Betriebsberatung | 28.11.2019

Darlehen - Nachverhandeln kann sich lohnen

Wer ein älteres Darlehen hat, sollte genauer hinsehen: Oft ist der Zinssatz noch sehr hoch. Wer hier aufpasst und nachverhandelt, kann viel Geld sparen. von Abteilung Betriebsberatung, Finanzierungsberater Josef Fauster

Foto: Rudy and Peter Skitterians_ Pixabay

Foto: Rudy and Peter Skitterians_ Pixabay

Bei der Finanzierungsberatung, die der Südtiroler Bauernbund seinen Mitgliedern anbietet, zeigt es sich, dass Landwirte immer noch ein älteres Darlehen haben, mit einem damals üblichen aber momentan sehr hohen Zinssatz.

Bekanntlich sind in Europa die Leitzinsen immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau, das bedeutet für den Darlehensnehmer: Man kriegt Geld zu einem Zinssatz, von dem man vor einigen Jahren nur träumen konnte. Variable Darlehen werden zum Teil zu Zinssätzen von weniger als 2 % vergeben und auch bei fixverzinslichen Darlehen soll es schon Zinssätze geben, die gegen die 2 % tendieren.

 

Leider gibt es immer noch Banken, bei denen der Kunde bei Zinserhöhungen regelmäßig Post von seiner Bank mit der Ankündigung einer „einseitigen Vertragsabänderung“ bekommt. Im umgekehrten Fall aber schaut es ganz anders aus: Meist herrscht Stillschweigen und es verbleibt der nicht mehr zeitgemäße und viel zu hohe Zinssatz. Wurde er nicht an die sinkenden Leitzinsen angepasst, so muss vom Kunden über einem längeren Zeitraum ein zu hoher Preis für das geliehene Geld bezahlt werden. Berechnet man die Zinsersparnis einer Anpassung auf die gesamte Restlaufzeit eines Darlehens, ergeben sich schnell Beträge von mehreren Tausend Euro.

 

Ein Landwirt mit einem älteren Darlehen mit zu hohen Zinsen hat zwei Möglichkeiten: Entweder verständigt er sich mit der derzeitigen Bank auf einen besseren Zinssatz oder er beantragt eine Surrogation. Dazu handelt der Landwirt mit einer anderen Bank die neuen Kreditkonditionen aus und überträgt das Darlehen auf diese. Gesetzlich ist dieser Ersatz des Darlehensgebers so geregelt, dass die Umschreibung innerhalb von 30 Tagen zu erfolgen hat und kostenlos ist. Voraussetzung ist, dass die Restschuld des Darlehens gleichbleibt. Das heißt, der Zinssatz oder auch die restliche Laufzeit dürfen sich ändern, aber das Darlehen darf nicht erhöht werden. Eine Erhöhung des geliehenen Betrages auch nur um wenige Tausend Euro kann Mehrkosten von 5.000 Euro und mehr verursachen, weil Strafzahlungen an die „alte“ Bank, Gutachterkosten, Bearbeitungsgebühren und Notarkosten anfallen.

Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang, dass es sich bei Darlehen, die für eine Surrogation in Frage kommen, um Investitionen handeln muss, die vorwiegend für den Bau der Wohnimmobilie beantragt wurden. 

 

Wer nicht sicher ist, ob das bei ihm zutrifft oder von neutraler Stelle einen guten Rat bekommen will, der kann auf den Dienst der Finanzierungsberater zurückgreifen. Das sind erfahrene Experten aus dem Bankensektor, die auf Wunsch die Bankkonditionen und Zinssätze von Fremdfinanzierungen prüfen und sie helfen, die geeignete Kreditform zu finden.

Zum Beratungsangebot gehört auch die Prüfung der Investitionsrentabilität. Die Beratungen finden in diskreter Form beim Landwirt zu Hause statt. Die Beratungskosten pro Stunde von 30 Euro plus Mehrwertsteuer sind bei einer möglichen Zinsersparnis sicher sehr gut investiertes Geld. Mit fachkundiger Beratung vermeidet man Fehler, holt das Maximum aus den Verhandlungen heraus und vergrößert den finanziellen Spielraum des eigenen Betriebes.

 

Die Finanzierungsberater des Südtiroler Bauernbundes

Herbert Achammer, Tel. 338 5357506 (Eisacktal, Wipptal)

Josef Fauster, Tel. 338 5361077 (Raum Bozen, Überetsch/Unterland, Vinschgau, Burggrafenamt)

Paul Pezzei, Tel. 334 3874869 (Pustertal)