Markt, Produktion | 19.03.2020

Neue Technik in der Landwirtschaft

Welche innovativen Technologien braucht die Südtiroler Landwirtschaft und wie können diese rentabel ­genutzt werden? Mit dieser Frage befassten sich die IDM und Eurac Research beim Projekt InnoAlp Tech. von Verena Gramm und Christian Hoffmann, Eurac Research

Sowohl Landwirte als auch Experten nannten die bedarfsgerechte Bewässerung als einen der wichtigsten Entwicklungsbereiche der Agrartechnik. Foto: Pixabay.com

Sowohl Landwirte als auch Experten nannten die bedarfsgerechte Bewässerung als einen der wichtigsten Entwicklungsbereiche der Agrartechnik. Foto: Pixabay.com

Roboter, die GPS- oder funkgelenkt die Ernte oder die Entfernung von Beikräutern übernehmen, selbstfahrende Traktoren oder Präzisionslandwirtschaft zur Düngung oder Bewässerung – es braucht Fantasie, um sich die Südtiroler Landwirtschaft in der Hand dieser Technologien vorzustellen. Dabei ist Landwirtschaft 4.0 längst in- und außerhalb Europas angekommen. Sie erleichtert den Landwirten nicht nur ihre Arbeit, sondern macht die Lebensmittelproduktion durch die Einsparung von Ressourcen ökologischer und erhöht nebenbei die Arbeitssicherheit. 

Auch Arbeitsunfälle in der Landwirtschaft könnten durch den Einsatz von neuen Technologien reduziert werden. Die Vorteile von Landwirtschaft 4.0 sind vielfältig – deshalb hat sich die IDM gemeinsam mit Eurac Research im Projekt InnoAlp Tech mit folgenden Fragen auseinandergesetzt: Welche der aktuellen technologischen Innovationen in der Landwirtschaft könnten von den Südtiroler Maschinenbauern an die Anforderungen im Berggebiet angepasst werden? Welche neuen Formen der Zusammenarbeit sind notwendig und denkbar, damit der Einsatz neuer Technologien für die kleinstrukturierte Südtiroler Landwirtschaft rentabel ist? 

Landwirte befragt

Das Projekt konzentrierte sich vor allem auf die Grünlandwirtschaft, den Weinbau und den Gemüseanbau. In diesen Bereichen sei der Bedarf an neuen Technologien besonders groß, so die Einschätzung von Experten des Bauernbunds, des Beratungsrings für Berglandwirtschaft BRING, des Beratungsrings für Obst- und Weinbau, des Maschinenrings und von Bioland Südtirol. Je vier Landwirte aus den drei Produktionstypen sowie zwölf Experten aus den Beratungsringen, den landwirtschaftlichen Verbänden und der Forschung wurden interviewt. Durch die Interviews identifizierten die Projektmitarbeiter jene Themen, durch die sich die Landtechnik in den drei Produktionstypen entscheidend verbessern ließe. Allgemein sehen die Interviewpartner, trotz der oft bereits bestehenden technologischen Lösungen am Markt, die hohen Anschaffungskosten oder die Dimension von innovativen Maschinen und Geräten, als das größte Hindernis für die Umsetzung von Landwirtschaft 4.0 in Südtirol. Bestehende Technologien sind nämlich meist für die Agrarindustrie konzipiert und können somit nicht in der kleinstrukturierten Berglandwirtschaft eingesetzt werden.

Klare Vorstellungen im Weinbau

Die Weinbauern und Weinbauexperten waren sich einig darüber, dass es vor allem eine Anpassung von Technologien für die Unterstockbearbeitung benötigt. Weitere Anregungen betrafen den Zugang und die Auswertung von Daten auf Betriebsebene, die für den Pflanzenschutz, aber auch für die Beurteilung der Pflanzenqualität relevant sind, sowie die Verwendung von abnutzungsresistenten oder biologisch abbaubaren Materialien bei Maschinen und Geräten zum mechanischen Pflanzenschutz. 

Technikeinsatz im Gemüsebau schwierig

Im klein strukturierten Gemüsebau hingegen ist es laut den Befragten in Südtirol generell schwierig, geeignete Geräte zu bekommen. Dieser Produktionstyp sei wenig technologisiert und auf viel Handarbeit angewiesen. Dementsprechend ist der klein strukturierte Gemüsebau in Südtirol arbeitsintensiv und zeitaufwendig. Die mechanische Unkrautbekämpfung in Mischkulturen beispielsweise, die im Steilhang und in unterschiedlichen Reihenabständen angebaut ­werden, ist mit der derzeit verfügbaren Landtechnik noch nicht zufriedenstellend durchführbar. Gemüsebauern bräuchten Geräte und Maschinen, die flexibel an unterschiedliche betriebliche Gegebenheiten anpassbar und für mehrere Produktionsschritte einsetzbar wären. 

Grünland: Bewässerung ist großes Thema

Die Interviewpartner aus der Grünlandwirtschaft erwähnten neben der Ampferbekämpfung die geruchlose Gülleausbringung und die bedarfsgerechte Bewässerung der Flächen als die wichtigsten Entwicklungsbereiche der Agrartechnik in ihrem Bereich. Besonders die bedarfsgerechte Grünlandbewässerung  sprachen die Experten in Zusammenhang mit dem Klimawandel als ein drängendes Thema an. 

Gemeinsame Nutzung maßgeblich

Einer gemeinschaftlichen Nutzung von Landtechnik stehen die Landwirte prinzipiell aufgeschlossen gegenüber. Sie sehen jedoch noch sehr viele unüberwindbare Hürden, vor allem wenn zu Arbeitsspitzen alle Landwirte zur selben Zeit die gleichen Geräte benötigen. Die Befragten waren sich aber auch einig, dass Geräte bzw. Maschinen, die nicht sofort und in keinem engen Zeitfenster benötigt werden, besser ausgelastet wären, wenn mehrere Landwirte diese gemeinsam beschaffen und nutzen würden. 

Den Maschineneinsatz durch den Maschinenring schätzen die Landwirte, wobei sie sich eine bessere geografische Verteilung der angebotenen Dienste wünschen. Außerdem bewerten sie den Maschinenverleih durch Dritte, wie er offenbar schon bei Weinbauern erfolgreich praktiziert wird, als ein gutes Beispiel. Die Gespräche mit den Landwirten erweckten den Eindruck, dass sie den Bedarf für Verbesserungen der Landtechnik erkennen und das Projekt InnoAlp Tec schätzen. Trotzdem standen einige den vielfältigen Chancen skeptisch gegenüber, die sich aus einer Anwendung technologischer Neuerungen für ihre Betriebe ergeben können. 

Wissen ausbauen

Die befragten Expertinnen und Experten waren sich hingegen einig darüber, dass in Südtirol noch hoher Bedarf besteht, den Wissensstand zum Thema Landwirtschaft 4.0 auszubauen und ein Bewusstsein für die praktischen Vorteile innovativer Technologien zu schaffen. 

Die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung sei gefragt, in Südtirol neue Angebote zum Thema technologischer Innovation zu gestalten und damit sowohl die Landwirte selbst als auch die landwirtschaftlichen Fachberater fit für die Zukunft zu machen.