ist Chance für den ländlichen Raum

In der aktuellen Coronakrise sieht die Plattform Land auch Chancen für den ländlichen Raum. Das Bewusstsein für lokale Kreisläufe und für funktionierende Basisdienste, wie Gesundheitsvorsorge, Pflege, Nahversorgung oder schnelles Internet, steigt in dieser Zeit deutlich. Nun sind weitere konkrete Unterstützungen notwendig.

Die Coronakrise kann eine Chance für den ländlichen Raum sein, hofft die Plattform Land.

Die Coronakrise kann eine Chance für den ländlichen Raum sein, hofft die Plattform Land.

Der Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer, begrüßt das Wirtschafts- und Sozialpaket der Südtiroler Landesregierung für Arbeit, Wirtschaft, Familien und Ehrenamt. „Wichtig ist eine ausbalancierte Verteilung der Hilfen zwischen den unterschiedlichen Gruppen in der Bevölkerung unter besonderer Berücksichtigung der Familien mit Kindern, denen bis auf Weiteres Betreuungsmöglichkeiten für diese fehlen.“

Digitalisierungsschub und neue Formen der Zusammenarbeit?
Gute Chancen nach der Krise sieht die Plattform Land für junge, auf neue Formen der Zusammenarbeit setzende Unternehmen und sektorenübergreifende Initiativen. Derzeit haben bestehende junge Unternehmen aber besonders unter der Krise zu leiden, da sie häufig noch kaum Rücklagen bilden konnten. Angesichts der kollektiven Homeoffice-Erfahrung für viele Menschen ist zudem ein Digitalisierungsschub zu erwarten. Dafür muss nun jedoch mit Hochdruck die „letzte Meile“ beim schnellen Internet verwirklicht und, sofern Glasfaser nicht möglich oder sinnvoll ist, passgenaue Funklösungen für abgelegene Fraktionen, Weiler und Höfe realisiert werden, damit auch digital niemand zurückbleibt. Jeder Haushalt und jeder Betrieb in Südtirol soll die gleichen Chancen haben.        

Mehr Geld für Co-working-spaces

Ein Beispiel für die Zukunft sind die Co-working-spaces in Südtirol. Diese erst vor kurzem etablierten, auf Zusammenarbeit angelegten Arbeitsplattformen stärken dank der Digitalisierung die Arbeitsmöglichkeiten im ländlichen Raum. Erst im Februar hat der Landtag einen Beschluss zwecks Unterstützung derselben gefasst. „Hier brauchen wir eine zeitnahe Unterstützung, etwa durch einen Zuschuss zu den Führungskosten für die ersten Jahre.“

Öffentliche Ämter in die Peripherie
Auch im Bereich der Verwaltung gilt es, die Initiative der Plattform Land zur teilweisen Verlagerung von Ämtern in die Peripherie – so wie es der Landtag bereits 2017 beschlossen hat – voranzutreiben. So können für die Bürgerinnen und Bürger wohnortnahe Arbeitsmöglichkeiten und multifunktionale Servicezentren im ländlichen Raum entstehen.
Eindrucksvoll zeigt sich derzeit auch die Bedeutung einer kapillaren Nahversorgung mit Geschäften in allen Ortschaften als Teil der lokalen Kreisläufe, die es noch mehr - insbesondere im Hinblick auf lokale Produkte - zu unterstützen gilt. Dafür braucht es auch eine gute Logistik und eine starke heimische Landwirtschaft, die die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen kann. Dies alles trägt zur Verkehrsvermeidung bei und ist somit ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit. „In allen Sektoren sind dabei die Familienbetriebe eine große Stütze“, sagt Leo Tiefenthaler, der Vizepräsident der Plattform Land.
Ein Dank spricht die Plattform Land den tagtäglich im Einsatz stehenden Menschen aus, die auch in diesen Zeiten den ländlichen Raum lebendig erhalten.

Zur Plattform Land:
Die Plattform Land, die im Herbst 2013 zunächst als Interessensgemeinschaft vom Südtiroler Bauernbund und dem Gemeindenverband ins Leben gerufen wurde, besteht seit April 2017 als Verein. Mitglieder sind derzeit neben dem Bauernbund und dem Gemeindenverband das Land Südtirol, die Handelskammer Bozen, sowie Wirtschafts- und Sozialverbände. Zwei Fachbeiräte „Ländlicher Raum“ und „Intelligente Flächennutzung“ unterstützen die Mitglieder mit Expertisen.