Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 19.03.2020

Leben und Arbeiten im Corona-Notstand

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben in Südtirol weitgehend stillgelegt. Die Bäuerinnen und Bauern können weiter ihrer Arbeit nachgehen, müssen sich dabei aber auch an die strengen Vorgaben halten. von Bernhard Christanell

Auch bei der Arbeit gilt: Nach Möglichkeit den Sicherheitsabstand einhalten! Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Auch bei der Arbeit gilt: Nach Möglichkeit den Sicherheitsabstand einhalten! Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Die Büros des Südtiroler Bauernbundes sind in diesen Tagen weitgehend verwaist. Der Parteienverkehr ist zumindest bis zum Mittwoch kommender Woche, dem 25. März, zur Gänze eingestellt, die Büros bleiben geschlossen. 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aber dennoch zu den üblichen Bürozeiten per Telefon und E-Mail erreichbar. Eine vollständige Übersicht der Kontaktdaten gibt es auf der Bauernbund-Internetseite unter www.sbb.it. Hier werden in diesen und den kommenden Tagen auch laufend aktuelle Informationen zum weiteren Verlauf der Corona-Krise und ihren Folgen für die Landwirtschaft veröffentlicht. Es lohnt sich also, regelmäßig einen Blick auf diese Internetseite zu werfen. Allgemeine Informationen zum Verlauf der Covid-19-Pandemie und ihren Folgen für das öffentliche Leben in Südtirol fasst die Landesverwaltung laufend online unter www.provinz.bz.it/coronavirus

Auch die Landesverwaltung hat den Parteienverkehr weitgehend eingestellt. Wer sich in diesen Tagen mit einem Anliegen an die für die Landwirtschaft zuständigen Landesämter wenden muss, findet in dieser Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ auf Seite 32 eine Übersicht mit den wichtigsten Kontaktdaten.

Bauern und Bäuerinnen dürfen weiterarbeiten

Die Bäuerinnen und Bauern im Land drüfen ihrer Arbeit auf Hof und Feld natürlich auch in diesen Wochen nachgehen, auch wenn diese Arbeiten auf eigenen Grundstücken außerhalb der Heimatgemeinde nachgehen. 

Der Betriebsinhaber, die mitarbeitenden Familienmitglieder und die beschäftigen Arbeitskräfte dürfen im gesamten Landwirtschaftsbetrieb ihre Tätigkeiten ausüben, auch landwirtschaftliche Produkte können weiterhin ausgeliefert werden. 

Mittlerweile sind bekanntlich auch alle Geschäfte geschlossen, deren Betrieb für die öffentliche Grundversorgung nicht notwendig ist. Davon nicht betroffen sind Geschäfte, die landwirtschaftliche Betriebsmittel verkaufen. Wer also solche Betriebsmittel benötigt, kann diese weiterhin in den gewohnten Geschäften kaufen. 

Nie ohne Eigenerklärung

Auf jeden Fall ist aber immer – auch innerhalb der eigenen Gemeinde – die vorgeschriebene Eigenerklärung mitzuführen, mit der man bestätigt, aus notwendigen Gründen unterwegs zu sein sowie weder vom Virus infiziert noch in Quarantäne zu sein. Der Vordruck für die Eigenerklärung ist unter den auf der nebenstehenden Seite angegebenen Internetadresse oder über das Dienstleistungsportal „mein SBB“ abrufbar. 

Auch für alle Bäuerinnen und Bauern im Land gilt aber: Alle Bewegungen in der Öffentlichkeit, die nicht unbedingt notwendig sind, sind zu vermeiden.

Versorgung aufrecht erhalten

Damit die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung auch in Zeiten der Coronakrise gesichert ist, leistet auch die Südtiroler Agrarwirtschaft ihren Beitrag. Darauf hat der Südtiroler Bauernbund in einer gemeinsamen Aussendung mit IDM Südtirol, dem Südtiroler Sennereiverband, dem Südtiroler Apfelkonsortium und dem Konsortium Südtiroler Speck hingewiesen: „In allen Sektoren tut man das Möglichste, um die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu garantieren und die Produktion aufrecht zu erhalten“, erklärt Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler. Neben dieser gesicherten Grundversorgung will der Bauernbund in diesen Zeiten aber auch Mut machen – und zwar mit einer Foto- und Videoaktion auf den sozialen Netzwerken. Alle Bäuerinnen und Bauern sind eingeladen, ein Foto oder kurzes Video von sich bei der Arbeit auf Feld, Wiese oder im Stall zu machen und den Schnappschuss an die E-Mail-Adresse kommunikation@sbb.it zu schicken. Der Südtiroler Bauernbund postet eine Auswahl der Fotos und Videos auf den sozialen Kanälen von „Dein Südtiroler Bauer“. 

