Produktion | 03.04.2020

Vereinbarung bestätigt

Die im vergangenen Jahr abgeschlossene Zusatzvereinbarung zur Ausbringung von Kaliumphosphonaten im Grenzbereich zwischen biologischer und integrierter Produktion wurde kürzlich bestätigt. von Hermann Stuppner, SBB-Betriebsberatung und Ulrich Kiem, Südtiroler Beratungsring

Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist genau auf die Abstände zu achten.

Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist genau auf die Abstände zu achten.

Für die Pflanzenschutzsaison 2019 wurde zwischen VOG, VI.P, FOS, Fruttunion und Bioland Südtirol, Verein Bio Vinschgau, OG Bio Südtirol und OG Osiris eine Zusatzvereinbarung mit technischen Richtlinien für den Einsatz von kaliumphosphonathaltigen Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern im Grenzbereich zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Obstbauflächen abgeschlossen. Die Vereinbarung wurde auch vom Südtiroler Bauernbund, der AGRIOS und dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau mitunterzeichnet (siehe dazu Ausgabe vom „Südtiroler Landwirt“ Nr. 8/2019)

Aufgrund des positiven Trends bei den Randreihenanalysen der Biovermarktungsorganisationen und der Ergebnisse des vom Versuchszentrum Laimburg vorgenommenen wissenschaftlichen Rückstands-Monitorings im Grenzbereich zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Apfelanlagen wurde die Zusatzvereinbarung von 2019 in leicht abgeänderter Form bis auf Widerruf erneuert. Diese ergänzt die weiterhin gültige Rahmenvereinbarung für ein konflikt­freies Nebeneinander zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Obstbau­flächen.

Die im Jahr 2014 abgeschlossene Rahmenvereinbarung umfasst technische Richtlinien zur Vermeidung von Abdrift sowie die Möglichkeit zur Schlichtung von Streitfällen, um ein konfliktfreies Nebeneinander von benachbarten biologischen und integrierten Produzenten zu erleichtern. Rahmen- und Zusatzvereinbarung haben in den vergangenen Jahren zwar wesentlich zur Verminderung der Abdriftproblematik beigetragen, alle unterzeichnenden Parteien waren aber der Meinung, dass weiterhin gemeinsam an Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung gearbeitet werden muss.

Die Landesregierung hat kürzlich mit Beschluss Nr. 141 vom 3. März 2020 „Zusätzliche Bestimmungen zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln“ neue Vorschriften für die Ausbringung von Pflanzenschutz­mitteln erlassen (siehe dazu Ausgabe vom „Südtiroler Landwirt“ Nr. 5/2020). Die darin enthaltenen Mindestausstattungen für Sprühgeräte wurden in die Zusatzvereinbarung integriert.

Regeln zur Ausbringung

Kaliumphosphonathaltige Pflanzenschutzmittel und Blattdünger dürfen im Grenzbereich zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Obstbauflächen nur mit Geräten ausgebracht werden, welche einen Gebläseaufbau und eine Vollbestückung mit luftansaugenden Injektorflachstrahldüsen aufweisen. 

Mindestabstände einhalten

Zudem dürfen Kaliumphosphonate in einem Mindestabstand von sechs Metern zur Grundstücksgrenze (in der Regel die ersten zwei Baumreihen, mindestens aber die erste Baumreihe) grundsätzlich nur in Richtung des eigenen Grundstücks ausgebracht werden. 

Ist das betreffende Gerät zusätzlich mit einem Luftabdeckblech ausgestattet oder befindet sich zwischen den beiden Grundstücken eine Abdriftbarriere (Hecke oder Abdriftnetz mit Kulturhöhe), kann nach Beginn der Blüte der Mindestabstand für die Behandlungen in Richtung Feldinneres auf drei Meter (zumindest aber die erste Baumreihe) reduziert werden.

Sonderregelungen

Sonderregelungen betreffen den Einsatz von Kaliumphosphonaten bei Beetpflanzungen- und Mehrreihensystemen, bei Junganlagen und bei den Reihenköpfen. Insbesondere bei den Reihenköpfen bzw. bei den Fahrgewenden besteht ein beträchtliches Abdriftrisiko. Aus diesem Grund sollte in diesen Situationen bei der Ausbringung von Kaliumphosphonaten besonders umsichtig gehandelt werden. Bei Geräten mit einseitigem Luftabdeckblech sollte, sofern dies technisch durchführbar ist, beim Wechseln der Fahrgasse der Windflügel komplett ausgeschaltet werden. Die Grafik zeigt die nun geltenden Vorschriften auf, welche für alle Landwirte der unterzeichnenden Organisationen verpflichtend sind und ab sofort eingehalten werden müssen.

Die Zusatzvereinbarung sieht die Fort­setzung des 2019 gestarteten wissenschaftlichen Monitorings von Kaliumphosphonat-­Rückständen im Grenzbereich zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Apfelanbauflächen vor. Federführend beim Monitoring ist weiterhin das Versuchszentrum Laimburg in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau und den Qualitätsabteilungen der Biovermarktungsorganisationen. Die im Rahmen des Monitorings anfallenden Analysekosten trägt das Südtiroler Apfelkonsortium.

Sprueher 1

Sprueher 2Grafiken: Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau