Bauernbund | 04.12.2019

Nachhaltigkeit ist Chance

Die Neuausrichtung der Förderpolitik, die Gemeinderatswahlen und die Ökologisierung der Landwirtschaft: Die Herausforderungen der nächsten Jahre standen im Mittelpunkt der SBB-Bezirksversammlung Eisacktal. Für einen vollen Saal sorgte ein weiteres Thema: der Wolf. von Michael Deltedesco

Gottfried Federspiel erhielt für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz die Ehrennadel in Silber.

Gottfried Federspiel erhielt für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz die Ehrennadel in Silber.

Derzeit ist es ruhig auf den Almen, auch weil das Vieh im Stall ist. Aber bereits ab nächstem Frühjahr wird der Wolf wieder für Ärger sorgen, befürchteten viele Bauern bei der Eisacktaler Bezirksversammlung in Vahrn. Zumindest etwas Hoffnung machte Senator Meinhard Durnwalder. Das Urteil des Verfassungsgerichtshofes, das dem Land eine umfassende Zuständigkeit für das alpine Habitat zuerkennt und das Landesgesetz zum Wolfsmanagement als verfassungskonform wertete, gibt dem Land Südtirol mehr Spielraum im Umgang mit dem Wolf. 

Aber auch mit dem neuen Landesgesetz sind Entnahmen nur sehr schwer und nur in bestimmten Fällen möglich. „Dafür müssen alle Alternativen wie etwa der Herdenschutz ausgeschöpft sein. Zudem darf der günstige Erhaltungszustand der Wolfspopulation nicht gefährdet werden, und es muss eine Gefahr für Nutztiere oder den Menschen bestehen.“ Auch müsse das Land vor Entnahmen Gutachten der Höheren Anstalt für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) einholen. Derzeit stößt Südtirol beim Thema Wolf in Rom aber auf taube Ohren. Dennoch versicherte Durnwalder, sich weiterhin für eine für Südtirol gute Regelung einzusetzen, damit die traditionelle Almwirtschaft erhalten bleibt. 

Für den Fall, dass mehr Herdenschutz gefordert wird, müsse das Land für die gesamten Kosten aufkommen, stellte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner klar. Zudem müsse die Wolfspopulation neu definiert werden. Werden jeweils nur die Wölfe in unmittelbarer Nähe gezählt, könnte der günstige Erhaltungszustand zum Problem werden. Stattdessen muss die Wolfspopulation geografisch weiträumiger gesehen werden. 

Förderungen bald wieder „offen“ 

Landesrat Arnold Schuler gab einen Überblick über die Förderungen 2020. Derzeit sind Förderungen ausgesetzt, um die Kriterien zu überarbeiten und das Fördersystem neu auszurichten. „Schwerpunkte der künftigen Förderpolitik werden die Ökologisierung, die Junglandwirte und die Beratungsdienste sein.“ Auch die Bewässerung wird eine Rolle spielen. 

Nach der Anpassung der Förderkriterien werden viele Förderungen in den ersten Monaten des nächsten Jahres wieder „offen“ sein. Etwas länger wird es bei jenen für Bewässerungen dauern. Änderungen wird es bei den Förderungen für das ländliche Wegenetz geben. „Derzeit liegen viel zu viele Ansuchen vor.“

Klimawandel: Wald als Chance 

Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner appellierte, die Forderung nach noch mehr Nachhaltigkeit als Chance zu sehen. „Alle reden über Klimaschutz, aber kaum jemand darüber, dass gerade das Grünland und die Wälder entscheidend zum Klimaschutz beitragen können, weil sie CO2 speichern bzw. umwandeln.“ Zunehmend wichtiger wird das Tierwohl. Hier sieht Rinner die heimischen Viehbetriebe gut aufgestellt. Zu begrüßen sei auch, dass künftig vor allem Laufställe gefördert werden. 

Ein Schwerpunkt im Jahr 2020 wird die Gemeinderatswahl. „Da geht es um die Wurst, denn mit dem neuen Landesraumordnungsgesetz kommen viele neue Zuständigkeiten auf die Gemeinden zu. Daher ist es wichtig, dass die Landwirtschaft gut in den Ausschüssen und im Gemeinderat vertreten ist.“ Rinner rief dazu auf, die Wahl ernst zu nehmen und rechtzeitig fähige Kandidatinnen und Kandidaten zu suchen und für sie zu werben.  

Ein aktuelles Thema ist die Gülleausbringung. „Viele Betriebe haben aufgrund des frühen Wintereinbruchs noch nicht die gesamte Gülle auf die Felder bringen können. Für eine Ausbringung im Dezember braucht es aber eine Sondergenehmigung der Forstbehörde“, erinnerte Bezirksobmann Daniel Gasser. Zudem appellierte er, heuer besonders vorsichtig zu sein, da durch die Niederschläge die Böden extrem weich und rutschig sind. 

Im Rückblick auf das Erntejahr 2019 gab es im Eisacktal Licht und Schatten. „Weinbau und Urlaub auf dem Bauernhof sind sehr erfolgreich. Mit dem neuen Gemeinschaftswerk von Milchhof Brixen Brimi und Loacker in Vintl hoffen wir auf einen höheren Molkepreis. Das schwierigste Jahr haben die Obstbauern hinter sich. Durch die hohen Erntemengen war der Preis das ganze Jahr über stark unter Druck. 2020 dürfte sich die Lage wieder etwas normalisieren.“ 

Feierlich wurde es zum Ende der Bezirksversammlung in Vahrn. Über 20 Jahre war Gottfried Federspieler aus Lüsen u. a. in der Bauernbund-Ortsgruppe Lüsen und in der Höfekommission tätig. Für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz überreichten ihm Bezirksobmann Daniel Gasser und Direktor Siegfried Rinner die Ehrennadel in Silber des Südtiroler Bauernbundes.