Hilfspakete von Staat und Land

In der Zwischenzeit haben der Ministerrat in Rom und das Land erste Hilfspakete angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise möglichst abzufedern. Der Staat hat diese Maßnahmen in einem Paket namens „Cura Italia“ zusammengefasst. Viele Details dazu waren bei Redaktionsschluss noch unklar. 

Für Arbeitgeber sind hier unter anderem besondere Maßnahmen betreffend die Lohnausgleichskasse (Ausdehnung der ordentlichen Lohnausgleichkassa in der Landwirtschaft CISOA auf die Reduzierung der Arbeitszeit der Fixarbeiter), die Einführung einer Sonderausgleichskasse und die Mithilfe von Verwandten und Verschwägerten am Hof vorgesehen, die jetzt bis zum sechsten Grad ausgedehnt wird. Andere Maßnahmen betreffen den Sozialbereich. Dazu gehören unter anderem ein Beitrag für die Kinderbetreuung, eine einmalige Zulage für Selbstständige sowie verschiedene Verlängerungen bzw. Aussetzungen von Fristen. Die verpflichtende Quarantäne wird als Krankenstand angesehen und dementsprechend gezahlt.

Vorgesehen ist auch ein Aufschub für die MwSt.-Zahlungen vom 16. März, dieser kam allerdings viel zu spät und war somit kaum anwendbar. Alle steuerlichen Verpflichtungen, mit Ausnahme der Zahlungen, welche in den Zeitraum 8. März bis 31. Mai fallen, sind bis zum 30. Juni aufgeschoben. Dies betrifft beispielsweise den Versand der MwSt.-Jahres­erklärung oder die Mitteilung der Auslands­umsätze. Der Versand der elektronischen Rechnungen und der Tageseinnahmen fällt allerdings nicht unter diese Verschiebung. 

Aktuelle Informationen zu all diesen Maßnahmen gibt es ebenfalls laufend auf der Internetseite www.sbb.it, im Portal „mein SBB“ und in den kommenden Ausgaben des „Südtiroler Landwirt“. 

Arbeitssicherheit

Im Bereich Arbeitssicherheit hat der Arbeitgeber die Verpflichtung, seine Arbeitnehmer über die im Betrieb vorhandenen Risiken und über die getroffenen Schutzmaßnahmen zu informieren. Dies gilt auch in Bezug auf die Ansteckung- und Verbreitungsgefahr des Coronavirus (COVID-2019). Bei Tätigkeiten, wo es nicht möglich ist, den Sicherheitsabstand zwischen den Arbeitnehmern von einem Meter als Haupteindämmungsmaßnahme zu gewährleisten, müssen alternative Maßnahmen berücksichtigt werden. So sind die Tätigkeiten so zu gestalten, dass kein Kontakt zwischen den Arbeitnehmern oder z.B. durch externe Lieferanten möglich ist oder nur mit Benutzung eines Mundschutzes als persönliche Schutzausrüstung. 

Die Rollen und Funktionen im Betrieb können zurzeit weiterhin ausgeübt werden, auch wenn in dieser Krisenzeit die notwendigen Auffrischungskurse nicht absolviert wurden. 

Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, welche beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten (beschränkt auf einfache landwirtschaftliche Tätigkeiten, welche keiner spezifischen beruflichen Qualifikation bedürfen), müssen nicht die zwölfstündige Arbeitssicherheitsausbildung absolvieren. Vorgesehen ist aber eine verkürzte Ausbildung, die mit einer eigenen Ausbildungsbroschüre erfolgen muss.

Dabei werden die Arbeiter mit Hilfe der Broschüre in die jeweiligen landwirtschaftlichen Tätigkeiten, für die sie angestellt wurden, eingewiesen, beispielsweise für Baumschneiden, Handausdünnen, Apfelernte, Weinlese, Beerenernte, Gemüseernte (u.a. Spargel) usw.

Diese Ausbildungsbroschüre steht auf der Bauernbund-Internetseite unter der Adresse http://bit.ly/arbeitssicherheit-arbeitnehmer zur Verfügung.