Internationales, Bauernbund | 17.01.2020

Bauern brauchen mehr Sicherheit!

Mit Rekorden kann die 85. Internationale Grüne Woche in Berlin in diesem Jahr aufwarten: Erstmals nehmen mehr als 1800 Aussteller aus rund 70 Ländern daran teil. Auch Südtirol ist darunter. Gestern Abend (16. Jänner) wurde sie offiziell eröffnet. von Renate Anna Rubner

Südtiroler Gäste mit Südtiroler Produkten auf der Grünen Woche.  (Foto: IDM/ Ralf Rühmeier)

Südtiroler Gäste mit Südtiroler Produkten auf der Grünen Woche. (Foto: IDM/ Ralf Rühmeier)

Bundesministerin Julia Klöckner ging in ihrer Rede zur Eröffnung der Grünen Woche auf das Thema Nachhaltigkeit ein: „Nachhaltig ist unserer Landwirtschaft nur dann, wenn wir sowohl den ökologischen als auch den ökonomischen Anforderungen entsprechen und es keine sozialen Verwerfungen gibt.“ Man dürfe nicht vergessen, dass im Mittelpunkt der Landwirtschaft Frauen und Männer stehen, die die Tische decken. Und zwar mit Verantwortung – davon müsse man ausgehen. Deshalb wünscht sich die Ministerin eine Debatte, bei der Bäuerinnen und Bauern auf Augenhöhe mitreden dürfen. „Diesen Respekt, diese Wertschätzung haben sie sich verdient“, forderte Klöckner, die Landwirtschaft dürfe nicht in die Rolle des Missetäters gedrängt werden.

Den Blick nach vorne richten
Sie wolle keine rückwärts gerichtete Landwirtschaft, sondern eine progressive, digitalisierte und moderne Nahrungsmittelproduktion, die die Menschen satt machen kann und Bäuerinnen und Bauern stolz macht. Um das zu schaffen, sei nicht nur die Landwirtschaft in der Pflicht, sondern vor allem auch die Politik, die sogenannten NGOs, der Handel und nicht zuletzt die Verbraucher.
Schließlich appellierte sie für Zuversicht in der Bauernschaft: „Mit der neuen EU-Agrarreform wird es weniger zu verteilen aber mehr zu tun geben“, sagte sie rundheraus. Aber Panik sei fehl am Platze in dieser Zeitenwende.

EU-Kommissar: „Green Deal“ als Chance sehen
EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski warb in seinen Grußworten um den „Green Deal“: Er könne eine Chance für die Landwirtschaft sein, sofern sie als Teil der Lösung angesehen werde. Und er erklärte, dass die Landwirtschaft darin unterstützt werden müsse, den Aufgaben und Herausforderungen des Green Deal gerecht werden zu können. Wojciechowski erklärte, dass er zwar nicht aus der Landwirtschaft komme, dass er aber die Probleme der Bäuerinnen und Bauern verstehe und er sich nach Kräften dafür einsetzen werde, um die Europäische Landwirtschaft und vor allem die Bauernfamilien bestmöglich zu unterstützen.

Rukwied: Verständnis für Demonstranten
Joachim Rukwied – der Präsident des Deutschen und des Europäischen Bauernverbandes –  ging auf die vielen Proteste und Demonstrationen ein, die derzeit von Bäuerinnen und Bauern abgehalten werden. Diese Reaktion sei verständlich, sagte Rukwied, denn die Landwirte stünden immer stärker unter Druck: Einerseits gebe es viele Anforderungen, die die Gesellschaft an die Bauern stellt, andererseits sei der Wettbewerb am Markt sehr hart. Aber der Protest der Bauern stoße in der Bevölkerung auf viel Sympathie, sagte Rukwied. Weil darin die Botschaft vermittelt werde: „Lasst uns reden, wir wollen und suchen den Dialog!“
„Wir hoffen, dass die Politik verstanden hat, dass wir Zukunftsperspektiven brauchen!“, sagte der Präsident weiter und verwies auf die Wichtigkeit eines stabilen EU-Agrarbudgets. Für eine grünere Agrarpolitik brauche es finanzielle Ressourcen, den Rückhalt der Politik und die Wertschätzung der Verbraucherinnen und Verbraucher: „Wer es sich leisten kann, der soll auch teurere Lebensmittel kaufen und damit die heimischen Bäuerinnen und Bauern unterstützen!“ 

Partnerland Kroatien: Fast alles Familienbetriebe
Seiner Freude, das diesjährige Partnerland der Grünen Woche zu sein, gab Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plencovic Ausdruck. Gleichzeitig stellte er Kroatiens Landwirtschaft vor: Die Landwirtschaftliche Fläche beträgt 1,5 Millionen Hektar, die von rund 170.000 Familienbetrieben bearbeitet wird. 97 Prozent der Betriebe sind Familienbetriebe. Rund 13 Prozent der Betriebe werden von jungen Bäuerinnen und Bauern geführt, worauf das Land sehr stolz ist. Zudem hat man bereits frühzeitig verstanden, den Weg der Qualität zu gehen und habe bereits eine ganze Reihe von Produkten mit der EU-Schutzmarke: z.B. beim Rohschinken, bei Würsten, Käse, Olivenöl oder bei Weinen.