Produktion, Markt | 20.02.2020

Wenn alle im Tal zusammenhalten

Nach dem Sturmtief Vaja im Herbst 2018 rauschten die Holzpreise in ganz Südtirol in den Keller. Der Unmut unter den Waldbesitzern war groß. Im Ultental gab es ein Beispiel für gelebte Solidarität zwischen Heizwerk-Betreibern und Waldbesitzern. Ein Beispiel, das Nachahmer verdient hätte. von Bernhard Christanell

Auch im Ultental fielen Tausende Kubikmeter Schadholz an – hier lagern ca. 10.000 Kubikmeter am Lagerplatz beim Fernheizwerk von St. Walburg.

Auch im Ultental fielen Tausende Kubikmeter Schadholz an – hier lagern ca. 10.000 Kubikmeter am Lagerplatz beim Fernheizwerk von St. Walburg.

Karl Mairhofer, Bauernbund-Ortsobmann von St. Pankraz, erinnert sich: „Nach dem Sturm war bei den Waldbesitzern im ganzen Tal die Angst groß, dass es für das Schadholz wohl kaum viel abwerfen wird. Gott sei Dank haben unsere Heizwerke gezeigt, dass sie auf unserer Seite stehen.“

Was war geschehen? Die Situation nach dem großen Sturm ist nach wie vor präsent: Schätzungen zufolge hatte Vaja Ende Oktober 2018 bis zu 6000 Hektar Wald niedergewalzt – eine Menge von rund 1,5 Millionen Festmeter Holz. Der Großteil der Schäden wurde zwar vom Regglberg gemeldet, von den Schäden betroffen waren aber 86 von 116 Gemeinden im ganzen Land. 

Vereinbarung zwei Wochen nach dem Sturm

Getroffen wurde auch das waldreiche Ultental. Anders als in anderen Gebieten im gesamten Alpenraum zeigten sich aber die Fernheizwerke – die zu den wichtigsten Abnehmern für das Holz aus den Wäldern gehören – von Anfang an voll solidarisch mit den Waldbesitzern vor Ort. Drei Fernheizwerke gibt es im gesamten Tal – je eines in St. Pank­raz, St. Walburg und St. Nikolaus. Geführt werden alle drei von der Förderungsgenossenschaft Ulten. Rund zwei Wochen nach der Sturmnacht – am 13. November 2018 – trafen sich Vertreter dieser Genossenschaft mit den Obmännern der vier Bauernbund-Ortsgruppen im Tal, dem Ultner Gemeindereferenten Elmar Lösch und dem Leiter der Forststation St. Walburg/Ulten, Klaus Staffler, und trafen eine Vereinbarung, deren Inhalt bemerkenswert ist: Die Förderungsgenossenschaft verpflichtet sich darin, den Waldeigentümern das gesamte im Ultental durch das Sturmtief Vaja angefallene Brennholz mit Ausnahme der Äste abzunehmen – und zwar zum selben Preis, den sie den Eigentümern vor dem Sturm bezahlt hatten. 

Konkret hieß das: Die Waldbesitzer erhielten nach wie vor 46 Euro pro angeliefertem Kubikmeter Holz am jeweils festgelegten Lagerplatz und 22 Euro pro angeliefertem Schüttraummeter Hackgut beim jeweiligen Heizwerk. Als Zahlungsfrist wurde ein Zeitraum von 90 Tagen festgelegt – berechnet ab dem Tag der Lieferung des Holzes an die Heizwerke. 

Geld an Waldbesitzer immer pünktlich ausbezahlt

Georg Staffler, der im Auftrag der Genossenschaft die Anlieferung des Holzes koordinierte, blickt zurück: „Das war natürlich ein enormer Arbeitsaufwand und auch finanziell eine große Herausforderung. Schließlich galt es, sehr große Mengen Holz zu lagern und vor allem den Waldbesitzern das ihnen zustehende Geld pünktlich auszuzahlen. Mit vereinten Kräften haben wir das aber geschafft.“

Für die Förderungsgenossenschaft war dieser Schritt der Solidarität eine „logische Fortsetzung der sehr guten Zusammenarbeit, die wir bereits seit über 20 Jahren mit den Waldbesitzern im Tal pflegen“, wie Staffler heute betont. 

Akzeptiert wurde nur Holz von Waldbesitzern aus dem Ultental und vom benachbarten Nonsberg. Eine der wenigen Bedingungen, die die Förderungsgenossenschaft in der Vereinbarung stellte, betraf die Lagerplätze für das angelieferte Holz. 

Diese sollten für einen Zeitraum von drei Jahren kostenlos zur Verfügung gestellt werden, und zwar an Orten, die auch im Winter problemlos mit dem Lkw erreichbar waren. 

Die Aufgabe, solche Lagerplätze ausfindig zu machen, übernahm und organisierte die Leitung der Forststation von Ulten unter der Leitung von Klaus Staffler. Das bisher angelieferte Schad-Brennholz konnte fast zur Gänze auf dem großen Lagerplatz beim Heizwerk in St. Walburg gelagert werden. Eine kleinere Menge Brennholz (rund 1000 Kubikmeter) konnte die Förderungsgenossenschaft Ulten auf einem Lagerplatz in Kuppelwies, welchen die Energiegesellschaft Alperia zur Verfügung gestellt hatte, zwischenlagern. Einen beachtlichen Teil haben die Bauern selbst gelagert, vor Ort gehäckselt und im Laufe des Jahres in Form von Hackgut den einzelnen Heizwerken geliefert.

Forststation war sehr kooperativ

Die Bauern im Tal sind nach wie vor sehr zufrieden mit der Vereinbarung, die ihnen trotz des Überangebots am Markt einen stabilen Preis für ihr Holz gesichert hat: „Vor allem die unbürokratische Art und Weise, wie die Förderungsgenossenschaft bei der ganzen Sache vorgegangen ist, hat sicherlich Vorbildcharakter. Davon können sich andere sicherlich eine Scheibe abschneiden“, betont Ortsobmann Mairhofer, der gleichzeitig auch die Mitarbeiter der Forststation Ulten lobend erwähnt: „Sie haben sich sehr stark für uns Bauern eingesetzt und uns bei den Aufräumarbeiten stark unterstützt.“

Gutes Netzwerk im Tal

Das Beispiel Ulten zeigt, dass die Voraussetzung für einen solchen Erfolg ist, dass das Netzwerk vor Ort gut funktioniert. Die Forststation Ulten, die Förderungsgenossenschaft und die einzelnen Bauernbund-Ortsgruppen haben gezeigt, was vor Ort möglich ist, wenn ein ganzes Tal in so einer schwierigen Situation zusammenhält.