Politik | 23.01.2020

Mit guten Argumenten punkten

Konrad Senn ist als Gemeindereferent in Villanders unter anderem für das ländliche Wegenetz verantwortlich. Dem „Südtiroler Landwirt“ hat er von seinen Erfahrungen berichtet. von Bernhard Christanell

Konrad Senn: „In Südtirol ist so gut wie jeder entlegene Hof mit einer Straße erschlossen."

Konrad Senn: „In Südtirol ist so gut wie jeder entlegene Hof mit einer Straße erschlossen."

Südtiroler Landwirt: Herr Senn, das ländliche Wegenetz ist ja auch in ländlichen Gemeinden wie Villanders sehr gut ausgebaut. Was bleibt einem als zuständiger Gemeindereferent hier noch zu tun?

Konrad Senn: Es stimmt schon, dass bei uns im Land – und auch bei uns im Ort – so gut wie jeder entlegene Hof mit einer Straße erschlossen ist. Trotzdem geht die Arbeit hier nie aus: Es geht vor allem darum, die verschiedenen Wege instand zu halten und notwendige Reparaturen zu koordinieren. Ob es Unwetter im Sommer oder Schneefälle im Winter sind – es fällt immer wieder etwas an. Und wenn etwas zu tun ist, wird es schnell teuer.

So teuer, dass Ihre Kolleginnen und Kollegen im Gemeindeausschuss die Nase rümpfen und fragen, ob solche Kosten schon gerechtfertigt sind?

Es mag schon sein, dass manche sich im ersten Moment wundern, wie viel solche Arbeiten kosten können. Zu großen Diskussionen oder gar Gegenwind kommt es aber kaum – dafür ist das Verständnis in einer Landgemeinde wie Villanders schon vorhanden. Wenn es darum geht, unsere Arbeit als Bauern zu erklären, ist das manchmal schwieriger …

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Konrad Senn: „Wenn wir Bauern nicht mitentscheiden, dann werden es andere für uns tun.

Sie meinen damit, dass es auch auf dem Land immer mehr Menschen gibt, die keinen oder kaum noch Bezug zur Landwirtschaft haben …?

Ja, diesem Phänomen begegnet man auch bei uns immer öfter – auch wenn es nicht so akut ist wie in den Städten. Ich habe aber kein Problem damit, anderen unsere Arbeit zu erklären. Schließlich haben wir Bauern nichts zu verstecken. Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man mit den Leuten redet und ihnen mit guten Argumenten begegnet, hören sie schon zu und zeigen auch Verständnis – in den allermeisten Fällen jedenfalls.

Kommen wir zurück zum Wegenetz. Die Kosten sind schnell sehr hoch, haben Sie erwähnt. Schafft es eine Gemeinde wie Villanders, diese Kosten aus dem eigenen Haushalt zu decken?

Nein, gerade Gemeinden mit geringen laufenden Einnahmen tun sich damit sehr schwer. Da ist es schon auch die Aufgabe des Referenten, andere Geldquellen zu finden.

Zu Ihren Aufgaben gehört auch die Schneeräumung im Winter. Funktioniert diese reibungslos, oder gibt es hier Probleme?

Wir haben das Glück, dass die Schneeräumung bei uns im Dorf sehr gut funktioniert, auch weil wir gut ausgerüstet sind und viele Bauern mithelfen. Die Schneeräumung ist ein wichtiger Dienst für die Allgemeinheit, das steht für alle außer Zweifel. Die Bürger reagieren in solchen Situationen natürlich oft empfindlich, und es gibt oft Rückmeldungen, dass wir gerade beim einen oder anderen immer zuletzt kommen. Wir nehmen solche Beschwerden natürlich zur Kenntnis, versuchen sie aber auch richtig einzuordnen.

Als bäuerlicher Vertreter im Gemeindeausschuss müssen Sie natürlich vor allem auch die Anliegen der Landwirtschaft voranbringen. Wie wichtig ist es Ihrer Ansicht nach, dass Bäuerinnen und Bauern sich aktiv in die Gemeindepolitik einbringen?

Es ist unbedingt notwendig, dass wir als bäuerliche Vertreter auch auf Gemeindeebene unseren Beitrag leisten. Wer in der Gemeindepolitik tätig ist, muss viel Kleinarbeit leisten. Viele wollen sich diesen Aufwand nicht antun – aber eines muss schon klar sein: Wenn wir nicht mitreden und uns einbringen, wo die Entscheidungen fallen, werden andere für uns entscheiden. Und ob dann das rauskommt, was wir als Landwirtschaft brauchen, ist fraglich.